08.06.2005 Seenotfall-Meldung über UKW-Sprechfunk (Ausbildung)

 

Im Folgenden werden alle jene Schritte aufgezählt, die es zu beachten gilt, wenn unterwegs beim Küstenkanuwandern ein UKW-Sprechfunkgerät einsetzt wird, um einen Seenotfall zu melden. Eine solche Meldung darf jedoch nur ausgestrahlt werden, wenn:

 

 

6 Schritte einer Seenotfallmeldung

 

  1. Schalte das Sprechfunkgerät ein.

 

  1. Wähle Kanal 16 aus.

 

  1. Drücke die Sprechtaste.

 

  1. Spreche klar & deutlich Folgendes:

a)      Signalisierung eines Seenotfalls: „Mayday“ (3x gesprochen)

b)      Havarist: „Hier ist (Name des Bootes) Seekajak“ (3x gesprochen)

c)      Warte ein paar Sekunden und sage erneut:

„Mayday“ (1x)

„Hier ist (Name des Bootes) Seekajak“ (1x)

d)      Melde: Position

ideal: Koordinaten per GPS ermitteln,

sonst: ungefähre Position (z.B. Insel, Aufzählung von Landmarken oder Seezeichen mit Entfernungsangabe)

e)      Melde: Art des Seenotfalles inkl. Anzahl Kajaks und Personen

f)        Melde: Art der erbetenen Hilfeleistung

g)      Sende: Peilzeichen (2x Sprechtaste 10-15 Sekunden drücken!)

h)      Wiederholung: „(Name des Bootes) Seekajak“ (1x)

i)        Abschlussmeldung: „Over“.

 

Beispiel einer „Seenotfallmeldung“:

Mayday Mayday Mayday

Hier ist „Marlepp“ Seekajak, „Marlepp“ Seekajak, „Marlepp“ Seekajak

Mayday

“Marlepp” Seekajak

Position fünf vier Grad zwei zwei Komma fünf Minuten Nord acht Grad drei zwei Komma fünf Minuten Oost

Zirka sechs Kilometer westlich vom Leuchtturm Westerhever nahe Süderhever-Fahrwasser Tonne eins drei

Kenterung von zwei Seekajaks, drei Personen im Wasser.

Dringend Bergung der Personen erbeten.

Peilzeichen

„Marlepp“ Seekajak

Over

 

  1. Erhält man keine Antwort, prüft man, ob das Gerät immer noch richtig angeschaltet ist, prüft die Koordinaten bzw. Sichtzeichen und gibt nochmals eine „Seenotfallmeldung“ heraus, gegebenenfalls im Minutentakt, gebenenfalls auch auf einen anderen Kanal:

Kanal 08 (Fracht- und Fahrgastschiffe)

Kanal 10 oder 77 (Fischereifahrzeuge)

Kanal 72 oder 69 (Sportboote)

 

  1. Erhält man eine Antwort, ist diese wie folgt zu bestätigen:

„Mayday“

„Hier ist (Name des Bootes) Seekajak“

„Verstanden“

„Over“.

 

---- weitere Seenotsignale

 

Es gibt jedoch noch weitere Möglichkeiten, um auf einen Seenotfall aufmerksam zu machen. Z.B.:

 

Abschuss einer roten Fallschirm-Leuchtrakete

Zündung einer roten Handfackel

Abschuss von Leuchtkugeln mit roten Sternen in kurzen Zwischenräumen (z.B. Nicosignal)

SOS-Lichtzeichen (per Lampe bzw. Signalspiegel)

 

Auslösung eines orangefarbenen Rauchsignals

 

SOS-Zeichen Schallsignale (z.B.: Signal-Pfeife, -horn)

 

„Langsames und wiederholtes Heben und Senken der seitlich ausgestrecktem Arme“;

notfalls mit dem Paddel in der Hand:

z.B. „Heben und Senken des Paddels“ (um eine Kenterung zu vermeiden)

bzw. „Winken mit dem senkrecht aus dem Wasser gehaltenen Paddel“ (um im Wasser schwimmend auf sich aufmerksam zu machen).

 

Gemeldet wird der Seenotfall der Seenotleitung (MRCC) Bremen, und zwar über:

Handy:            Tel. 124 124

Festnetz:        Tel. 0421-536870

Das Einsatzgebiet der Bremer Seenotleitung erstreckt sich von Borkum bis Sylt und von Flensburg bis Usedom. Natürlich wird auch ein Anruf aus dem Ausland entgegengenommen, sofern er zu Empfangen ist.

