20.07.2002 Seenotfall vor Baffin Island (Ausbildung)

Im SEA KAYAKER analysiert Doug Lloyd in dem Beitrag "Life and Death off Baffin Island" den folgenden Seenotfall:

2 Pärchen wollen ca. 10 km dicht entlang der mit Eisbrocken durchsetzen nördlichen Küste von Baffin Island paddeln, um sich den Fußweg zu Mount Herodier zu ersparen. Da sie keine Zweier bekommen, nehmen sie 4 Einer-Seekajaks ("Solstice" von Current Design) die ohne Lenzpumpe ausgerüstet sind. Die 4 Kanuten sind keine erfahrenen Küstenkanuwanderer. Trotz der Wassertemperaturen von max. +2° C tragen sie nur Schutzanzüge, die nicht wasserdicht zu verschließen sind. Plötzlich setzt innerhalb weniger Minuten ein sehr starker ablandiger Wind ein. Eine Kanutin treibt ab und wird entweder vom Wind umgeweht bzw. von einer brechenden Welle umgeschmissen. Da alle die üblichen Lenz- und Wiedereinstiegstechniken nicht beherrschen, klettert sie auf Anweisung beim Kameraden aufs Achterdeck und bringt ihn ebenfalls zum Kentern. Der zweite Kamerad kommt vom nahe Ufer herbei geeilt und vereinbart mit dem im Wasser neben seinem Kajak treibenden Kameraden zunächst die gekenterte Kameradin ans Ufer zu bringen, d.h. er lässt derweilen seinen Kameraden im eiskalten Wasser zurück. Während er mit der immer schwächer werdenden Kanutin auf dem Heck mühsam Richtung Ufer paddelt, treibt die zweite Kanutin "ohnmächtig", d.h. sie kann ihr Kajak nicht mehr auf Kurs halten, vom Ufer weg. Der Kamerad mit der Kanutin auf dem Heck erreichen nach einiger Zeit das Ufer. Die anderen beiden treiben jedoch mit dem immer stärker wehenden Wind auf den über 15 km breiten Eclipse Sound hinaus und werden trotz ausgiebiger Suche nicht mehr lebend gesichtet.

Quelle: SEA KAYAKER, Nr. Aug. 2002, S.53-58 - www.seakayakermag.com