19.05.2003 Boots-/Paddeltechnik (Ausbildung)

In KANU MAGAZIN berichtet Olli Grau in dem Beitrag:

Die Konsequenzen der Bootsentwicklung für die Fahrtechnik

über ein paar wichtige Zusammenhänge, die nicht nur den WW-Fahrer betreffen, sondern auch den Brandungsfahrer (Hinweis: Die kursiv gesetzten Passagen sind nachträglich von U.B. eingefügt worden, um den Bezug zum Seekajak deutlich zu machen.)

Zum Bootsdesign ist u.a. Folgendes zu lesen: "Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Bauweisen: Lang, schmal und mit Rundboden (alt) oder kompakt, breit und mit Flachboden (neu). Ein langes, schmales Boot mit runden Spant ist schnell, spurtreu, unempfindlich gegen Seitenwasser (,verfügt über ein besseres "Rollverhalten" bei quer laufendem Seegang, d.h. lässt sich in den Wellen leichter aufrecht halten bzw. zur brechenden Welle hin leichter neigen), aber kipplig. Ein solches Boot zu drehen ist sehr schwierig. Als Fahrer eines klassischen Kajaks ist man meist mehr damit beschäftigt, es mit viel Kraft- und Technikaufwand um die Ecke zu dirigieren, als das Beschleunigungs- und Geschwindigkeitspotenzial auszunutzen. Ein kurzes, breites Boot mit Flachboden ist dagegen sehr leicht zu drehen, schwimmt hoch auf und taucht ... kaum weg. Allerdings ist es langsam, verliert schnell die Geschwindigkeit, hat eine schlechte Spurtreue und ist empfindlich gegen Seitenwasser (und hat folglich ein schlechteres "Rollverhalten" bei quer laufender See)."

Zur "Grundstabilität": "Ein großer Vorteil des Flachbodenkajaks (statt: Rundbodenkajak) ist seine Grundstabilität. Das Boot liegt wie ein Brett auf dem Wasser. Du hast mehr Zeit zum Paddeln und vergeudest weniger Zeit mit Stützen und Rollen."

Zur Sitzhaltung: "Setze dich aufrecht mit leichter Vorlage ins Boot, Brust raus, Bauch rein ...Entlaste den Rückengrut, so dass dein Gewicht auf den Pobacken sitzt. Deine Beine sind aufgespreizt und greifen unter die Schenkelstützen. Deine Fersen stehen zusammen am Bootsboden auf und die Fußballen drücken gegen die Fußstütze." (Übrigens, in der erläuternden Zeichnung wird noch darauf hingedeutet, dass man auch den nötigen Hüftkontakt zum Boot hat.)

Zum Paddelschlag: "Die Kraft bei allen Schlägen kommt vom Verdrehen des Oberkörpers - und nicht aus dem Bizeps oder gar den Unterarmen. ... Die Arme sind nur eine Verlängerung des Rumpfes und funktionieren allein als Hebel. ... Um die im Vergleich zum Rumpf eher schwachen Armgelenke optimal zu nutzen, bildet man mit Paddel und Armen das sog. "Paddeltrapez"."

Zur Paddeltaktik: "Fährst du in spannende Stromschnellen (bzw. im Brandungsbereich) ... bringe den Oberkörper in Vorlage und paddle kontinuierlich vorwärts (statt das Paddeln einzustellen und darauf zu warten, bis der Brecher dich erreicht hat). Die daraus resultierende Geschwindigkeit bringt nicht nur Sicherheit durch erhöhte Bootsstabilität, auch die Schläge selber stabilisieren. Die nächste Welle ist dein Ziel. Ist es erreicht, fixiere sofort das nächste.

Quelle: KANU MAGAZIN, Nr.4/03, S.68-69 - www.kanumagazin.de

Anmerkung: Beim Seekajakdesign ("Blue-Water"-(BW)-Kajak) ist - im Gegensatz zum WW-Kajakdesign - wohl nicht ein Trend hin zu kürzer und breiter zu erkennen, dafür aber ein Trend hin zum "Knickspant". Bei etwa gleicher Breite und Länge verfügt ein "Knickspanter" über ähnlich gutes "Rollverhalten" (bei quer einlaufender See) und erleichtert zusätzlich - sofern ohne Steuer gepaddelt wird - die Steuerbarkeit des Kajaks durch Ankanten, da auf Grund der Form des Unterwasserschiffs beim Ankanten i.d.R. deutlich früher Veränderungen des Wasserablaufes am Unterwasserschiff eintreten, und das zusätzlich abrupterer und somit deutlich merkbarerer als bei "Rundspanter".