11.05.2005 „Bug-zu-Bug“-Parallel-Wiedereinstiegs-Methode (Ausbildung)

 

Im SEA KAYAKER stellt Phil Eccles in dem Beitrag:

 

„Over-the-Side Speed Rescue“

 

eine neue Variante des Parallel-Wiedereinstiegs vor. Bislang gab es überwiegend die folgenden 3 Methoden:

 

(a) Retter und Kenter-Kajak liegen in V-Form, und zwar Bug zu Heck, nebeneinander.

(b) Der Retter stabilisiert das Kenter-Kajak, indem er es zumindest mit einer Hand am Süllrand und mit der anderen Hand an der Rettungshalteleine hält.

(c) Der „Kenterbruder“ schwimmt zwischen beide Kajaks, stützt sich mit einem Arm über sein Kajak und mit dem anderen über das Retter-Kajak ab und „flutscht“ quasi mit einem Aufschwung – beide Beine voraus – in die Sitzluke seines Kajaks.

Übrigens, „Altmeister“ Jürgen Pietsch hatte einst diese Methode für schleswig-holsteinische Küstenkanuwanderer nicht nur entwickelt, sondern didaktisch so aufbereitet, dass man sie an Land (beide Kajak hingen an einem Gestell) trainieren konnte.

(a) Beide Kajaks liegen parallel nebeneinander, und zwar möglichst Bug zu Heck.

(b) Der Retter stabilisiert das Kenter-Kajak, indem er es zumindest mit einer Hand am Süllrand und mit der anderen an der Rettungshalteleine fest hält.

(c) Der Kenterbruder schwimmt von außen (dabei hat er auf Griffhalt mit seinem Kajak zu achten, damit er nicht von seinem Kajak fortgetrieben wird!) an sein Kajak heran und klettert in Höhe seiner Sitzluke über die Sitzluke hinüber Richtung Bug des Retter-Kajaks, und zwar so weit, dass seine Füße die Sitzluke erreichen.

(d) Dann fädelt er zunächst mit seinen Füßen und schließlich mit seinen Beinen in seine Sitzluke und rutsch vom Bug des Retter-Kajaks zurück in seine Sitzluke.

(a) Beide Kajaks liegen parallel nebeneinander, und zwar möglichst Bug zu Heck.

(b) Der Retter dreht das Kenter-Kajak nach außen , und zwar 90° um die Längsachse, sodass die Sitzluke des Kenterkajaks halb im Wasser liegt, und hält es dann in dieser Lage fest (hier: eine Hand an der Sitzluke des Kenter-Kajaks und die andere an der Rettungshalteleine).

(c) Der Kenterbruder schwimmt von außen (auf Griffhalt zu seinem Kajak achtend) Richtung seiner Sitzluke, fädelt dort zunächst mit seinen Füßen und dann mit seinen Beinen ein, und zwar so weit, bis er schräg – d.h. mit Schultern und Kopf halb im Wasser -  in seiner Sitzluke sitzt.

(d) Dann reicht er seinen äußeren Arm dem Retter, legt sich nach hinten (wie beim „Inuitieren“) und lässt sich hochziehen.

 

Nun kommt eine weitere Wiedereinstiegsmethode hinzu, und zwar die:

 

(a) Beide Kajaks liegen parallel nebeneinander, und zwar Bug zu Bug (und nicht Bug zu Heck).

(b) Der Retter stabilisiert das Kenter-Kajak, indem er es irgendwo an den Rettungshalteleinen in Höhe der hinteren Gepäckluke fest hält.

(c) Der Kenterbruder schwimmt von außen (dabei auf Griffhalt zu seinem Kajak achtend) an sein Kajak heran und klettert zwischen hinterer Gepäckluke und Sitzluke zunächst auf sein Deck und dann weiter auf das vordere Deck des Retters, und zwar so weit, dass seine Füße die Sitzluke seines Seekajaks erreichen.

(d) Dann fädelt er zunächst mit seinen Füßen und schließlich mit seinen Beinen in seine Sitzluke und rutscht vom Bug des Retter-Kajaks zurück in seine Sitzluke.

 

Wie man bemerkt, besteht der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Parallel-Wiedereinstiegs-Methoden darin, dass die ursprünglich Methode voraussetzt, dass die Retter- und Kenterkajak Bug-zu-Heck, liegen, während bei ihrer Abwandlung sie nun Bug-zu-Bug zu liegen kommen. Vorteil dieser Variante ist es, dass es nunmehr keine Rolle spielt, wie die beiden Kajaks zueinander zu liegen kommen. Der Retter konzentriert sich allein darauf, möglichst schnell das Kajak des Kenterbruders zu ergreifen. Wie die beiden Kajaks zueinander liegen, spielt dann keine Rolle mehr: Liegen sie zufällig Bug-zu-Heck, wird die Bug-zu-Heck-Einstiegsvariante gewählt, liegen sie Bug-zu-Bug, wird sich für die Bug-zu-Bug-Variante entschieden. (Anmerkung: Der Autor ist wohl der Auffassung, dass die von ihm beschriebene Methode auch dann funktioniert, wenn die Kajaks Bug-zu-Heck liegen!)

 

Bei der Bug-zu-Bug-Einstiegsvariante ist jedoch u.a. Folgendes zu beachten:

 

(1)   Eigentlich klappt mit ihr der Wiedereinstieg nur dann problemlos, wenn hinter der Sitzluke kein Gepäck auf dem Achterdeck gelagert wird. D.h. wenn der Kenterbruder dort sein Bootswagengestell, einen Gepäcksack oder sonstiges „Gerödel“ verstaut, kann es passieren, dass er dort z.B. mit seiner Spritzdecke hängen bleibt und sich nicht mehr Richtung Deck des Retters voranbewegen kann.

(2)   Weiterhin setzt die Methode voraus, dass das Kenterkajak auch auf dem Heck über straff gespannte Rettungshalteleinen verfügt, damit der Retter das Kenter-Kajak wirklich stabil halten kann.

In dem Beitrag wird der Wiedereinstieg an Hand von 6 Fotos anschaulich erläutert. Leider sieht man auf den ersten 3 Fotos, wie die „Rettungsschwester“ das Kajak des „Kenterbruders“ an dem hinteren Weichplastik-Gepäcklukendeckel fest hält. In der Praxis könnte das dazu führen, dass plötzlich während des Wiedereinstiegs der Gepäcklukendeckel geöffnet wird. Nicht nur bei Seegang wäre das verhängnisvoll; denn ein Fluten des achterlichen Gepäckraumes wäre die Folge.

 

Quelle: SEA KAYAKER, No. June 2005, S.34-37 – www.seakayakermag.com