20.10.2004 Rettungstechniken (Lenzen/Wiedereinsteigen) (Ausbildung)

 

In KANU-MAGAZIN erläutert Jürgen Hoh in dem Beitrag:

 

„Aus dem Wasser zurück ins Boot“

 

über die Anwendung der „T-Lenz-Methode“ und der „Parallel-Wiedereinstiegs-Methode“.

 

Als Voraussetzungen für die erfolgreiche Anwendung dieser beiden Methoden wurden aufgezählt:

 

 

Anzumerken ist dabei, dass die Bugrettungshalteleinen möglichst bis zur vorderem Süllrand der Sitzuluke reichen, möglichst 6 mm dick und straff gespannt sind; denn nur auf diese Weise ist fester Halt gewährleistet, der bei der Anwendung der obigen beiden Rettungsmethoden unbedingt erforderlich ist.

Außerdem hat J.H. darauf hingewiesen, dass man in der Brandungszone diese Rettungsmethoden nicht kontrolliert anwenden kann. Tut man es dennoch, sind Personen- & Sachschäden nicht ausgeschlossen. Der gekenterte Kanute (kurz: „Kenterbruder“) sollte daher bei zu hoher Brandung sein Kajak halten und sich an den Strand treiben lassen. J.H. versäumt es jedoch darauf hinzuweisen, dass es unter Umständen genügt, sich in Bereiche mit schwächerer Brandung treiben zu lassen bzw. – z.B. bei Untiefen weit draußen - sich aus dem Bereich der Brandung (Grundseen) treiben zu lassen und dort auf Kameradenhilfe zu warten. In dem Beitrag wird empfohlen, bei einer solchen Schwimmaktion, sein Kajak „nie am Tragegriff zu halten, sondern am Süllrand oder mit den Armen zu umklammern“. Nun, verfügt das Kajak über keinen Bug-Toggle, sondern nur über einen starren Tragegriff, so kann das Festhalten an einem solchen Griff zu Handverletzungen führen, sofern das Kajak in der Brandung sich um die Längsachse dreht. Ist das Kajak jedoch mit einem Bug-Toggle ausgerüstet, der so viel Abstand vom Kajak hat, dass sich das Kajak um den Toggle drehen kann, ist jedoch das Halten am Toggle vorzuziehen; denn die Brandung hat i.d.R. solch ein Kraft, dass man – sofern man kein „Reckturner“ ist – kaum imstande ist, sein Kajak am Süllrand zu halten. Von einem Umklammern des Kajaks in der Brandung ist ebenfalls abzuraten. Wird nämlich erst einmal das Kajak vom Brecher gedreht, sind Gesichtsverletzungen nicht mehr auszuschließen, sofern man nicht das Kajak sofort los lässt.

 

Am Anfang steht die „T-Lenzung“

 

Sie läuft schrittweise in 5 Schritten ab. J.H. erläutert das wie folgt, ohne jedoch die folgenden Schritte als solche herauszuheben. Zur Veranschaulichung der Schritte der „T-Lenzung“  werden insgesamt 3 Fotos abgebildet:

 

Schritt 1a: Der „Kenterbruder“ lässt nach dem Ausstieg sein Kajak umgedreht liegen, damit möglichst viel Luft im Cockpit eingeschlossen bleibt.

 

Anmerkung: Das hat m.E. bei Seegang keine praktisch Bedeutung, da ohnehin das gekenterte Kajak (kurz: „Kenterkajak“) einmal in Normallage zurück gedreht werden muss und dann läuft die Sitzluke sowieso voll!

Außerdem hat der „Kenterbruder“ bei Seegang kaum eine Möglichkeit, sich an seinem kieloben schwimmenden Kajak festzuhalten!

Folglich sollte im Schritt 1a das Kenter-Kajak umgedreht und der „Kenterbruder“ sollte – ohne den Griffhalt zu seinem Kajak zu verlieren, sich an der Rettungshalteleine zum Bug-Toggle vorhangeln und dort auf seinen „Retter“ warten.

Das sofortige Umdrehen des gekenterten Kajaks ist auch deshalb wichtig, damit der Retter ohne große zeitliche Verzögerung möglichst schnell den Griffhalt zum Kajak des „Kenterbruders“ herstellen, d.h. eine feste Einheit bilden kann!

Übrigens, es wird davon ausgegangen, dass der „Kenterbruder“ sein Paddel angeleint hat, ansonsten ist entweder der Paddel- oder Kajak-Verlust vorprogrammiert.

