22.12.2004 Über Bord ins Meer gespült (Ausbildung)

 

Im STERN wird in dem Beitrag

 

„20 Stunden allein im Meer“

 

von Kerstin Bruns, dem 2. Offizier des Containerschiffs „Hansa Bergen“, berichtet, die bei Windstärke 10-11 Bft. über Bord gespült wurde und ohne Schwimmweste 20 Std. im Indischen Ozean trieb, bis sie  entdeckt und an Bord geholt werden konnte.

 

Der Seenotexperte Dr. W. Baumeier (Kile) nimmt zu einigen Fragen Stellung:

 

a)      „Sie hat Ruhe bewahrt, sich nicht mit permanenten Schwimmbewegungen verausgabt.“

b)      „Sie hat die Atmung dem Rhythmus der Wellen angepasst (d.h. sie hat sich so gedreht, dass die Wellen von hinten kamen und sie hat eingeatmet, bevor eine Welle über sie brach). Bei Windstärken bis zu 11 Bft. fliegt die Luft. Der Wind wirbelt Gischt auf. Wird sie eingeatmet, kommt Salz in die Lungenbläschen. Das Salz zieht Flüssigkeit aus dem Kreislauf in die Lungenbläschen und ins Bronchialsystem. Der Sauerstoffaustausch funktioniert nicht mehr, die Lunge läuft voll.“

c)      „Selbst bei einer relativ warmen Wassertemperatur von 22° C kühlt der Körper aus. Die Folgen sind unterschiedlich. Manche sind bei 34° C Körpertemperatur nicht mehr zurechnungsfähig, andere überleben mit 26° C und weniger.“

d)      „Es muss so viel Körperfläche wie möglich bedeckt sein. Es war gut, dass K.Bruns die Schuhe anbehalten hat.“

e)      „Es war von Vorteil, dass sie über Energiereserven und – als wohlgenährter Mensch – über eine gute Isolationsschicht verfügte.“

f)        „Es war ein Wunder, dass K.Bruns sich aus eigener Kraft hat retten können. Dass ihre Hände nicht starr waren und die vom Schiff herabgelassene Strickleiter umklammern konnte. Dass ihr Kreislauf nicht versagt hat.“

g)      „Schiffbrüchige müssen in einer waagerechten Position hochgehievt werden, weil sonst der Kreislauf zusammenbricht. Einmal aus dem Wasser heraus, wird ein Schiffbrüchiger dem umgebenden Wasserdruck entzogen, der ihn über die ganze Zeit in einer Art Gleichgewicht hält. Ändert sich dazu noch seine Position, schafft der bereits stark reduzierte Kreislauf es nicht mehr, einen ausreichenden Druck aufzubauen, um das Blut nach oben zu pumpen. Dann droht ein Post-Immersions-Kollaps, auch Bergungstod genannt. Viele Schiffbrüchige, die im Wasser noch leben, sterben nach der Rettung.“

 

Quelle: STERN, Nr. 53 v. 22.12.04 S.56-62