04.02.2006 Richtig Surfen (Ausbildung)

 

Richtig zu surfen, muss gelernt sein. Wer es kann, hat einen weiteren Grund, sich beim Küstenkanuwandern zu freuen; denn Surfen heißt mit dem Seekajak in einen Tempobereich vorzustoßen, denn wir ansonsten nicht erreichen können.

 

Folgende Aspekte sind beim Surfen von Interesse:

 

 

Ein ganz (un)gewöhnliches Surferlebnis?

 

Es geschah Anfang März vor 2 Jahren auf der Unterelbe. Von achtern näherte sich der 280x40 m große Containerfrachter „Cosco Hamburg“ (Tiefgang: ca. 11,5 m)und setzte zum Überholen an. Als er schon fast passiert war, wurde das überholende Boot von den achterlichen Heckwellen des Überholers „gepackt“ und – wie wir Seekajakfahrer es gewohnt sind, wenn wir nicht per Steuerausschlag, Ziehschlag bzw. Heckruder gegensteuern bzw. per Bremsschlag unser Kajak so abbremsen, dass die Welle unter uns durchläuft, ohne uns mitzunehmen –  zunächst etwas abgebremst, dann aber auf das Tempo des Containerfrachters beschleunigt, wobei es anfing, Richtung des Überholers auszubrechen. Trotz hart Gegenruder war eine Kursänderung nicht mehr möglich. Die dann eingeleitete Bremsaktion konnte die Kollision auch nicht mehr verhindern. Durch die Wucht des Zusammenstoßes neigte sich das überholte Boot voll zur Seite und ließ einen Mann über Bord gehen.

 

Interessant an diesem Fall ist, dass das überholte Boot kein Seekajak, sondern ebenfalls ein Containerfrachter war, nämlich die 101x18 m große „Nedlloyd Finland“ (Tiefgang: ca. 6,50 m). Der über Bord gefallene Matrose wurde ca. 55 Minuten später aus dem märzkalten Wasser der Elbe geborgen. Eine Wiederbelebung war nicht erfolgreich.

 

Die Bundesstelle für Seeunfall-Untersuchung (BSU) ließ die Kollision untersuchen. Folgendes wurde dabei festgestellt:

 

 

Übrigens, das Ausbrechen des Überholenden wurde vom Überholer nicht bemerkt, da er davon ausging, dass der Überholvorgang abgeschlossen war. Und der über Bord gefallene Matrose wurde nach ca. 55 Minuten aus dem märzkalten Wasser der Elbe geholt. Eine Wiederbelebung blieb jedoch erfolglos.

 

Für das Küstenkanuwandern bringt dieser Fall eigentlich nichts Neues. Manche von uns sind schon seit jeher von dieser „Gefällekraft des Primärwellensystems“ so fasziniert, da sie ihnen die Möglichkeit zum Surfen bietet.

 

Andere dagegen fürchten sich vor ihr, da sie nicht sicher sind, ob sie die von hinten anrauschenden Wellen beherrschen können. Sie ändern daher ihren Kurs und nehmen die kritischen Wellen lieber von vorne oder nehmen „reiß aus“! Welche Kurskorrektur vorgenommen wird, sollte jedoch mit Bedacht gewählt werden. Insbesondere ein Entfernung vom überholenden Schiff ist dann nicht zu raten, wenn wir uns dabei in ein Gebiet mit Untiefen oder gar – bei Flüssen – in Ufernähe begeben; denn dort können sich dann solche „Dampferwellen“ zu Grundseen aufbauen, die dann als Brecher enden. Eine Kenterung ist dann wirklich nicht mehr auszuschließen!

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Link:

BSU-Untersuchungsbericht: www.bsu-bund.de > Aktuelles > Unfallbericht 45/04