27.09.2004 Hundekurve (Ausbildung)

 

Im SEEKAJAK setzt sich Siegfried Netzband in einem immerhin 7-seitigen (!) Beitrag

 

„Kurs ‚Hundekurve’ – nein danke!“

 

etwas theoretisch mit einem nachlässigen „Kursverhalten“ auseinander, das dazu führt, dass man nicht auf dem geraden Weg, sondern über eine Kurve sein Ziel erreicht. Diese Kurve wird als „Hundekurve“ bezeichnet, die stets derjenige paddelt, der bei seinem Kurs immer nur das gewünschte Ziel vor Augen hat, anpeilt und direkt darauf zu paddelt.

 

Es werden zwei Varianten der Hundekurve unterschieden:

 

Ein solche Hundekurve kommt immer dann zustande, wenn das Ziel, z.B. ein anderer Kanute in seinem Seekajak, seitlich an einem entlang paddelt und man versucht, ohne Vorhaltewinkel es direkt anzusteuern. Da sich das angepeilte Kajak seitlich von einem fortbewegt, muss man ständig seinen Kurs korrigieren, sodass man praktisch eine Kurve fährt, bis man den Kanuten schließlich erreicht hat. Es geht einem dabei wie einem Hund, der versucht, einen vor sich laufenden Hasen zu fangen.

 

Beide „Hundekurve“-Varianten vermeidet man durch entsprechendes Vorhalten.

 

Das Vorhalten bei einem nicht ortsfesten, d.h. bei einem sich vorwärts bewegendem Ziel (z.B. ein Kanute) setzt eigentlich die Kenntnis voraus, wie schnell dieser angepeilte Kanute paddelt. Da man das i.d.R. nicht weiß und da man die dann erforderliche Rechnerei ohnehin nicht unterwegs im Seekajak durchführen kann, schlägt Siegfried Netzband eine andere Möglichkeit vor:

 

Der Kanute geht zunächst zum Kameraden, den man treffen möchte, „auf Parallelkurs … und steuert dann ganz langsam in dessen Richtung. Dabei beobachtet er ständig ob und wie die Seitenpeilung auswandert. Wandert sie achteraus, ist der Vorhalt zu groß und er muss mehr auf den anderen zu steuern, wandert die Peilung voraus, ist der Vorhalt zu klein und er muss wieder eher parallel steuern (d.h. etwas mehr vorhalten). … Steht die Peilung, steuert er den richtigen Vorhalt bzw. Kurs.“ Diese Variante der Peilung wird übrigens auch als „Kollisionspeilung“ bezeichnet und findet – jedoch aus entgegengesetzer Absicht – sogar in den international gültigen „Kollisionsverhütungsregeln“ Anwendung:

 

 

Man braucht also als Kanute das Wort „Zusammenstoßen“ nur durch „Zusammentreffen“ zu ersetzen und sich dann strikt an diese Regel halt, und schon erreicht man den zu treffenden Kanuten auf dem geraden und somit schnellsten Weg.

 

Die durch Abdrift verursachte für das paddeln typische „Hundekurve“ verhindert man dagegen dadurch, dass man die Wind bzw. Strom verursachende Abdrift errechnet oder man mangels Kenntnis dieser Werte bzw. mangels Möglichkeiten, solch eine Kalkulation zuverlässig unterwegs im Seekajak durchzuführen, versucht, die Abdrift durch Beobachtung in den Griff zu bekommen. Zwei Möglichkeiten stehen dabei dem Kanuten zur Verfügungen:

 

  1. Kollisionspeilung (Seitenpeilung): Auf diese Peilung greift man zurück, wenn hinter dem Seezeichen bzw. der Landmarke, die man anpeilen und anfahren möchte, keine anderen markanten ortsfesten Zeichen auszumachen sind. Man geht wie oben bei der Seitenpeilung beschrieben vor; denn es ist dabei eigentlich unwichtig, wer sich seitlich fortbewegt: das angepeilte nicht ortsfeste Ziel (hier der Kanute, den man unterwegs begegnen möchte) oder der das ortsfeste Ziel anpeilende, aber von Wind & Strom seitlich versetzte Kanute.
  2. Überlappungspeilung (Deckpeilung): Mit dieser Peilung arbeitet man, wenn sich hinter dem Seezeichen bzw. der Landmarke, die man anpeilen und anfahren möchte, ein anderes markantes ortsfestes Zeichen befindet. Um das gewünschte Ziel bei Abdrift auf dem geraden und somit schnellsten Weg zu erreichen, greift man auf eine Instrument der terrestrischen Navigation zurück, das als Deck-, aber auch als Deckungspeilung bezeichnet wird. Man paddelt dann so, dass das beide Zeichen, nämlich das angepeilte und das die Abdrift kontrollierende Zeichen überlappt bleiben.  Wandert das hintere Kontroll-Zeichen nach Backbord, so treibt man etwas nach Backbord ab und man muss folglich etwas mehr nach Steuerbord vorhalten. Und umgekehrt, wandert das hintere Kontroll-Zeichen nach Steuerbord, so treibt man nach Steuerbord ab und muss folglich etwas mehr nach Backbord vorhalten. Nur wenn man so fährt, dass beide Zeichen stets überlappt bleiben, fährt man den kürzesten und schnellsten Kurs hin zu dem von einem angepeilten Ziel. Vorteil einer solchen Navigation mit „stehender Peilung“ ist übrigens, dass man stets sofort auf kurzzeitige Änderungen der Strom- und Windabdrift reagieren kann.

 

Quelle: SEEKAJAK, Nr. 93/04, S.48-54 – www.salzwasserunion.de