25.07.2005 Risikopersönlichkeiten (Ausbildung

 

In DIE ZEIT setzt sich Sabine Etzold in dem Beitrag:

 

„Der Messner in uns.

Verhaltensforscher auf der Suche nach der Risikopersönlichkeit“

 

mit den Faktoren auseinander, die jemanden dazu verleiten, ein Risiko einzugehen.

 

Das dürfte für das Küstenkanuwandern von Interesse sein; denn die Kanuten im Besonderen neigen doch vielfach dazu, sich mehr oder weniger riskant zu verhalten! Wie können wir es uns sonst erklären, dass immer wieder Kanuten aufs Meer hinaus paddeln, obwohl sie selber und auch ihre Ausrüstung nicht „seetüchtig“ ist.

 

Folgende Faktoren arbeitet S.E. heraus:

 

Insgesamt werden hierbei die folgenden Typen unterschieden: Abenteuer- und Thrill-, Erfahrungs- & Missbrauchs-Sucher sowie Langweile-Vermeider.

Das liefert auch eine Erklärung dafür, dass Kanuten, die am letzten Tag auf einer Insel draußen auf dem Meer wegen ungünstiger Gewässerbedingungen festsitzen, es trotzdem wagen, zurück ans Festland zu paddeln; denn die Scheu, am nächsten Tag nicht rechtzeitig bei der Arbeit zu erscheinen, ist halt größer als die Angst vor Wind & Seegang. Besonders häufig sind wagemutige Handlungen bei „Alles-oder-Nichts“-Situationen zu beobachten. Z.B. wir geraten unverhofft in Gewitterböen, die wir nur meistern, wenn wir alles geben. Nur derjenige, der seine Angst nicht im Griff hat und in Panik gerät, wird in einer solchen Situation scheitern und gegebenenfalls kentern.

Solche Menschen sind auch unter uns Küstenkanuwanderern und –wanderinnen anzutreffen. Wobei die beiden Seiten der Risikobereitschaft, nämlich Action & Kontrolle unterschiedlich ausgeprägt sein können. Nur so ist es verständlich, dass es Kanuten gibt, deren „Kontrollverhalten“ so stark ist, dass sie sich niemals trauen, aufs Meer hinaus zu paddeln, obwohl sie eigentlich davon träumten, bei einem 12er Wind mit ihrem Kajak durch die Brandung zu kämpfen.. Und auch umgekehrt: Dass es Kanuten gibt, deren „Kontrollverhalten“ so schwach ausgeprägt ist, dass sie vor lauter Action gar nicht daran denken, dass etwas passieren könnte. Die kontrollverdrängenden Kanuten unterscheiden sich dabei – quasi in einer Art Momentaufnahme - in ihrem äußerlichen Handeln nicht von den risikobereiten und zugleich kontrollbesessenen Kanuten, die sich des Risikos, in dass sie sich begeben, bewusst sind, aber trotzdem hinaus paddeln, da sie wissen, dass ihnen auf Grund ihrer Erfahrungen & ihres Könnens sowie dank der Unterstützung durch ihre Mitpaddler eigentlich nichts passieren kann.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Quelle: DIE ZEIT, Nr.21/05, S.37