4.09.2004 Risiko Homostase (Ausbildung)

 

Im SEA-KAYAKER nimmt Chr. Cunningham Stellung zum Begriff:

 

„Risk Homeostasis“

 

Auch wenn nicht jeder Kanute exakt diesen Begriff einem Sachverhalt zuordnen kann, kennt er doch den Sachverhalt selber zur Genüge, und zwar nicht nur vom Autofahren, sondern auch vom Küstenkanuwandern.

 

Das folgende Argument einer Paddlerin, warum sie die ständige „Aufrüstung“ ihrer Küstenausrüstung nicht mit machen wolle, kann dieses Phänomen der Risiko Homostase nicht besser beispielhaft erläutern:

 

 

Der Grund für ihre Weigerung ist leicht nachzuvollziehen; denn mit dem Trockenanzug bzw. dem Zweier, wird wohl das Risiko, von den Gewässerbedingungen überfordert zu werden vermindert, weil nun aber der Partner wegen der „verbesserten“ Ausrüstung sich in noch schwierigere Gewässerbedingungen wagt, vermindert sich das Risiko nicht, sondern bleibt gleich.

 

Chr. Cunningham, der Editor des us-amerikanischen SEA-KAYAKER, greift dieses Phänomen:

 

 

auf, um den Bericht der „Recreational Boating Product Assurance Division of the United States Coast Guard“ zu kommentieren, in dem die Erkenntnis verbreitet wird, dass:

 

 

dazu geeignet sind, die Sicherheit beim Paddeln entlang der Küste zu erhöhen.

 

Nun, die „Risiko Homostase“ betrifft fast alle Ausrüstungs- aber auch Rettungstechniken des Küstenkanuwanderns, z.B.

 

 

Mit der „Risiko Homostase“ kann somit erklärt werden, warum trotz verbesserter Ausrüstung, die relative Zahl der (See)-Notfälle beim Küstenkanuwandern nicht zurückgehen wird. … und aus der „Risiko Homostase“ können wir auch ableiten, dass es unserem „Kenterbruder“ von Baltrum (s. Aktuelle Infos v. 31.08.04 (Ausbildung)) nur wenig nützen wird, seine Rolltechnik & Seenosignalmittelausrüstung zu vervollkommnen, wenn er es zugleich im Vertrauen auf beides wagt, in Zukunft unter noch schwierigen Gewässerbedingungen zu paddeln.

 

Demgegenüber erfasst das sog. „Risikokumulations-Gesetz“ jenen Sachverhalt, dass mit zunehmend verbesserter Ausrüstung immer mehr z.B. Kanuten aufs Meer „gelockt“ werden, dabei die eigene Leistungsfähigkeit aber auch die Leistungsfähigkeit ihrer Ausrüstung überschätzen und dadurch in (See)-Not geraten. Die Folge: die relative Zahl der Notfälle sinkt, aber die absolute Zahl der Notfälle steigt. Diese Entwicklung lässt sich wohl noch nicht beim Küstenkanuwandern, wohl aber schon beim Wildwasserfahren, insbesondere aber beim alpinen Bergwandern beobachten.

 

Quelle: SEA-KAYAKER, Nr. Oct. 04, S.4 – www.seakayakermag.com