09.03.2004 Seenotfall Baja (Ausbildung)

 

Im SEA KAYAKER berichtet Melesa Hamer in dem Beitrag:

 

„The Fifth Paddler. Kayaking Tragedy in Baja“

 

über einen Seenotfall mit Todesfolgen, der sich in der Baja de California ereignet hat:

 

5 Kanuten wollten im Frühjahr mit anbrechender Dunkelheit in gemieteten Kajaks die ca. 11 km breite Bahia de los Angeles queren. Der Autor, der ihnen unterwegs im Kajak begegnete, fragte sie, was sie denn vorhätten, da es doch bald dunkel werden würde. Die 5 Kanuten lachten ihn jedoch aus und paddelten weiter. Bald darauf setzte stärkerer Wind seitlich von vorne ein, was zu dieser Jahreszeit nicht untypisch für diese Gegend ist: Manchmal kann der Wind innerhalb von 15 Minuten bis zu 8 Bft. erreichen. Unterwegs im Dunklen teilte sich die Gruppe in eine 3er- und eine 2er-Gruppe auf. Aber auch diese Gruppenbildung hatte nicht lange Bestand. Lediglich in der 3er-Gruppe konnten 2 Kanuten zusammenbleiben. Der Vermieter der Kajaks, der am nächsten Morgen darüber informiert wurde, dass eines seiner Kajaks an der Küste entdeckt wurde, fuhr die Bucht mit einem Motorboot ab und entdeckte zunächst einen einzelnen Kanute, der am Ufer entlang lief, dann zwei Kanuten und später nochmals einen. Die meisten waren die ganze Nacht durchgepaddelt und erschöpft. Wo der fünfte Kanute war, wusste keiner von ihnen. Sie hatten auch nicht die Kraft, nach ihm zu suchen. Später wurde er mitten in der Bucht ohne Kajak im Wasser treibend tot aufgefunden. Todesursache: Unterkühlung! Der eigentliche Grund: Unerfahrenheit & Selbstüberschätzung!

 

Der Autor machte sich Vorwürfe, warum er nicht energischer die fünf Kanuten vor einer Querung gewarnt hatte. Einen Tag später nahm er den Unfall zum Anlass, eine andere Gruppe auf die möglichen Gefahren einer Küstentour hinzuweisen. Das Problem: „People generally don’t want their inexperience pointed out to them.“ Dieser Satz kann getrost ins Deutsche übersetzt werden, trifft er doch gleichermaßen auch auf uns Deutsche zu: „Die meisten Leute haben es nicht gern, wenn man sie auf ihre Unerfahrenheit anspricht.“

 

… und was kann man aus diesem Seenotfall lernen? Leider wird dies im SEA KAYAKER – wenn überhaupt – nur stichpunkthaft angedeutet. Nun, wenn man nicht seetüchtig ist, sollte man nicht auf die See hinaus fahren.

 

Zur Seetüchtigkeit gehört hierbei nicht nur:

sondern auch:

 

Außerdem schien den Kanuten nicht bewusst zu sein, dass eine Tour von der Dämmerung in die Dunkelheit kritischer ist, als eine von der Dunkelheit in die Dämmerung; denn bei Touren früh morgens bleibt – wenn es Probleme gibt – einem immer noch die Hoffnung, dass es bald hell wird und dass mit der Helligkeit die Orientierung in der Umgebung und die Reaktionen auf den Seegang tourentscheidend sich verbessern kann.

 

Quelle: SEA KAYAKER, April 04, S.58-63 – www.seakayakermag.com