14.06.2005 Paddeln mit Kompass (Ausbildung)

 

In KANU MAGAZIN erläutert Jürgen Hoh in dem Beitrag:

 

„Volle Peilung: Paddeln mit Kompass“

 

wie wir beim Küstenkanuwandern den Kompass einsetzen könen, z.B. um

 

Hierfür ist zusätzlich ein extra Handkompass recht hilfreich (ein „Kartenwinkelmesser“ genügt jedoch auch!);

D.h. wir steuern das Kajak so, dass der Bug genau in Richtung gewünschtem Kurs zeigt (wobei es sehr nützlich ist, wenn der Kompass über eine sich einnordende, also drehbare Kompassrose verfügt; anderenfalls ist ja stets nach ausrichten der Kompassrose erforderlich);

D.h. unterwegs muss wir beim Paddeln immer wieder überprüfen, ob der Kurs noch stimmt, wobei ist zu beachten, dass wir Küstenkanuwanderinnen und -wanderer den Kurs nur mit einer Toleranz von +/- 5 Grad einhalten können, sei es, dass die Kompassrose nicht genau ablesbar ist bzw. wir nicht in immer der Lage sind, stets auf den Kompasse zu schauen, bzw. der Seegang das Kajak ständig hin & her schojen lässt, sodass gar kein exakter Kurs gepaddelt werden kann.

 

J.H. geht auf den Unterschied von geografischem und magnetischem Nordpol ein (hier: „Missweisung“), die sich im Laufe der Jahre stetig verändert. Sie wird auf den Seekarten mit angegeben. Die Missweisung auf der deutschen Nord- und Ostsee ist jedoch derzeit so gering, dass sie vernachlässigt werden kann.

 

Leider wird in dem Beitrag nicht darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass unterwegs bei Wind & Welle, d.h. wenn wir beide Hände zum Paddel & Stützen brauchen, sowohl die Seekarte also auch der Kompass brecher- & böenfest befestigt sind.

 

Abschließend weist J.H. darauf hin, dass wir auch ohne Kompass peilen können, und zwar mit Hilfe der:

 

Überdecken sich aus der Paddlerperspektive zwei Objekte (z.B. Seezeichen & Leuchtturm; Baum und Windkraftanlage, Haus und Schornstein), die auch auf der Seekarte verzeichnet sind, liegen wir mit unserem Kajak genau auf einer Linie mit diesen Objekten. Wir brauchen dann nur noch abzuschätzen, wie weit wir uns vom nächstgelegen Objekt befinden, um zu wissen, wo auf der Karte unser Standpunkt ist.

Übrigens, soll diese Deckungslinie unsere Kurslinie sein, müssen wir stets so paddeln, dass das hintere Objekt immer vom vorderen Objekt abgedeckt wird. Kommt das hintere Objekt aus der „Deckung“ des vorderen Objektes, dann weichen wir von unserem Kurs ab:

(a)   erscheint das hintere Objekt rechts vom vorderen Objekt, treiben wir nach Steuerbord vom Kurs ab (Gründe: meist eine Mischung aus unachtsamer Kurshaltung, Seitenwind- und/oder –strömungsabdrift). Wir müssen dann etwas nach links vorhalten, und zwar solange, bis das hintere Objekt wieder hinter dem vorderen Objekt liegt.

(b)   erscheint das hintere Objekt links vom vorderen Objekt, werden wir nach Backbord versetzt und wir müssen etwas nach rechts vorhalten.

 

Sollte kein hinteres Objekt vorhanden sein, kann die Abdrift nur mit einem Kompass kontrolliert werden: Fixieren wir ein Objekt  und steuern wir es direkt an, verändert sich dabei aber stetig der Kompasskurs, dann werden wir ebenfalls abgetrieben. Halten wir dann nicht vor (sog. „Seilfähre“) paddeln wir nicht auf einem direkten Kurs zu unserem Ziel, sondern auf einer Kurve (sog. „Hundekurve“).

 

Ist zum Anpeilen gar kein Objekt in Sicht, kann der Vorhaltewinkel mit Hilfe eines „Stromdreiecks“ ermittelt werden. Diese Methode setzt jedoch die Kenntnis der eigenen Paddelgeschwindigkeit sowie der Wind- & Stromabdrift voraus. Da den Küstenkanuwanderern nicht alle 3 Größe exakt bekannt sind, verzichtet zu Recht J.H. auf eine genauere Erläuterung dieser Kursberechnungsmethode. Er empfiehlt „zunächst mit einem großzügig übertriebenen Vorhaltewinkel loszupaddeln. Anhand der Querpeilung kann der Vorhaltewinkel dann so angepasst werden, dass man sich dem Ziel schließlich von stromaufwärts (bzw. der Luvseite) her nähert.“

Übrigens, wem eine solche „Freestyle-Querung“ zu ungenau ist, der möge sich ein GPS-Gerät anschaffen, beim Start die Koordinaten seines Zielpunktes eingeben, diesen Zielpunkt am GPS-Gerät aktivieren und los paddeln. Das GPS-Gerät zeigt dann ständig an, wie viel Grad die Abdrift beträgt, oder: wie viel Grad vorgehalten werden muss, um keine Abdrift zu haben. Außerdem erfahren wir je nach Gerät, wie weit (hier: in Metern bzw. Seemeilen) wir von unserem idealen Kurs abgewichen sind.

 

Quelle: KANU MAGAZIN, Nr. 4/05, S.64-65 – www.kanumagazin.de

Link:

Zu den Anforderungen an die „Navigationstüchtigkeit“ beim Küstenkanuwandern:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Navigationstuechtigkeit.pdf