15.03.2006 Eskimo-Rescue-Variante (Ausbildung)

 

Im SEA KAYAKER berichtet Bernhard Hillejan in dem Beitrag:

 

„The Eskimo Rescue Revisited“

 

über die wohl altbekannte Rettungsmethode „Eskimo Rescue“, die wie folgt abläuft:

 

  1. „Kenterbruder“ kentert,
  2. steigt jedoch nicht aus,
  3. sondern hält – unter Wasser hängend – seine beiden Arme links und rechts von seinem Kajak aus dem Wasser
  4. und hofft,
  5. dass ein Kamerad dies bemerkt
  6. und nicht wartet, ob dem „Kenterbruder“ es nun gelingt, hoch zu rollen,
  7. sondern sofort, quasi im Moment der Kenterung, zum „Kenterbruder“ paddelt
  8. und ihm die Möglichkeit bietet, sich an seinem Kajak (egal ob nun am Bug oder irgendwo seitlich) wieder an die Wasseroberfläche zu ziehen.

 

Was ist nun anders an dem Beitrag von B.Hillejan? Nun, den Punkt 3. hat er soweit verändert, dass der „Kenterbruder“ nicht passiv unter seinem Kajak hängt bleibt und höchstens mit seinen Armen winkt, sondern dass er versucht, mit seinem Kajak – im Kajak sitzend – zu schwimmen. Dabei sollte er nicht versuchen, ständig seinem Kopf über Wasser zu halten, sondern – ähnlich wie es die Kraul-Schwimmer tun – nur dann den Kopf aus dem Wasser zu heben, wenn zuvor ausgeatmet wurde, damit über Wasser die Zeit zum Atmen reicht. Anschließend kann mit Punkt 4. ff. weitergemacht werden. Sollte der Retter auf jener Seite des Kenter-Kajaks eintreffen, an der der „Kenterbruder“ nicht aufschwimmt, muss der Kenterbruder halt einmal unter Wasser die Seite wechseln.

 

Das Verdienst von B.Hillejan ist es nicht, dass Schwimmen in einem gekenterten Kajak „erfunden“ zu haben. Das tun nämlich schon vor Erfindung des Seekajaks all jene Kanutinnen und Kanuten ganz automatisch – mehr oder weniger perfekt -, wenn nach einer Kenterung aus irgendwelchen Gründen sich ihre Spritzdecke nicht öffnen lässt. Aber B.Hillejan hat dies aufgegriffen und perfektioniert, und zwar:

 

 

Letzteres macht jedoch erforderlich, dass bei schwierigen Gewässerbedingungen neben einem „Kenterkandidaten“ etwas seitlich nach hinten versetzt ein „Experte“ paddelt. Der Abstand und die Position zum „Kenterkandidatin“ hängen dabei davon ab, wie gut dieser nach einer Kenterung in seinem Kajak sitzend mit ihm schwimmen kann.

 

Übrigens, ich schaffe es nicht, auf diese Weise schwimmend auf Hilfe zu warten, deshalb schlüpfe ich lieber in die Rolle des „Experten“. Zweimal konnte ich auf diese Weise jeweils denselben„Kenterbruder“ den nassen Ausstieg ersparen:

 

 

Ich kann nur allen, die auf ein Großgewässer hinaus paddeln, empfehlen, irgendwann unter Hallenbad- bzw. Ententeichbedingungen mal selber zu prüfen, ob sie nach einer Kenterung im Kajak sitzen bleiben und mit ihm schwimmen können. Klappt es, sollten sie sich das bei der nächsten Kenterung unter realen Bedingungen merken.

 

Natürlich können wir auch versuchen, das Paddel als Schwimmhilfe zu benutzen. Das sieht dann wohl so aus, als ob wir einen Rollversuch nach dem anderen unternehmen, führt aber dazu, dass wir immer wieder dank der ¾ Rolle gerade so an die Wasseroberfläche kommen, dass wir in der Lage sind, etwas Luft einzuatmen. Nähert sich dann der Retter, lassen wir unser Paddel gehen und ziehen uns am Kajak des Retters hoch.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Quelle: SEA KAYAKER, April 2006, S.47-51 – www.seakayakermag.com