08.09.2003 Atem anhalten (Ausbildung)

Im SEA KAYAKER stellt Roger Schumann in dem Beitrag:

"Waiting to Inhale: Breath-Holding Drills for Kayakers"

ein paar Atemtechnikübungen vor, damit man nach einer Kenterung unter Wasser nicht sofort in Atemnot gerät, sondern länger die Luft anhalten kann, und zwar auch dann noch, wenn der erste, zweite, dritte Rollversuch nicht klappt.

Gerade beim Rollen ist es nicht nur wichtig, den Atem länger anhalten zu können, damit man nicht wegen des Gefühls, keine Luft mehr zu haben, zu flüchtig die Rolle ansetzt und dadurch nicht vollständig aufrollen kann, sondern man muss auch in der Lage sein, zwischen den Rollversuchen möglichst schnell aus- und wieder einatmen zu können, damit man für den nächsten Rollversuch wieder genug Luft hat. Schumanns Übungsvorschläge dienen beiden Aspekten.

Folgende Übungsschritte werden u.a. vorgeschlagen:

1. Tiefes Aus- und Einatmen, wobei nach ein paar Durchgängen nach dem Ausatmen bzw. Einatmen versucht wird, mehrmals hintereinander noch weiter auszuatmen bzw. einzuatmen.

2. Langsames (2-4 Sekunden) und schnelles (1-2 Sekunden) Aus- und Einatmen.

3. Statische Atemübung, d.h. Atem Anhalten, während man z.B. auf einem Stuhl sitzt:

4. Dynamische Atemübung, d.h. das Atem Anhalten findet wie in 3. statt, jedoch während einer Bewegung (z.B. beim Gehen; ersetzte dann die Sekunden durch Schritte; bzw. beim Paddeln, ersetze dann die Sekunden/Schritte durch Paddelschläge).

5. Rollübungen:

6. Ausatemübung: Wiederhole die Übungen 3. - 5. indem jeweils nach dem Einatmen die Luft erst dann angehalten wird, nachdem ausgeatmet wurde.

Anmerkung: Schumann meint, dass durch dieses Training es einem leichter fallen wird zu atmen und den Atem anzuhalten. Insbesondere über die Rollübungen (5.) wird der Kenterbruder aber lernen, seine Rolltechnik zu verbessern und so Vertrauen in seine Rolle gewinnen. Das trägt nicht nur dazu bei, dass die Rolle unverkrampfter ausgeführt wird und somit leichter gelingen wird, sondern auch dazu, dass man unter Wasser die Ruhe behält und dadurch plötzlich in der Lage ist, den Atem länger anzuhalten.

Ob man dann bei jeder Wassertemperatur den Atem, wie beim Training praktiziert, auch wirklich so lange anhalten kann, sei jedoch dahin gestellt. Bei Schwimmbadübungen mit einem Schwimmer, der bei einer Olympiade eine Medaille gewonnen hatte, konnte jedenfalls in Großbritannien fest gestellt werden, dass er bei einem plötzlichen Untertauchen in 10° C kaltem Wasser nur in der Lage war, ca. 10 Sekunden die Luft anzuhalten. Eigentlich müsste dass für die Rolle reichen. Aber vom Gefühl her kann es jedoch auch sein, dass man beim Eintauchen in solch ein kaltes Wasser sofort meint, dass die Luft nicht für eine Rolle reicht.

Außerdem können bei Wassertemperaturen unter 15° C "Cold Shock"-Reaktionen auftreten, die dazu führen können, dass der Kenterbruder sofort in Atemnot gerät bzw. sofort Einatmen muss. Passiert letzteres, werden wohl alle Atemübungen nicht helfen können. Helfen kann dann u.U. allein der stetige Kontakt mit dem kalten Wasser. Ab 4 Bft. Wind wird wohl dieses "Abkühlen" durch den Seegang besorgt, ansonsten sollte man dem nachhelfen und sich selber immer mal wieder mit dem kalten Wasser bespritzen. Zusätzlich sollte man bei Wassertemperaturen unter ca. 10° C zur Prävention gegen "Cold Shock"-Reaktionen eine Neopren-Kopfhaube tragen.

Quelle: SEA KAYAKER, No. Oct. 03, S.7-10 - www.seakayakermag.com