13.12.2004 Rettungs-Ausrüstung Küstenkanuwandern (Ausbildung)

 

In KANU-MAGAZIN stellte Jürgen Hoh in dem Beitrag:

 

„Blasen, retten, pumpen, schleppen“

 

diverse Ausrüstungsgegenstände vor, die nötig sind, um einem die Rettung aus einer misslichen Lage, in die jeder bei einer Küstentour geraten kann, zu erleichtern. Natürlich ist Ausrüstung nicht alles: „Gerät ein Paddler fern der Ufer in Probleme, gibt es drei potenzielle Helfer:

 

 

Oft allerdings macht erst die passende Ausrüstung Hilfe oder Rettung möglich.“

 

Um die Wichtigkeit der Ausrüstung ins rechte Licht zu rücken, gibt Jürgen Hoh folgenden „Salzwasser-Tipp:“

 

 

Diese Aussage ist richtig, aber nicht komplett. Es fehlt nämlich die folgende Ergänzung:

 

* „Ausrüstung ist wichtig – aber mit ihr allein kann man sich nicht aus einer mieslichen Lage retten.“

 

D.h. wer aufs Meer hinaus paddeln will, sollte darauf achten, dass nicht nur seine Ausrüstung, sondern auch man selber seetüchtig sein. Ansonsten – da stimme ich mit Jürgen Hoh überein - wird derjenige, der allein auf seine „Erfahrung und Rolle vertraut, ein Problem bekommen, wenn eben doch etwas Unvorhergesehenes passiert.“

 

Folgende Rettungsausrüstungsgegenstände werden aufgeführt und kurz erläutert:

 

Es werden die wichtigsten Vor-/Nachteil beider Ausrüstungsgegenstände aufgezeigt, wobei von manchen die Schwimmweste u.a. wegen der „Taschen für Kleinkram“ sowie „zusätzlichem Kälteschutz“ (aber auch Prallschutz) und die Rettungsweste u.a. wegen der „Kompaktheit“ und „Ohnmachtsicherheit im aufgeblasenen Zustand“ vorgezogen wird.

 

Weitere Infos auf der DKV-Homepage:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Rettungsweste.pdf

 

Wichtig: Für die Befestigung des Paddels als Ausleger muss eine Vorrichtung auf dem Achterdeck installiert werden.

Worauf nicht hingewiesen wird: Das Float muss mit einer Leine am Kajak gesichert sein, damit es nicht beim Hantieren im Wasser verloren gehen kann.

Darstellung: 4 Fotos beschreiben anschaulich eine Einstiegsvariante („Hintern zuerst“ statt „Bauch zuerst“). Leider wird nicht auf das Re-Kenter-Problem hingewiesen, wenn man als Solo-Paddler das Kajak wieder fahrfertig machen will (hier: Sitzposition einnehmen, Spritzdecke schließen, Lenzen, Paddel in die Hände nehmen, Paddel-Float verstauen). D.h. wer schon vorher wegen des Seegangs gekentert ist, obwohl er sein Paddel fest in den Händen hielt, wird sicherlich irgendwann beim Paddel-Float-Wiedereinstieg, bei dem er das Paddel nicht in den Händen hält, erneut kentern.

 

Weitere Infos unter dem folgenden Link:

è http://useakayak.org/Ipaddlefloat_recov.html

 

Dennoch ist das Paddel-Float u.U. hilfreich, und zwar beim:

 

Es wird auf die Möglichkeit verwiesen, nach einer Kenterung mit Ausstieg unter Wasser wieder einzusteigen und hoch zu rollen. Damit die Rolle auch wirklich klappt, wird auf das Paddelblatt das Paddel-Float gesteckt, um so dem Paddel extra Auftrieb zu verschaffen.

Wer im Schwimmbad die Rolle kann, wird mit dieser Hilfe auch draußen auf dem Meer die Rolle durchführen. 2 Fotos dienen zur Erläuterung dieser Rettungstechnik, jedoch wird versäumt, Fotos auszuwählen, bei dem das Paddel-Float verwendet wird. Aber auch hier bleibt ein wesentliches Restrisiko: Schafft man es nach gelungenem Wiedereinstieg und Hoch-Rollen, wirklich wieder fahrfertig zu werden?

Voraussetzung dafür ist eine leicht zu handhabende, effiziente Lenzpumpe:

 

Weitere Infos auf der DKV-Homepage:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Reentry+Roll.pdf

 

Kurz vorgestellt wird die auf dem Kartendeck montierte Handlenzpumpe oder die hinter der Sitzluke auf dem Achterdeck montierte – jedoch nicht mehr gebräuchliche, da schwer handhabbare - Handlenzpumpe. Weiterhin wird auf eine Fußlenzpumpe verwiesen, deren Handhabung zu Recht „Wadenkrämpfe“ auslösen kann, deren Bedienung dafür aber ermöglicht, dass beide Hände am Paddeln bleiben können.

