14.03.2004 Kursberechnung bei Stromversatz & Windabdrift (Ausbildung)

 

Im SEEKAJAK stellt Siegfried Netzband in dem Beitrag:

 

„Paddel-Mathe: Navigatorische Vorbereitung einer Fahrt über offene See.

Vorausberechnen von Kurs und Fahrt bei sich änderndem Strom, Wind und Seegang“

 

drei Lösungsmethoden vor, um Strom, Wind- und Wellenversatz bei der Kursfestlegung zu berücksichtigen, und zwar eine zeichnerische Methode (sog. „Stundendreiecke“, eine mit PC und eine mit Taschenrechner).

 

Diese drei Methoden veranschaulichen einem zu Hause, wie Strom, Wind und Wellen auf einen Kurs einwirken können. Mehr aber auch nicht; denn bei ihrer Anwendung muss klar sein, dass man mit ihrer Hilfe nur dann zu für die Tourenrealisierung relevante Aussagen bekommen kann, wenn man nicht nur über exakte Daten bzgl. Stromversatz und die Wind- & Wellenabdrift verfügt, sondern auch genau das eigene Fahrtentempo (bereinigt von jeglichem Versatz und jeglicher Abdrift) kennt. In der Regel sind Küstenkanuwanderinnen und –wanderer solche Daten nur recht vage bekannt:

 

 

Deshalb wird es große Probleme mit der Exaktheit der ermittelten Daten geben, wenn sie mit diesen Methoden im oder am Rande des Wattenmeers arbeiten wollten. Aber das ist eigentlich auch nicht weiter schlimm, da man als Kanute mit Hilfe der terrestrischen Navigation, also der Navigation nach Landmarken & Seezeichen, eigentlich recht gut im Wattenmeer zurechtkommen kann. Und treten mögliche Navigationsfehler auf, lassen diese sich i.d.R. immer noch rechtzeitig korrigieren, ohne dass dabei gleich Gefahren lauern. Ich würde daher nicht auf die Idee kommen, mit z.B. „Stundendreiecken“ vorher meinen Kurs zu bestimmen.

 

Anders sieht dass jedoch auf der „offenen See“ aus, d.h. wenn z.B. ohne Landsicht fernab von Fahrwassern gepaddelt wird … und laut Titel des Beitrages wendet sich der Autor genau an jene Kanuten, die in solchen Bereichen sich bewegen. Da liefert insbesondere das Arbeiten mit dem „Stromdreieck“ erste Hinweise darübcer, mit welchem Versatz man durch den Strom zu rechnen hat. In Anbetracht dessen, dass ich eine solche echte „Offshore-Tour“ (z.B. nach Helgoland) über mehrere Stunden nur bei optimalen Windverhältnisse – nämlich bei maximal 3 Bft. Wind – und sicheren Sichtverhältnissen antreten sollte, reicht das eigentlich auch aus, insbesondere wenn man in etwa mit dem Strom paddelt (z.B. aus/in Richtung Neuwerk bzw. St.Peter-Ording kommend/fahrend), aber auch wenn man vom Strom ständig seitlich versetzt wird (z.B. aus/in Richtung Wangerooge kommend/fahrend).

 

Ansonsten würde ich mich eher auf mein GPS-Gerät verlassen, welches mir unterwegs bei vorheriger Zieleingabe den Kurs über Grund anzeigt, als auf meine „Stundendreieck-Rechnungen“. Ja, und wenn das eigene GPS-Gerät ausfällt? Nun, dann greift man auf das Gerät eines Kameraden zurück; denn solo sollte man solche „Offshore-Touren“ eigentlich nicht unternehmen.

 

Quelle: SEEKAJAK; Nr: 90/094, S.36-41 – www.salzwasserunion.de