 

Schritt 1b: Gleichzeitig nähert sich der Retter von Luv, nimmt Kontakt mit dem „Kenterbruder“ auf, verschafft sich einem Überblick und unterrichtet den „Kenterbruder“, wie die Rettung ablaufen soll. Währenddessen ergreift der die Bugspitze des in Normallage schwimmenden Kenter-Kajaks.

 

Anmerkung: Ob der Retter immer die Zeit hat, sich von Luv zu nähern, sei dahingestellt. Hat er erst einmal die Bugspitze des gekenterten Kajaks ergriffen, spielen Luv oder Lee ohnehin keine entscheidende Bedeutung mehr.

Ebenfalls ist es nicht nötig, dass der Retter nur die Bugspitze des Kenter-Kajaks ergreift. Wichtig ist vielmehr, dass er möglichst schnell Griffkontakt zum Kenter-Kajak bekommt. Wenn er das geschafft hat, muss er sich jedoch anschließend Richtung Bugspitze vorhangeln.

 

Schritt 2: Der Retter fordert den „Kenterbruder“ auf nachdem das Kajak wieder in Normallage liegt, ans Heck seines Kajaks zu schwimmen … damit er später das Heck seines Kajaks herunterdrücken kann und somit den Bug entlastet und dem Retter so die Arbeit erleichtert, den Bug des Kenter-Kajaks anzuheben.

 

Anmerkung: Erstens ist das dirigieren des „Kenter-Bruder“ hin zum Heck des Kenter-Kajaks nur praktikabel, wenn das Kajak des „Kenterbruders“ nicht über ein angehängtes Steuer verfügt, ansonsten besteht nicht nur z.B. bei Seegang Verletzungsgefahr, sondern auch die Gefahr, dass der „Kenterbruder“ bei einer eintretenden Verletzung“ sein Kajak im Seegang loslässt und dadurch den Retter vor dem Problem steht, um was er sich nun kümmern soll, um den abtreibenden „Kenterbruder“ oder um das abtreibende Kenter-Kajak! Insofern sollte man diesen Schritt 2 höchstens bei „Ententeichbedingungen“ empfehlen. Aber wer kentert dann schon?

Zweitens ist Schritt 2 in dieser Variante i.d.R. nicht nötig, und zwar auch nicht bei einem beladenen Kenter-Kajak. Auf diesen Schritt sollte man wirklich erst zurückgreifen, wenn ansonsten die „T-Lenzung“ nicht klappt. Stattdessen sollte der Retter den an der  Bugspitzes seines Kajaks hängenden „Kenterbruder“ bitten, nach Übergabe des Kenter-Kajaks an den Retter zur Bugspitze des Retter-Kajaks zu schwimmen und dort sich so daran fest zu halten, dass er das Retter-Kajak etwas stabilisieren kann. Dort wartet der „Kenterbruder“ ab, bis sein Kajak gelenzt ist.

 

Schritt 3: Der Retter lässt sein angeleintes Paddel neben seinem Kajak schwimmen, ergreift die Bugspitze (des in Normallage schwimmenden) Kenter-Kajaks, zieht dieses an den Rettungshalteleinen so weit auf seine Spritzdecke, wie er das Kajak noch bequem mit beiden Armen umfassen kann.

 

Anmerkung: Schritt 3 funktioniert nur dann, wenn sich Retter-Kajak und Kenter-Kajak ungefähr in einer „T-Stellung“ sich befinden. Bei dem entsprechenden Foto 2 geht wohl J.H. davon aus, dass diese Position automatisch mit dem erfassen des Bugs des Kenter-Kajaks durch den Retter eingenommen wird. Dem ist aber nicht so. Meist liegen beide Kajaks eher in einer Parallel-Stellung als in einer T-Stellung. D.h. der Retter muss in Schritt 3. nach dem Ergreifen des Bugspitze des Kenter-Kajaks das Kenter-Kajak so seitswärts drehen, dass beide Kajak ungefähr eine T-Stellung einnehmen (deshalb spricht man auch von „T-Lenz-Methode“) . Erst dann sollte der Retter gemäß Schritt 3 mit dem Hochziehen des Bugs des Kenter-Kajaks auf die Spritzdecke des Retter-Kajaks beginnen. Dabei genügt es vollkommen, wenn der Retter das Kajak an den Rettungshalteleinen hält. D.h. es ist nicht nötig, dass er versucht, mit beiden Armen das Kenter-Kajak zu umfassen. Auf den Fotos 2 und 3 sieht man deutlich, dass das Festhalten und Ziehen an den Rettungshalteleinen ausreichen. Entscheidend ist dabei nicht das umfassen des Kenter-Kajaks mit beiden Armen, sondern dass das Kenter-Kajak in etwa bis zur Bugluke über das Retter-Kajak gezogen wird, was auch in Foto 3 deutlich zum Ausdruck kommt (wegen des Überkreuzen beiden Kajaks wird auch diese Lenz-Methode gelegentlich auch als „X-Lenz-Methode“ bezeichnet).

