09.06.2005 Solo-Küstentouren: 2 Seenotfälle (Ausbildung)

 

Solo aufs Meer hinaus zu paddeln, ist mit besonderem Risiko verbunden und stellt daher hohe Anforderungen an die Küstenkanuwanderinnen und –wanderer:

 

è www.kanu.de/nuke/downloads/Solotouren.pdf

 

In dem kanadischen Paddelmagazin WAVE LENGTH wird über 2 erfahrene Kanuten berichtet, die bei einer solchen Solo-Tour in Bedrängnis gerieten.

 

In dem einen Beitrag mit dem Titel:

 

„When Things Go Wrong“

 

berichtet Glen Stedham über eine Tour entlang Vancouver Island (CDN) Zunächst paddelte er 5 Tage im Schutze einer Gruppe ca. 120 km. Dann Tag trennte er sich an seinem letzten Paddeltag von der Gruppe, da diese die Tour noch um ein paar Tage verlängern wollte,  und fuhr die noch verbleibenden 33 km alleine zum Ziel. Er startete um 6 Uhr. Der Wind und die See kam von achtern und wurde immer höher, sodass er allmählich an seine paddlerischen Grenzen stieß. Als dann plötzlich die Wellen eines Motorbootes die Windseen toppten, brach sein Seekajak aus, die Paddelstütze klappte nicht, er kenterte. Seine alte Spritzdecke bereitete ihm zunächst beim Aussteigen große Probleme. Erst als er sie beim Öffnen einriss, kam er frei. Wegen des Seegangs war ihm ein Wiedereinstieg nicht möglich. Er ließ sich daher in Richtung der mit Felsen durchsetzten Küste treiben. Mit etwas Glück fand er zwischen den Felsen eine Anlandemöglichkeit. Mit der beschädigten Spritzdecke, war bei den sich allmählich noch verschlechterten Gewässerbedingungen an ein Weiterpaddeln nicht zu denken, auch nicht am nächsten Tag. Da keine Wetterbesserung in Sicht war und er bei seiner Kenterung fast alles Trinkwasser und sein Regenzeug verloren hatte, beschloss er, die Insel zu Queren um Port Hardy zu erreichen. Er setzte dafür 2-3 Std. an. Er verfügt wohl über einen Kompass und ein GPS-Gerät, jedoch nur über eine Karte im Maßstab 1:250.000. Unterwegs geriet er in eine schier undurchdringliche Dschungellandschaft und fand sich nicht mehr zurecht. Schließlich taucht die Küste wieder auf. Im letzten Moment konnte er ein Motorboot, welches hinter den Felsen verschwand auf sich aufmerksam machen. 20 Minuten später landete er in Port Hardy und bald darauf im Krankenhaus, um seine vielen Stich- & Schnittverletzung und Platzwunden, die er sich im unwegsamen Gelände zugezogen hatte, behandeln zu lassen.

 

In dem zweiten Beitrag mit dem Titel:

 

„Never Turn Your Back“

 

berichtet Al Keith über sein Kentererlebnis: 10 Tage war er schon unterwegs entlang der pazifischen Küste der Insel Hakai (British Columbia (CDN)). Da sein Paddelkumpel kurzfristig abgesagt hatte, paddelte er solo. Beim Anlanden an einem felsigen Küstenstreifen geriet er in kräftigen Seegang, der den Gepäcksack auf dem Achterdeck verrutschen ließ. A.K. dreht sich um, als gerade eine Brechere sein Seekajak ins Surfen brachte, und kenterte. Die nächste Welle schleuderte ihn aus seinem Boot und nahm ihn mit bis auf den Meeresgrund. In Erinnerung an den Spruch, den er einst in einem Survivalbuch gelesen hatte:

 

„You can survive – just try to keep on living one minute longer!“

 

setzte er alles daran, wieder zurück an die Wasseroberfläche zu kommen. Dann schwamm er zu seinem Seekajak, trieb mit ihm auf einen Felsen, stieg dort wieder in seine Sitzluke und paddelte ans sichere Land. Mann & Kajak waren wohlauf, jedoch fehlten sein Kocher, Brennstoff, ein Teil der Verpflegung und das gesamtes Trinkwasser. Fernab der Zivilisation war das nicht unkritisch. Auf den Inseln fand er kein Süßwasser, sodass er sich mit dem Taui begnügen musste, der sich nachts am Zelt und Kajak niederschlug. Am 4. Tag nach seiner Kenterung setzte der erste Regen, ein Gewitterregen ein und trug zur Entspannung der misslichen Lage bei.

 

Quelle: WAVE LENGTH MAGAZINE, Nr. April/May 2005,

S.5-7 sowie S.8-9 – www.WaveLengthMagazine.com