20.10.2001 "The Maritime & Coastguard Agency" (Sicherheit)

 

Die britische "The Martime & Coastguard Agency" bringt täglich - wirklich "aktuelle" - Kurzberichte über "Seenotfälle" heraus, bei denen die britische Coastguard zu Hilfe gerufen wurde. Alle Berichte eines laufenden Jahres werden auf der Homepage dieser Behörde:(Dank an Jochen Grikschat für diesen Hinweis!) - nach Monaten sortiert - gesammelt und können dort unter "Press Release" abgerufen werden:

 

http://www.mcga.gov.uk/news/releases/index.htm (MCGA)

 

Da man aus den Fehlern Dritter immer etwas Lernen kann, möchte ich kurz über jene "Seenotfälle", die Küstenkanuwanderer ("Canoeist"), nicht jedoch Küstenkanuwanderinnen, auslösten, berichten:

 

26.05.01: Swansea Coastguard sucht nach im Nebel verirrte Kanuten

 

Zwei Kanuten (33 und 60 Jahre) (ausgerüstet u.a. mit Kompass, Schwimmweste, Seenotsignalmittel und Handy) befanden sich im Norden von Devon (von Hartland Beach über Clovelly nach Lundy Island) auf einer mehrtätigen Touren, gerieten nahe einer dicht befahrenen Schifffahrtsstraße in 100 m dichten Nebel, verloren - allein mit Kompass ausgerüstet - die Orientierung, wurden - trotz wenig bewegter See - seekrank und begannen, bei +14° C zu unterkühlen. Per Handy erbaten sie um 12.40 Uhr um Unterstützung.

 

1 Rettungshubschrauber, 2 Seenotrettungsboote und verschiedene lokale Fischerboote suchten nach den Kanuten. Der Hubschrauber fand sie und lotste ein Seenotrettungsboot zu ihnen, das beide Kanuten an Bord holte. Ihre Kajak wurden von einem Fischerboot geborgen.

 

Die Coastguard empfahl, vor dem Start jeweils die Wetterbedingungen zu überprüfen, vor dem Start einen Tourenplan ("passage plan") bei der zuständigen Stelle der Coastguard zu hinterlegen und nach Ankunft am jeweiligen Ziel darüber die Coastguard zu informieren.

 

Anmerkung: Ohne Handy hätte die beiden nicht auf ihren Notfall aufmerksam machen können und mit einem GPS-Geräte hätte sie sicherlich nicht so leicht die Orientierung verloren. Übrigens, im Gegensatz zur Coastguard ist die DGzRS nicht daran interessiert, von Küstenkanuwanderern prophylaktisch Informationen über ihre Tourenplanung zu erhalten.

 

03.06.01: Thames Coastguard koordiniert Suche nach vermisstem Kanuten

 

Ein Kanute (30 Jahre), der bei 4-5 Bft. Wind eine Tour vom River Ore hinaus aufs Meer Richtung Aldeburgh unternahm, wurde noch am selben Tag von seinem Arbeitgeber vermisst, da er nicht um 11.00 Uhr zur Arbeit erschien. 3 Seenotrettungsboote und 1 Rettungshubschrauber begaben sich um 12.20 Uhr auf die Suche. Nach 2:20 Std. entdeckte der Hubschrauber den Kanuten im Wasser, nahm ihn an Bord und flog ihn ins Krankenhaus.

 

Anmerkung: Die gezielte Suche nach dem Kanuten war nur möglich, da er vorher seinem Arbeitgeber über seinen Tourenplan informiert hatte.

 

08.06.01: Holyhead Coastquard sucht nach gekentertem Kanuten

 

Nach einer über 2-stündigen Suche fand ein alarmierter Rettungshubschrauber einen Kanuten, der solo unterwegs war. Der Kanute (ausgerüstet mit Schwimmwest und Neopren) hatte bei 3-4 Bft. Wind nach einer Kenterung in unmittelbarer Nähe des "Skerries Lighthouse" (6 sm nördlich von Holyhead) per Handy über die britische Notrufnummer 999 um Hilfe gerufen. Anschließend brach der Telefonkontakt ab. Mit 4 Seenotrettungsbooten und 3 Rettungshubschraubern, sowie dem Fischtrawler "Resolute" und (!) der irischen Highspeed Fähre "Jonathan Swift" wurde die Suche aufgenommen.

 

Um 20.45 Uhr entdeckte der Fischtrawler den Kanuten 3 sm nördlich der Skerries und benachrichtigte einen Rettungshubschrauber, der innerhalb von 30 Sek. (!) vor Ort war, den Kanuten an Bord zog und - wegen Unterkühlung - ins Krankenhaus flog.

 

Anmerkung: Auch wenn in dem Bericht nichts darüber zu lesen steht, brach wohl deshalb der Telefonkontakt nach dem ersten Anruf per Handy ab, da das Gerät nicht genügend wasserdicht war.

 

18.08.01 Solent Coastguard findet vermissten Kanuten tot

 

Früh morgens startete bei wenig bewegter See ein Kanute (45 Jahre) (ohne Schwimmweste) nahe Portsmouth harbour aus zu einer 1‑stündigen Tour. Da er nicht zurückkehrte, alarmierte seine Frau um 10.30 Uhr die Polizei. 1 Rettungshubschrauber suchte nach ihm und fand ihn ca. 1/2 sm von seinem Startplatz aus. Sein Kajak trieb im gekenterten Zustand. Der Kanute befand sich noch in der Sitzluke.

 

08.09.01 Solent Coastguard sucht gekenterten Kanuten

 

Ein Kanute kenterte nahe der Needles (Isle of Wight). Da er nicht wieder ins Kajak kam, rief er per Handy seinen Bruder in Cambridge, seinen Vater in Dubai und seine Mutter an. Auf Umwegen wurde so um 17.23 Uhr Solent Coastguard alamiert. 1 Rettungshubschrauber und 1 Seenotrettungsboot sofort nach ihm. Der Hubschrauber fand den Kanuten um 17.37 Uhr und holten ihn an Bord.

 

Die Coastguard empfiehlt, stets ein UKW-Handfunkgeräte dabei zu haben, da mit einem solchen Gerät direkt Kontakt mit der Coastguard aufnehmen kann. Ansonsten wird geraten, per Telephon die Notrufnummer 999 zu wählen. Der Anrufer wird dann sofort mit der Coastguard verbunden.

 

Anmerkung: Auch in diesem Jahr bietet die SaU Kurse zu Erlangung des Befähigungnachweises an, der in Deutschland nötig ist, um ein UKW-Handsprechfunkgerät zu benutzen. Steht einem für einen Notruf nur ein Telefon zur Verfügung, sollte man nicht den allgemeinen Notruf Tel. 110 (Polizei), sondern die Tel.-Nr. der SAR-Seenotleitstelle in Bremen Tel. 0421/536870 (Festnetz) bzw. Tel. 124124 (Handy) wählen. Übrigens, die im Handy automatisch anwählbare Notrufnummer verbindet einem nur mit der Polizei.

 

Text: Udo Beier