Am effizientesten ist wohl eine fest installierte E-Pumpe, sofern sie funktioniert.

Erwähnt wird auch eine tragbare Handlenzpumpe (sog. „Kolbenpumpe“) (Problem: erfordert beidhändiges Pumpen, ergonomisch ungünstig und ermüdend; worauf nicht hingewiesen wird: wenn Pumpe nicht am Kajak gesichert ist, verliert man sie bei einer Re-Kenterung).

 

Weitere Infos zum Lenzen auf der DKV-Homepage:

è www.kanu.de/nuke/downloads/T-Lenzen.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Kajak-Lenzprobleme.pdf

 

Leider wird nichts zum Material der Schleppleine gesagt. So haben sich 3-4 mm dicke elastische Leinen für deutsche Verhältnisse bewährt.

Die Forderung zur „Schwimmfähigkeit“ der Leine ist m.E. zweitrangig. Schwimmfähig sind nur dickere Leine, die sich dann aber nicht so leicht verstauen lassen.

Außerdem fehlt der Hinweis, dass die Schleppleine griffbereit zu verstauen ist; denn was nützt im Seegang eine Leine, an die man nicht ohne Kentergefahr herankommt?

Wichtig ist der Hinweis, dass die Leine am Körper zu befestigen ist (vermindert die Gefahr, dass sie sich auf dem Achterdeck vertüddeln kann), und zwar mit „Panikauslösung“, damit der Schlepper sie schnell abwerfen kann, wenn er selber kentert.

Leider wird nichts zur Länge der Leine gesagt und es wird auch nicht auf die Problematik unterschiedlich langer Leinen, die J.H. empfiehlt, wenn zwei Schlepper eingesetzt werden (sog. „V-Schlepp“), hingewiesen. Denn beim Schleppen möchten 2 Schlepper stets nebeneinander paddeln, mit der Folge, dass die längere Schleppleine stets durchhängt.

Die Empfehlung, sich auf eine einheitliche Schleppleinenlänge zu einigen (z.B. 15 m), scheiterte leider, da die maßgeblichen Experten nicht breit waren, ihre Schleppleine zu verkürzen oder zu verlängern. In der Zwischenzeit hat sich das mit der Einführung einer „doppelläufigen“ elastischen Schleppleine (3-4 mm dick; ca. 8 m lang) erübrigt, da diese sowohl beim Solo-Schlepp (die Leine wird halbiert und beide Enden werden beim Schlepper befestigt) als auch beim V-Schlepp (jeder der beiden Schlepper erhält ein Ende) eingesetzt werden kann.

 

Ein Reservepaddel ist nicht unwichtig. M.E. genügt es aber, wenn je Gruppe (ca. 4 Kajaks) 1 Reservepaddel mitgeführt wird.

Die Paddelleine (ca. 4 mm dick aus elastischem Material) schützt vor Verlust des Paddels (z.B. nach einer Kenterung mit Ausstieg, aber auch während der Pause auf dem Wasser bzw. bei Rettungseinsätzen).

Leider wird nichts über die Länge der Paddelleine gesagt: damit sie einen nicht beim Paddeln bzw. bei Rettungsaktionen behindert, sollte sie so lang sein, dass man gerade so das Paddel über den Kopf halten kann, ohne dass die elastische Leine einen dabei behindert (Empfehlung: ca. 1,50 m).

Auch fehlt ein Hinweis darüber, dass die Leine notfalls schnell vom Kajak gelöst werden kann. Bewährt hat sich dafür nicht ein Klettverschluss, sondern Steckschnallen, wie sie auch bei wasserdichten Kleider-Rollsäcken oder Rucksäcken verwendet werden, da sie mit einer Hand schnell zu lösen sind. Zu empfehlen ist eine mindestens 3 cm breite Steckschnalle, die am Rand des Kartendecks z.B. am Kartenhaltegummi befestigt wird. Schmalere Steckschnallen sich u.U. bei starkem Zug öffnen.

 

Hierfür kommen Seenotfallschirmraketen (pyroscheinpfichtig) oder kleinere Notsignalgeber infrage. Empfohlen werden die handlichen Modelle von Nico und Comet. Die kleinen Signalkörper haben wohl nur eine recht gering Signalwirkung, dafür hat man meist mehrere Signalschüsse zur Verfügung und kann so im Gefahrenfall (z.B. Kollisionsgefahr, Hilferuf, Seenotfall) auf sich aufmerksam machen.

Leider wird nicht darauf verwiesen, dass eigentlich nur das „Nicosignal“ für Kanuten geeignet ist, da es mit einer Hand zu bedienen ist und insgesamt 6 Signalschüsse kurz hintereinander möglich sind.

