29.04.2006 Steuerschläge beim Surfen (Ausbildung)

 

Was machen wir eigentlich, wenn wir mit unserem Seekajak ins Surfen kommen und dieses plötzlich ausbrechen und querschlagen will?

 

„Tretboote“

 

Nun, wir treten bei unserem „Tretboot“ rechtzeitig, d.h. wenn sich das Ausbrechen gerade andeutet, und kräftig in die Steuerpedalen und hoffen, dass das Steuerblatt entsprechend Wirkung zeigt.

 

Die Chancen, ein Ausbrechen zu verhindern, sind groß, wenn es sich bei der Steueranlage um eine „integrierte“ Steueranlage handelt, d.h. eine Steueranlage, dessen Steuerblatt im Unterwasserschiff verschwindet, wenn es hochgezogen wird. Je weiter das Steuerblatt vom Heck entfernt ist, desto größer ist dabei die Chance, dass das Steuerblatt von der Welle, auf der wir surfen (sog. Surfwelle), nicht aus dem Wasser gehebelt wird. Das gilt z.B. für alle Seekajaks von Pietsch & Hansen (hier: Oland, Habel, Amrum; Hooge) und ein Seekajak von Lettmann (hier: Polar). Die anderen Seekajaks von Lettmann (hier: Godthab XL, Asiak, Nordstern, Arctic) sind dagegen mit einer integrierten Steueranlage ausgerüstet, die am Ende des Hecks im Heck integriert ist, so dass die Steuerwirkung nicht ganz so effizient arbeiten kann, aber immer noch effizienter als all die übrigen Steuer-Seekajaks, die mit einer Heck-Umklapp-Steueranlage (Flip-Off-Steueranlage) ausgerüstet sind.

 

Diese nachträglich auf das Heckende montierten Steueranlagen haben nämlich nicht nur den Nachteil, dass sich die Steuerhalterung sehr weit oberhalb der Wasseroberfläche befindet, sodass ein besonders langes Steuerblatt benötigt wird, um schon bei Ententeichbedingungen entsprechend wirksam zu sein, geschweige denn bei Seegang; denn das Heckende wird am frühesten von der Surfwelle aus dem Wasser gehebelt.

 

Skeg-Boote

 

Und wie verhindern wir das Ausbrechen, wenn wir in einem Seekajak mit verstellbarem Skeg paddeln? Ziehen wir das Skeg ganz heraus, läuft unser Seekajak sehr geradeaus, aber das reicht nicht, um es am Ausbrechen zu verhindern! Denn auch ein Skeg-Boot bricht irgendwann beim Surfen aus. Wenn es dann trotz Skeg ausbricht, haben wir ein extra Problem; denn mit ausgezogenem Skeg wird es uns schwerer fallen, unser Seekajak wieder zurück auf Kurs zu bringen. D.h. wenn wir mit einem Skeg-Seekajak surfen, empfiehlt es sich, vorher das Skeg einzuziehen.

 

Der Seegang lädt zum Surfen ein. Wir ziehen das Skeg ein und paddeln los. Wenn ein Welle das Heck unseres Seekajaks anhebt, ist das das Signal zum Surfen. Zunächst läuft unsere Seekajak geradeaus, dann aber beginnt es entweder nach links oder rechts auszubrechen. Eine sofortige Reaktion unsererseits ist angesagt. Je nach unseren Fähigkeiten, bieten sich folgende Paddeltechniken an, wenn unsere Seekajak (z.B. nach links) ausbrechen will:

 

  1. Sehr kräftig Rundschläge auf der linken Seite: Vielen Kanutinnen und Kanuten fehlt jedoch dabei die Kraft, solche Schläge wirksam durchzuführen. Gelingt es uns jedoch, mit den Rundschlägen links ein Ausbrechen nach links zu verhindern, haben diese Rundschläge einen besonderen Vorteil: Sie beschleunigen das Seekajak, statt es abzubremsen. Gerade wenn Wellen sehr schnell unter unserem Seekajak durchlaufen, erweist sich ein solcher Rundschlag als recht vorteilhaft.

