09.03.2004 T-Lenz-Methode (Ausbildung)

 

Im us-amerikansichen SEA KAYAKER berichtet Brian Day in dem Beitrag:

 

„T-Rescue Tune-Up“

 

über die T-Lenz-Methode (auch als X-Methode bekannt). Ihre Anwendung setzt voraus, dass:

 

 

verfügen.

 

Folgende Schritte sind bei der Anwendung der „T-Lenz-Methode“ zu beachten. Dabei ist anzumerken, dass der Autor nicht alle diese Schritte per Foto festhält und nicht alle hier im Text gebrachten Anmerkungen erläutert. Außerdem empfiehlt der Autor, dass der Retter und nicht der „Kenterbruder“ das Kenter-Kajak in Normallage drehen soll.

 

Schritt 1:        Der Kenterbruder“ sollte nach seiner Kenterung und dem dann u.U. nötigen Ausstieg sein Kajak zurück in die Normallage drehen.

 

Schritt 2:        Der „Kenterbruder“ hangelt dann sofort zum Bug seines Kajaks, ergreift den Bug-Toggle zu ergreifen und wartet dort auf den Retter.

                                   Hält er sich an der Sitzluke fest, würde der Wind sein Kajak quer treiben und die Wasserwucht der nächsten brechenden Welle ihm u.U. sein Kajak aus seinen Händen reißen.

                        Hält er sich am Heck fest gibt es im Seegang erhebliche Verletzungsprobleme, sofern das Kenter-Kajak mit einer am Heckende montierten Steueranlage (z.B. „Flipp-over“-Steueranlage) ausgerüstet ist.

Übrigens, bis zu Schritt 10 darf er nicht mehr den Griffhalt zu seinem Kajak bzw. dem des Retters verlieren, anderenfalls besteht die Gefahr, dass der Retter mit den Kajaks vom Wind fortgetrieben wird.

 

Schritt 3:        Der Retter paddelt zum „Kenterbruder“ und ergreift den Bug des Kenter-Kajak.

Er achtet nun bis Schritt 10 darauf, dass er das Kenter-Kajak nicht mehr loslässt.

 

Schritt 4:        Der „Kenterbruder“ hangelt sich entlang des Retter-Kajaks zu dessen Bug und verweilt dort bis Schritt 10.

Es empfiehlt sich, dass er sich nicht direkt am Bug-Toggel festhält, sondern eher seitlich am Bug, um so zu verhindern, dass ihn eine Welle u.U. auf den spitzen Bug drückt.

 

Schritt 5:        Der Retter bringt das Kenter-Kajak auf T-Stellung, d.h. er schiebt & drückt das Kenter-Kajak solang über das Wasser, bis es etwa im rechten Winkel zum Retter-Kajak liegt.

 

Schritt 6:        Der Retter zieht mit Hilfe des Bug-Toggles und der Rettungshalteleinen den Bug des Kenter-Kajaks auf seine Spritzdecke und etwas darüber hinaus (sog. X-Stellung).

Es genügt dabei, wenn das Kenter-Kajak bis kurz vor dem Bug-Lukendeckel auf dem Retter-Kajak gezogen wird.

 

Schritt 7:        Der Retter dreht nun das Kenter-Kajak um 180° um die Längsachse.

Es ist dabei unnötig, den Bug des Kenter-Kajaks in die Luft zu heben.

 

Schritt 8:        Der Retter wartet ab, bis das Wasser aus der Sitzluke gelaufen ist.

                                   Das Restwasser in der Luke entfernt er dadurch, in dem er sein eigenes Kajak nach außen (d.h. weg vom Kenter-Kajak) ankantet (dadurch wird der Bug des Kenter-Kajaks etwas angehoben) und dann das Kenter-Kajak etwas um die Längsachse hin und her dreht/kippelt.

 

Schritt 9:        Der Retter dreht das Kenter-Kajak erneut um 180° um die Längsachse zurück in die Normallage und schiebt es zurück ins Wasser.

 

Schritt 10:      Der Retter legt das Kajak parallel zu seinem eigenen Kajak („Päckchen“) und schlägt dem „Kenterbruder“ vor, mit welcher Technik (hier: „V-Wiedereinstiegs-Technik“ bzw. „Parallel-Wiedereinstiegs-Technik“) der Wiedereinstieg in die Sitzluke erreicht werden soll.

 

Bei der Anwendung der „T-Lenz-Methode“ sind folgende Punkte zu beachten:

 

„Komm, halte dich am Bug meines Kajaks fest!“

„Schwimme nicht direkt zum Bug meines Kajaks, sondern hangele dich an deinem Kajak und dann an meinem Kajak entlang zum Bug meines Kajaks!“

„Pass auf den Seegang auf, halte dich etwas seitswärts vom Bug festt!“

„Warte dort, bis der Wiedereinstieg möglich ist!“ ……………

(a) Kentert der Retter dennoch während der Rettungsaktion, kann er sich immer – sofern er das Kenter-Kajak nicht vorher losgelassen hat – am Kenter-Kajak wieder hochziehen (Hüftknick nicht vergessen!).

(b) Fühlt der Retter sich trotz alle dem unsicher, bietet es sich an, dass ein dritter Kanute – sofern mit unterwegs – sich parallel zum Retter-Kajak legt und den Retter zusätzlich stützt.

Bekommt der „Kenterbruder“ in der Brandungszone Probleme, ist es auch möglich, ihn ohne sein Kajak aus der Brandung zu schleppen. Der Retter fordert ihn auf, sich am Heck festzuhalten. Der „Kenterbruder“ wirkt dabei mit seinem Körper wie ein Treibanker und verhindert auf diese Weise das Querschlagen des Retter-Kajaks in der Brandung. Ab einer bestimmten Brandungshöhe ist jedoch auch eine solche Aktion nicht ganz unproblematisch, da ein Brecher den „Kenterbruder“ aufs Retter-Kajak wirbeln könnte.

 

Beim anschließenden Wiedereinstieg gilt Folgendes zu bedenken:

 

 

Quelle: SEA KAYAKER, Nr. April 04, S.32-37 – www.seakayakermag.com

Weitere Literatur:

Foster,N.: Seekajak. Ausrüstung – Fahrtechnik – Sicherheit. 1996, S.47-51.

Gerlach,J.: Der Kajak – das Lehrbuch des Kanusports. 1996, S.170f.