 

Schritt 4: Um das geflutete Kajak zu leeren, wird es nun um die Längsachse gedreht. Das Wasser läuft dann über die Sitzluke heraus. Das Umdrehen des Kenter-Kajaks wird dadurch erreicht, dass der Retter das Kenter-Kajak mit beiden Armen umklammert und sich dann möglichst zurücklegt.

 

Anmerkung: Das Wasser läuft nur über die Sitzluke heraus, wenn es zunächst über 90° und anschließend ungefähr 180° um die Längsachse gedreht wird und wenn das Kenter-Kajak über eine Heckabschottung verfügt. Fehlt diese Heckabschottung, läuft ein großer Teil des Wassers ins Heck, was ein Lenzen praktisch unmöglich macht. Verfügt das Kenter-Kajak nur über eine Heck-, aber nicht über eine Bugabschottung, ist schon Schritt 3 praktisch nicht durchführbar, da das eingedrungene Wasser den Bug so schwer macht, dass er vom Retter nicht angehoben werden kann.

Übrigens, sollte die Drehung nicht klappen, kann der Retter auch versuchen, nur mit Hilfe der Arme (eine Hand ergreift die Rettungshalteleine auf der Backbordseite, die anderer die an der Steuerbordseite) das Kenter-Kajak herumzudrehen.

 

Gelingt Schritt 3+4 nicht, wird zu Recht darauf hingewiesen, dass dann der „Kenterbruder“ einfach in das nicht gelenzte Kajak steigt und dann anschließend per Pumpe (was natürlich eine festinstallierte bzw. tragbare Lenzpump voraussetzt) sein Kajak lenzt. Insbesondere bei Kaltwasserbedingungen bzw. nicht kältefester Bekleidung sollte man sich überlegen, ob dieses „Reentry & Pump“ einer „T-Lenzung“ vorzuziehen ist. Das T-Lenzen kostet nämlich etwas Zeit, während der die Leistungsfähigkeit des „Kenterbruders“ immer mehr abnimmt, und stellt bei Seegang auch nicht sicher, dass nach dem im folgenden noch zu beschreibenden „Wiedereinstieg“ die Sitzluke wegen des Seegangs bzw. Fehler beim Wiedereinstieg erneut geflutet wird, so dass praktisch die ganze Lenz-Aktion umsonst war!

 

Schritt 5a: Das Kenter-Kajak wird vom Retter wieder zurück ins Wasser geschoben …

 

Anmerkung: Schritt 5a beendet die T-Lenzung und leitet den Wiedereinstieg (Schritt 5b) ein. D.h. zunächst muss natürlich das auf dem Retter-Kajak liegende Kenter-Kajak in Normallage zurückgedreht werden. Erst dann ist es zurück ins Wasser zu schieben.

 

 

… dann folgt der Parallel-Wiedereinstieg

 

Er umfasst insgesamt 4 Schritte und wird auf 4 Fotos anschaulich dargestellt.

 

Schritt 5b: … anschließend wird das Kenter-Kajak vom Retter parallel zu seinem Kajak gelegt, und zwar so, dass die beiden Kajaks Bug zu Heck, d.h. in entgegengesetzter Fahrtrichtung zum Liegen kommen. Auf diese Weise kann der Retter nämlich den „Kenterbruder“ ständig beim Wiedereinstieg beobachten, beraten und leichter unterstützen.

 

Anmerkung: Übrigens, auf diese Bug zu Heck-Lage der beiden Kajaks ist nicht nur strikt zu achten, damit der Retter den „Kenterbruder“ beim Wiedereinstieg unterstützen kann, sondern auch deshalb, damit der Retter in der Lage ist, das Kenter-Kajak so stabil zu halten, dass beim im Folgenden noch zu beschreibenden Wiedereinstiegsvorgang nicht erneut Wasser in die Sitzluke des Kenter-Kajaks eindringen kann. Vernachlässigt der Retter diesen zweiten Aspekt, sitzt der „Kenterbruder“ am Ende dieser ganzen Aktion in einer Sitzluke, die randvoll mit Wasser gefüllt ist. Dann aber hätte man sich die Schritt 2 – 4 ersparen können.