 

  1. Konterschläge (Bremsschläge) auf der rechten Seite: Auf diese Weise schaffen wir es – jedoch nicht immer – recht wirksam, unser Seekajak wieder auf Kurs zu bringen. Leider hat der Konterschlag eine große Bremswirkung, sodass es passieren kann, dass die Surfwelle unter unserem Seekajak durchläuft und somit der Surfvorgang beendet ist. Dennoch gibt es Situation, bei denen es ratsam ist, mit einem Konterschlag zu arbeiten, nämlich dann, wenn wir auf einer hohen Surfwelle surfen, die einen nicht nur mit nimmt, sondern droht, den Bug unseres Seekajaks in die vor uns liegen Welle zu bohren (stechen). Da ein solches Bohren zum Kerzen des Seekajaks oder zum Ausbrechen führen kann, sollten wir mit ein paar Konterschlägen (rechts-links-rechts-links) etwas Fahrt aus unserem Seekajak nehmen, und zwar nur so viel, dass unser Seekajak weiter auf der Surfwelle hängen bleibt.

 

  1. Heckruder auf der rechten Seite: Es handelt sich hier um eine Art paddeltechnisch verfeinerter Konterschlag. Das Paddelblatt wird dabei nicht zum Bremsen, sondern zum Steuern eingesetzt. Es werden dabei zwei Varianten des Heckruders unterschieden, wobei in beiden Fäll der Oberkörper nach rechts gedreht wird, das gesamte Paddel parallel zum Seekajak über dem Wassere gehalten wird  und die rechte Hand das rechte Paddelblatt unter Wasser drückt:

(a) flaches Heckruder: die linke Hand wird recht flach in Höhe der Taille gehalten, wobei der Ellenbogen etwa knapp oberhalb der Hand geführt wird;

(b) hohes Heckruder: die linke Hand wird knapp unterhalb des Kinns gehalten, wobei der Ellenbogen knapp unterhalb der Hand geführt wird.

Der Anfänger macht in der Regel bei einer solchen Paddelführung einen Konterschlag, sofern er mit der rechten Hand versucht, das im Wasser geführte Paddelblatt einfach nach außen, d.h. vom Seekajak weg, zu drücken.

Der Könner drückt nicht das rechte Paddelblatt weg, sondern er verdreht mit seiner linken Hand den Paddelschaft so, dass sich das Paddelblatt im Wasser ebenfalls verdreht. Wird das Paddelblatt so gedreht, dass das vorbeiströmende Wasser gegen die Paddelblattrückseite strömt, entsteht eine Steuerwirkung, die dazu beitragen, kann, dass unser Seekajak nicht nach links ausbricht.

Der Vorteil des hohen Heckruders besteht nun darin, dass seine Steuerwirkung effizienter ist.

 

  1. Ziehschlag auf der rechten Seite: Ein solcher Ziehschlag erfordert beim Surfen höchste Beherrschung des Seekajak (es ist nämlich auf der linken Seite zu kanten, damit die Steuerwirkung des Ziehschlags möglichst effizient wirken kann) und des Paddels, sonst ist eine Kenterung nicht auszuschließen.

 

Übrigens, gelingt es uns nicht, unser Seekajak am Ausbrechen zu hindern, ist es wichtig, dass wir möglichst bald mit unserem Paddel auf jener Seite (in obigen Fall: linke Seite), stützen (hier: flache oder hohe Stütze), zu der unser Seekajak ausbrechen will. Anderenfalls könnte es passieren, dass das Heck unseres Seekajaks insbesondere beim Konterschlag bzw. Heckruder über unser Paddel  stolpert, was unverzüglich zu einer Kenterung führen würde.

 

Eine Erläuterung darüber, was alles bei der Anwendung des Heckruders zu beachten ist, finden wir in einem SEA KAYAKER-Beitrag (June 2006, S.36-40) von Brian Day:

 

„The High Stern Rudder“

 

Zur Veranschaulichung werden insgesamt 6 Fotos gezeigt.

 

Text: Udo Beier – www.kanu.de/kueste/