 

Hör- bzw. Sichtweitenprobleme

 

Alle Seenotsignale haben dieselbe Schwachstelle. Um sie zu erkennen, müssen sie bemerkt (gehört bzw. gesehen) werden. Die Hör- bzw. Sichtweite ist abhängig von der Höhe des Signalgebers, der Höhe des Signalempfängers und der Signalstärke (Funk, Licht bzw. Ton):

 

Gehen wir davon aus, dass ein im Kajak sitzender Kanute sein UKW-Sprechfunkgerät in 1 m Höhe hält und ein Schiff seine Antenne in 10 m Höhe angebracht hat, so hat der Kanute eine Chance, dass seine Seenotmeldung gehört wird, wenn das Schiff nicht weiter als 16 km entfernt ist und keine Sichthindernisse (z.B. Insel) dazwischen liegen, wobei meterhoher Seegang ebenfalls ein solches Hindernis darstellen kann.

Schwimmt der Kanute im Wasser, vermindert sich die Reichweite von 16 km auf 12 km).

Übrigens, wenn wir davon ausgehen, dass an Leuchttürmen Funkantennen angebracht sind, können im Kajak sitzende Kanuten innerhalb der folgenden Reichweite Funkkontakt über die folgenden Leuchttürme herstellen:

Hörnum (Sylt) (Höhe: 48 m è Reichweite: 30 km (bei einem Schwimmer: 28 km)

Amrum (63 m è 34 km / 30 km)

Büsum (22 m è 21 km / 18 km)

Neuwerk (38 m è 27 km / 23 km)

Alte Weser (33 m è 25 km / 22 km)

Helgoland (82 m è 38 km / 35 km)

Wangerooge (60 m è 33 km / 29 km)

Norderney (59 m è 33 km / 29 km)

Borkum (63 m è 34 km / 30 km)

 

z.B. Fallschirmsignalraketen (max. 55 km; bei einer Steighöhe von über 300 m und einer Leuchtstärke von 30.000 cd);

z.B. Handfackel (max. 22 km bei 15.000 cd Leuchtstärke);

z.B. Nicosignal (max. 9 km, bei einer Steighöhe von 80 m und 10.000 cd Leuchtstärke)

z.B. Rettungsleuchten (als Blitz-, Blink- (ca. 15 Blinkintervalle pro Minute oder Dauerlicht; wobei Blitzlichter am deutlichsten zu sehen sind, und zwar auch bei Seegang; dann kommt das Dauerlicht; an letzter Stelle steht das Blinklicht, welches gerade bei Seegang schwerer wahrgenommen werden kann.

z.B. Signalspiegel sollen über eine weitere Strecke deutlich sichtbare Lichtsignale abgeben können, sofern die Sonnen scheint und der Havarist in der Lage ist, einen Dritten anzuleuchten.

 

z.B. Rauchfackel, -töpfe (nur tagsüber sichtbar im Umfeld, max. 5 km);

 

 

Abgesehen davon, dass die Schalleistung bei nassem Signalmittel niedriger liegt, gilt Folgendes:

z.B. das Signal lauter Signalpfeifen (mit 108 dB(A) Schalldruck in 1 m Entfernung, die beim Signal abgeben „Ohrenschrillen“ verursachen können), kommt in 55 m Entfernung bei Windstille nur noch mit 72 dB(A) an und wird in 500 m Entfernung „kaum bis gar nicht“ wahrgenommen bzw. als Möwengeschrei interpretiert (z.B. bei Signalpfeifen, die mit hoher Frequenz arbeiten (3.900 Hz);

z.B. die Signalstärke diverser Signalhörner fällt unterschiedlich aus (zwischen 101 dB(A) – 110 dB(A) (Schalldruck in 1 m Entfernung), sodass die Signale mancher Hörner in 500 m Entfernung gar nicht oder nur „mäßig“ wahrnehmbar sind. Lediglich eine Art „Plastiktrompete“ von Plastimo war „mäßig bis deutlich“ und ein per Gasdruck betriebes Handwarngerät war „deutlich“ zu hören.

 

Literatur:

Hannemann,U.: UKW Sprechfunkzeugnis (5.Aufl.1999, S.55-64).

BSH (hrsg.): Sicherheit im See- und Küstenbereich (5.Aufl.2003, S.17)

Bock;Th.: Feuer und Flamme (14 Signale im Test), in: Boote 12/03, S.44-49.

Bock,Th.: Schöner Schein (12 Rettungsleuchten im Test), in: Yacht 18/01, S.74-79.

Test von 9 Schallsignalmitteln in: Yacht 8/2000, S.59-60.

Dreyer,R.: Sportküsten Schifferschein / Sportboot Führerschein (2.Aufl.1999, S.38)

Grikschat,J.: Seenot-Signalmittel è www.kanu.de/nuke/downloads/Seenot-Signalmittel.pdf

Mansell,K. VHF Radio Procedures è www.seapaddler.co.uk/VHFProcedures.htm