11.09.2005 Dürfen wir einen draußen allein weiter paddeln lassen? (Ausbildung)

 

Im SEEKAJAK wird eine

 

„Stellungnahme des C/B-Kreises zum Langeoog-Zwischenfall“

 

veröffentlicht, die von Bernhard Hillejan verfasst wurde und Bezug auf einen Bericht von Hakola Dippel (Seekajak 97/05, S.34-35) nimmt.

 

Hakola Dippel war Fahrtenleiter einer Tour, die spät nachmittags von Langeoog zurück nach Spiekeroog führte. Zu seiner Gruppe gehörten 2 Kanuten. Bei der Durchfahrung der Brandung, kenterte ein Kanute. Während der andere Kanute langsam in der Brandungszone weiter Richtung Spiekeroog paddeln sollte, half der Fahrtenleiter dem „Kenterbruder“, zurück an Land zu kommen, wo dieser die Tour abbrach. Als er dem dritten Kanuten folgte, verfehlten sich beide. In der Dunkelheit erreichte der Fahrtenleiter schließlich das angepeilte Ziel, ohne dort den dritten Kanuten anzutreffen. Da dieser nicht per Handy erreichbar war, wurde die Seenotrettung alarmiert. Schließlich meldete sich  der Vermisste über Handy spät abends vom Langeooger Strand, wo er nach einer Kenterung an Land getrieben war.

 

Bernhard Hillejan betont, dass:

 

 

Dem kann nur zugestimmt werden. Die Nordsee ist keine „Mordsee“. Wer auf sie mit einem Seekajak hinaus fährt, gefährdet nicht automatisch sein Leben. Entsprechend ausgebildet, ausgerüstet, fit & erfahren ist die Nordsee auch noch im V-er-Schwierigkeitsgrad kontrolliert befahrbar. Wir müssen nur lernen, solche Gewässerbedingungen zu beherrschen. Der beste Weg dorthin, ist „learning by doing“. D.h. schon zu Beginn einer „Küstenkanuwanderkarriere“ sollten wir uns in die Brandung begeben und lernen mit ihr zu „spielen“; denn wer erfährt, wie er sich in der Brandung zu behaupten hat, den kann so schnell ein starker bis steifer Wind nichts anhaben. Insofern ist es per se kein Fehler von Hakola Dippel gewesen, auf der Rücktour von Langeoog nach Spiekeroog bei einem Wind NW 5-6 Bft. die Brandungsseite zu wählen. U.U. war es jedoch ein Fehler, mit seiner Gruppe den „Ritt durch die Brandung“ zu wagen. Das gilt zumindest für den Kanuten, der gleich zu Beginn der Brandung gekentert war und danach jeglichen Mut zur Weiterfahrt verloren hatte. Der zweite Kanute dagegen schien leistungsfähig genug zu sein; denn immerhin hat er es allein geschafft, bis ans Ostende von Langeoog zu paddeln. Erst dort kenterte er und ging dann an Land. Aber wie kann ein Fahrtenleiter zu Beginn einer Tour die Leistungsfähigkeit eines Kanuten einschätzen. Meine Erfahrung ist, dass viele Kanuten, sofern sie bestrebt sind, an einer bestimmten Tour teilzunehmen, den Fahrtenleiter mehr oder weniger bewusst über ihre Leistungsfähigkeit täuschen. Der Grund dafür liegt gegebenenfalls darin, dass sie sich gar nicht vorstellen können, welch schwierige Gewässerbedingungen draußen auf sie warten könnten. Dies ist ein Problem, dass jedem Fahrtenleiter bewusst sein muss, sodass er – sofern ein Kanute plötzlich an seine Leistungsgrenzen stößt – sofort handeln kann, ohne dass gleich der Notfall eintritt.

 

Bernhard Hillejan kritisiert im Wesentlichen die „situativ getroffene Entscheidung (des Fahrtenleiters), den Teilnehmer allein (in der Brandung) zu(rück) lassen, und sei es auch nur vorübergehend, da hierdurch die Verbindung mit dem knappen Zeitfenster eine Komplikationskaskade ausgelöst wurde, die mit Bordmitteln nicht zu beheben und letztlich nur das Eingreifen von Rettungskräften zu beherrschen war. Tatsächlich hätten sie auch schlimmer enden können.“ Der Fahrtenleiter hätte folglich bei dem nachmittags auf 5-6 Bft. zunehmenden Wind aus NW:

 

 

Abschließend wird vorgeschlagen, sich Gedanken u.a. darüber zu machen:

 

 

Zu vermissen ist jedoch ein Hinweis darauf:

 

 

Text: U.Beier

Quelle: SEEKAJAK, Nr. 98/05, S.12 – www.salzwasserunion.de

Links:

Zum Seenotfall:

www.kanu.de/nuke/downloads/Seenotfallanalyse-VII.pdf

Gruppenfahrten entlang der Küste - 10 erfolgversprechende Kernpunkte:

www.kanu.de/nuke/downloads/Gruppenfahrten.pdf

Kameradschaft - 10 hilfreiche Pluspunkte:

www.kanu.de/nuke/downloads/Kameradschaft.pdf

Gemeinschaft – 10 vermeidbare Fehler … und Tipps für ein konfliktfreies Zusammenpaddeln:

www.kanu.de/nuke/downloads/Gemeinschaft.pdf

Der Langsamste bestimmt das Tempo? 10 störende Problemfelder:

www.kanu.de/nuke/downloads/Langsamkeit-contra-Tempo.pdf

Angstbewältigung – 5 beruhigende Aspekte:

www.kanu.de/nuke/downloads/Angstbewaeltigung.pdf

Tourenrückmeldung (Passage Plan): Extern bzw. intern?

www.kanu.de/nuke/downloads/Tourenrueckmeldung.pdf