 

Schritt 6: Der Retter legt sich nun mit seinem ganzen Oberkörper auf das Vorderschiff des Kenter-Kajaks und hält es mit beiden Händen an der Rundumleine oder am Süllrand fest, und zwar so lange, bis der „Keterbruder“ wieder sicher in seinem Kajak sitzt und fahrbereit ist.

 

Anmerkung: Es empfiehlt sich für den Retter, möglichst lange mit einer Hand den Süllrand des Kenter-Kajaks und mit der anderen die Rettungshalteleine zu ergreifen. Auf diese Weise hat man das Kenter-Kajak am festesten im Griff und kann am leichtesten verhindern, dass das Kenter-Kajak beim Wiedereinstieg vom Kenter-Bruder nicht um die Längsachse gedreht wird, was erneuten Wassereinbruch in die Sitzluke zur Folge hätte.

Übrigens, je lockerer und je dünnere die Rettungshalteleinen sind, desto schwerer wird es den Retter fallen, das Kenter-Kajak stabil zu halten. Insofern war J.H. gut beraten, bei der Fotooserie den „Barracuda“ (Prijon) als Retter- und nicht als Kenter-Kajak auszuwählen und vorsorglich auch noch die Steueranlage abzumontieren.

 

Schritt 7: Der Kenter-Bruder zieht sich aufs Achterdeck seines Kajaks und auf das Vorschiff des Retter-Kajaks. Im Foto wird es deutlicher: der Kenter-Bruder zieht sich in Höhe der Sitzluke seines Kajak bäuchlings aufs Achterdeck. Dabei ergreift er die Rettungshalteleine und zieht sich immer weiter über sein Kajak und das des Retters, bis er mit seinen Füßen in seine Sitzluke „einfädeln“ kann. Anschließend dreht er sich um und rutscht langsam soweit in seine Sitzluke, bis er zum Sitzen kommt. Bei dieser ganzen Aktionen achtet der „Kenter-Bruder“ darauf, dass er möglichst flach über den beiden Kajaks liegt. Ein Aufrichten des Körpers, etwa beim „Einfädeln“ der Beine in die Sitzluke, könnte nämlich dazu führen, dass der Retter Probleme mit der Stabilisierung des Kenter-Kajaks bekommt.

 

Anmerkung: Ist dem Wiedereinstieg die T-Lenzung vorausgegangen, müssen Retter und Kenter-Bruder alles daran setzen, dass bei der Durchführung von Schritt 7 nicht wieder erneut Wasser in die Sitzluke Kenter-Kajaks eindringen kann.

Übrigens, gelingt dem Kenter-Bruder nicht dieser „Parallel-Wiedereinstieg“, weil er zu schwach oder zu unbeweglich bzw. weil auf dem Achterdeck verstautes Gepäck einen am Hochziehen auf die Kajaks hindert, so bietet sich noch der „V-Einstieg“ zwischen den Seekajaks an. Klappt das ebenfalls nicht, fängt es an, kritisch zu werden. D.h. sollte ein Kanute schon bei Wiedereinstiegs-Übungen im Hallenbad oder bei Ententeichbedingungen nicht in der Lage zu sein, per Parallel-Wiedereinstieg (oder V-Einstieg) nach einer Kenterung nicht zurück in sein Kajak zu kommen, dann ist er nicht „kentertüchtig“ und sollte nicht hinaus aufs Meer paddeln. In der Literatur werden wohl für solche „Leute“ diverse andere Wiedereinstiegsmethoden bzw. –techniken vorgeschlagen (z.B.“Schwimm-Wiedereinstiegs-Methode“; Trittschlingen-Technik). Aber man sollte sich nicht so viel Hoffnung machen, dass diese Methoden dann funktionieren; denn meistens ist ein solcher unsicherer „Kenterbruder“ dann schon nach einer Kenterung mit anschließendem Ausstieg so stark geschwächt, dass er – sofern er überhaupt noch bereit ist, auf seinen Retter zu hören und die Rettungsmethoden anzuwenden – körperlich höchstens noch für einen Wiedereinstiegsversuch die Kraft hat.

Allein in der 2004er Saison hatte ich es 3x erlebt, das die „Kenterbrüder“ nach der Kenterung so geschockt bzw. geschwächt waren, dass sie jegliche Aufforderung zum Wiedereinstieg ignorierten. Am Strand angetrieben lagen sie erst einmal keuchend auf dem nassen Sand und erbaten sich eine „Auszeit“. Ja, Küstenkanuwandern hat nicht nur etwas mit erholsamen entlang Wandern, sondern auch etwas mit sportlichem Einsatz zu tun. Insbesondere wenn es windet & wellt und anschließend braust & bricht sollte eine gehörige Portion Grundkondition vorhanden sein, wenn man nicht dazu beitragen möchten, dass die geplante Tour unterwegs abgebrochen wird.