Auch fehlt ein Hinweis, dass ein solches Signal nur dann einen nützt, wenn man es griffbereit lagert, möglichst vor sich z.B. an der Schwimmweste befestigt.

Dafür wird angemerkt, dass man ein paar rote Signalkugeln (rot signalisiert Seenotfall) durch z.B. weiße Kugeln (signalisiert Achtung) ersetzen sollte. Trotzdem sollte man darauf verzichten, diese weißen Kugeln „auch mal so auszuprobieren“.

Übrigens, auch das wurde nicht erwähnt: Wer einen solchen kleinen Signalgeber an Land offen mit sich führt, benötigt den „Kleinen Waffenschein“, d.h. lediglich beim Einsatz während einer Kajaktour sind sie nicht scheinpflichtig, während des Landtransport muss sicher vom Zugriff Dritter verpackt sein. Das gilt auch, wenn das Kajak an Land liegt. Der Signalgerät darf nicht irgendwo auf Deck gelagert, sondern muss unter Deck verstaut werden.

Leider fehlt ein m.E. ein nicht ganz unwichtiges Signalmittel, ein echter Stroboskopblitz-Gerät, welches auch wirklich wasserdicht ist (in Segelfachgeschäften erhältlich). Sie leuchten nämlich auch dann noch (ca. 8 Std.), wenn alle anderen Seenotsignalmittel längst verschossen sind.

 

Weitere Infos auf der DKV-Homepage:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Seenot-Signalmittel.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Nicosignal.pdf

 

Ein Handy ist ein wichtiges Ausrüstungsteil, um schnell Hilfe zu holen (Tel.-Nr. der Seenotrettung: 124124).

Für Experten bietet sich auch ein scheinpflichtiges UKW-Funkgeräte.

Es muss – darauf wir jedoch nicht deutlich hingewiesen – einem jedoch bewusst sein, dass der Empfang nicht immer sicher gestellt ist, sei es das kein Empfang möglich ist (z.B. wegen Landabdeckung bzw. Seegang) oder nicht immer ein Schiff in der Nähe ist, dass den per UKW-Funk ausgesendeten Notruf empfangen kann und auch abhört).

Auch wird es versäumt, darauf hinzuweisen, dass diese Geräte wasserdicht (verpackt) sein müssen.

 

In der Tat, man sollte zumindest bei einer Tour entlang der Küste nie ausschließen, auch mal in die Dunkelheit zu geraten (z.B. Seekrankheit; Steuer-/Skeg-Schaden, Paddelbruch; Wetterverschlechterung; falsche Tidenberechnung). Wer dann eine Lampe griffbereit verstaut hat, paddelt nicht ganz im Dunkeln.

Stirnlampen (möglichst mit Blitzfunktion) können dann ganz nützlich sein, zum einen, um die Seekarte bzw. den Kompass ablesen zu können, und zum anderen, um die mitpaddelnden Kameradinnen und Kameraden bzw. die übrige Schifffahrt auf sich aufmerksam machen zu können.

Leider wird nicht darauf hingewiesen, dass man unbedingt darauf achten sollte, dass solche eine Stirnlampe nicht nur regenfest, sondern auch kentertüchtig, d.h. schon bis 30-50 m wasserdicht sein sollte.

Die empfohlene „Petzl Tikka Plus“ ist leider nur „spritzwasserdicht“ und daher eher für das Trekking aber nicht für das Küstenkanuwandern geeignet.

 

Weitere Infos zum Thema Beleuchtung & Sichtbarkeit auf der DKV-Homepage:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Beleuchtung.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Sichtbarkeit.pdf

 

Der Beitraq ist übrigens ein Beispiel dafür, dass „in der Kürze nicht immer die Würze liegt“. Auf 2 Seiten, wovon eine Seite praktisch für 9 Fotos inkl. Überschrift beansprucht wird, kann man eigentlich nur alles andeuten. Das KANU-MAGAZIN wäre daher gut beraten gewesen, wenn es den Beitrag in 3 Beiträge aufgeteilt hätte:

  1. Vorstellung der nötigen Ausrüstungsteile;
  2. Demonstration von Paddel-Float-Wiedereinstieg und Re-Entry & Roll sowie Diskussion der zu erwartenden Komplikationen;
  3. Vorstellung der möglichen Abschleppleinen und Schlepptechniken (hier: Solo- und V-Schlepp, aber auch „Päckchen-Schlepp“.

 

Quelle: KANU-MAGAZIN, Nr. 1/05, S.56-57 – www.KANUmagazin.de

 

Weitere Infos zum Thema Ausrüstung auf der DKV-Homepage:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Ausruestungsgegenstaende.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Seekajakkauf-Hinweise.pdf

è www.kanu.de/nuke/downloads/Trockenanzug.pdf