25.07.2004 Die größten Sünden beim Küstenkanuwandern? (Ausbildung)

 

Besteht in Sachen „Sicherheitstipps“ eigentlich zwischen dem Bergwandern und Küstenkanuwandern ein Unterschied?

 

Zumindest bei der Zahl der tödlichen Unfälle gibt es große absolute Unterschiede. So verunglückten 2003 von den ca. 700.000 Mitgliedern des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Jahr 2003 insgesamt 65 tödlich. Die Zahl der tödlichen Unfälle, die sich beim Küstenkanuwandern im selben Jahr ereignet haben, sind nicht bekannt, dürften aber an einer Hand aufzuzählen sein. Dass diese Zahl absolut so klein ist, mag wohl auch an der geringeren Anzahl von Küstenkanuwanderinnen und –wanderer liegen, die auf unter 5.000 zu schätzen ist. Das Gefährdungspotenzial wird jedoch wohl ähnlich sein und die allgemeinen einem Unfall zuzuschreibenden Gefahrenursachen auch.

 

Zumindest wenn man sich die Sicherheitstipps durchschaut, die der DAV-Sicherheitsexperte Dieter Stopper in dem im HAMBURGER ABENDBLATT erschienen Beitrag von A.Hagge:

 

„Die größten Sünden beim Bergwandern“

 

gibt, fallen große Ähnlichkeiten auf. Ich habe versucht, die dort aufgeführten 4 Sicherheitstipps möglichst sinngemäß aufs Küstenkanuwandern zu übertragen (die „kursiv“ gesetzten Passagen sind wörtlich übernommen worden):

 

Die Auswahl und Planung einer Wanderung ist entscheidend für das Gelingen. Kanuten sollten sich über den Schwierigkeitsgrad, die Entfernung vom sicheren Strand und die Paddel-Zeit ausgiebig informieren. Ein erfahrener Kanute trägt stets Karte, Kompass und Barometer bei sich; denn auf den Orientierungssinn kann man sich nicht verlassen.

 

Am Strand kann es windstill sein, doch draußen vor der Küste kann ein kräftiger Wind blasen. Kanuten müssen auf extreme Witterungsverhältnisse, Kaltfronten und Gewitter vorbereitet sein. Regen und Nebel können einem die Tour erschweren. Kalte Winde  können bei unvorbereiteten Kanuten zu Erschöpfung und Unterkühlung führen.

 

Ein Flusswander- oder Wildwasserkanu reicht für eine Küsten-Tour weg vom sicheren Strand nicht aus, ein Seekajak ist nötig. Und auch wenn der Kanu-Sport schweißtreibend ist: Kleidung für Kälte sollte mitgenommen werden. Daneben gehört Folgendes ins Gepäck: Sonnenschutz, Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke, Handy, Verpflegung, Taschenlampe, Signalpfeife, Seenotsignalmittel – Karte und Kompass nicht vergessen.

 

Viele Unfälle passieren, weil Kanuten ihre Fähigkeiten überschätzen. Man sollte deshalb das Paddeln hinaus aufs Meer gemütlich angehen – in gleichmäßigem Tempo paddeln, um den Körper warm zu paddeln. … Viel trinken und regelmäßige Pausen sind wichtig.

 

Viele Unfälle lassen sich vermeiden, wenn Kanuten in riskanten Situationen umkehren, d.h. Land anlaufen, statt das ursprüngliche Ziel der Route zu verfolgen. Das Ziel der Wanderung zu erreichen, ist zwar ein schöner Erfolg. Wenn der Kanute sich aber zeitlich unter Druck gesetzt und überfordert fühlt, sollte er umkehren, bzw. nach einer Pause an Land nicht wieder aufs  Meer hinaus paddeln.

 

Im DAV-Bericht selber werden die folgenden Unfallursachen genannt:

 

 

„Die meisten Unfälle (ereignen sich) nicht immer aus heiterem Himmel und hätten sich durch angepasstes Verhalten und entsprechendes Tourenziel mitunter vermeiden lassen.“

 

Quelle: HAMBURGER ABENDBLATT v. 22.07.04 – www.abendblatt.de

Link: www.alpenverein.de > Breitensport