 

Schritt 8: Hat der Kenter-Bruder genügend Sitzhalt in seinem Kajak gefunden, wird die Spritzdecke geschlossen und das Restwasser aus der Sitzluke abgepumpt.

 

Anmerkung: Ein entsprechendes Foto, das diesen Schritt 8 erläutert fehlt, da weder das Retter-Kajak noch das Kenter-Kajak mit einer Lenzpumpe ausgerüstet ist.

Das ist nicht weiter verwunderlich, denn die Hersteller liefern ihre Seekajaks i.d.R. nicht serienmäßig mit fest installierten Lenzpumpen aus (der Verkaufspreis ist dann halt etwas niedriger) und die sog. Seekajak-Händler bieten i.d.R. Vorführboote ohne Lenzpumpe an (um diese später zu einem möglichst günstigen Wiederverkaufspreis weiterverkaufen zu können).

…. und da die Autoren dieses Beitrages eher in Süddeutschland beheimatet sind, scheinen sie noch nicht einmal auf tragbare Handlenzpumpen in ihrer Sicherheitsausrüstung zu haben. Das zeugt von wenig Seemannschaft; denn so versäumen sie es, dem interessierten Leser zu erläutern, wie eine solche tragbare Handlenzpumpe einzusetzen ist, und damit zu demonstrieren, wie wichtig zumindest eine Handlenzpumpe ist, wenn man hinaus aufs Meer paddelt.

Auf was ist nun beim Einsatz und nach dem Einsatz einer tragbaren Handlenzpumpe zu achten:

a)      Die tragbare sollte stets auf Deck verstaut und immer fest angebunden werden; denn unter Deck ist sie nicht schnell genug erreichbar und das auch nur bei geöffneter Spritzdecke, und bei einer Kenterung während des Lenzvorganges geht eine nicht an einer Leine gesicherten Handlenzpump diese i.d.R. über Bord und somit verlorgen.

b)      Die Handlenzpumpe wird bei geschlossener Spritzdecke eingesetzt, damit im Seegang nach dem Wiedereinstieg nicht erneut Wasser in die Sitzluke eindringen kann.

c)      Die Handlenzpumpe wird durch die Spritzdeckenschacht in die Sitzluke geführt. Das ist manchmal etwas umständlich und unbequem. Dadurch verhindert man jedoch erneuten Wassereinbruch. Sollte das nicht möglich sein, da die Pumpe zu kurz ist, kann man notfalls die Spritzdecke seitwärts auf der dem Seegang abgewandten Seite seitswärts am Süllrand etwas öffnen und dort die Handlenzpumpe einführen.

d)      Während des ganzen Lenzvorgangs wird der „Kenter-Bruder“ vom Retter gesichert.

e)      Nach Abschluss des Lenzvorgangs wird die Handlenzpumpe wieder ordentlich auf Deck verstaut und die Spritzdecke – sofern beim Lenzen seitlich geöffnet - die endgültig geschlossen.

f)        Anschließend wird  – gegebenenfalls so weist J.H. zu Recht darauf hin – nach einer keinen Erholungspause, das „Päckchen“, welches Retter- und Kenter-Kajak bilden, vom Retter, der sich ja als der sicherer Kanute erwiesen hat, kontrolliert aufgelöst, und zwar nicht dergestalt, dass sich beide seitwärts wegschieben (und dabei vom Seegang wieder umgeschmissen werden, da man nicht beide Hände am Paddel hat!!), sondern der Retter schiebt das Kenter-Kajak längsseits weg, und zwar erst dann, wenn der „Kenter-Bruder“ sein Paddel in beiden Händen hält, damit er bereit ist, sofort los zu paddeln und gegebenenfalls zu stützen, wenn sein Kajak Fahrt aufnimmt. Zurück bleibt übrigens, der Retter, der beim wegschieben des Kenter-Kajaks in Fahrtrichtung selber mit seinem Kajak rückwärts treibt, ohne dabei das Paddel zum Stützen griffbereit in den Händen hält. Aber – wie oben erwähnt – gehen wir davon aus, dass der Retter der bessere Paddler ist und folglich den letzten Schritt auch ohne Kenterung übersteht. Ansonst kann man nur sagen „Kehre zurück zu Schritt 1!“

 

Quelle: KANU-MAGAZIN, Nr. 7/04, S.56-57 – www.kanumagazin.de