04.11.2006 Seenotfall vor Anglesey (Wales) (Ausbildung)

 

In BBC NEWS wird von einem Seenotfall berichtet, der sich westlich von Holyhead (Anglesey) zwischen North und South Stack ereignet hat.

 

Eine Gruppe von 19 Küstenkanuwanderern geriet in schwieriges Stromkabbelung (tidal races). Vier kenterten dabei. Als der Wiedereinstieg im Seegang misslang und der Kontakt zum eigenen Seekajak verloren ging, wurde eine orangene Rauchfackel gezündet. Darauf sendete ein Kanute, der sich noch in seinem Seekajak befand, per Ukw-Sprechfunkgerät „Mayday“. Die Coast Guard schickte sofort vier Seenotrettungsboote und einen Rettungshubschrauber zum Ort des Seenotfalls.

 

Die Rettungsaktion wurde erschwert, da sich drei Gruppen gebildet hatten, die weit verstreut auf dem Wasser paddelten; denn die Rettungskräfte mussten bei jeder einzelnen Person prüfen, ob sie noch in der Lage war, ohne Hilfe an Land zu kommen.

 

Die Rettungsaktion lief erfolgreich ab. Zwei Kanuten mussten jedoch wegen Unterkühlung ärztlich versorgt werden.

 

„All’s well, that ends well.”

 

Die Seenotretter haben diese Aktion mit “Gelassenheit” zur Kenntnis genommen: „Accidents do happen and I think that what was happened today.“ (so Andy Caroll, coastguard watchmanager). Kenterungen auf dem Meer passierten in der Vergangenheit und werden auch in der Zukunft immer wieder passieren. So sind bei meiner letzten Tour im September entlang der Seeseite von Spiekeroog von 8 Leuten 6 gekentert, wobei nur einer die Rolle geschafft hat. Das war nur eine nasse, aber keine „schlimme“ Angelegenheit; denn wann lernen wir wo schneller mit unseren Seekajaks im schwierigen Seegang zurechtzukommen als dort im Seegang?! Und wo lernen wir besser unsere Rettungstechniken zu vervollkommnen als nach einer Kenterung im Seegang!? Wir müssen halt nur darauf achten, dass wir nach einer Kenterung und nach Fehlschlagen der Rettungsmethoden in der Lage sind, möglich zügig ans rettende Land zu kommen. Erst wenn letzteres nicht machbar ist, können uns schwierige Gewässerbedingungen echt Schwierigkeiten bereiten. Siehe hierzu den Seenotfall vor Baltrum:

 

è www.kanu.de/nuke/downloads/Seenotfallanalyse-II.pdf

 

Übrigens, das von den Seenotrettern geschilderte Problem, dass die Kanutinnen und Kanuten sich in drei Untergruppen aufgeteilt hatten und dadurch scheinbar weit verstreut auf dem Meer paddelten, ist verständlich aus deren Sicht. Aber aus Sicht des Küstenkanuwanderns ist es nahezu unabdingbar, dass sich eine Gruppe mit 19 Leuten in mindestens 3 Untergruppen aufteilt, und zwar nicht nur, um die Übersicht über die Gruppe nicht zu verlieren, sondern auch um zu verhindern, dass sich die Gruppenteilnehmern im schwierigen Seegang untereinander behindern.

 

Immerhin ist in dem Bericht nicht zu erfahren, ob der annähernden Rettungshubschrauber, dessen Rotorblätter einen Winddruck verursachen können, der etwa Windstärke 9 Bft. entspricht, weitere Leute zum Kentern brachte. Um dem vorzubeugen, ist es – sofern es der Seegang zulässt – ratsam, dass alle Gruppenteilnehmer Päcken zu 2 bis 3 Seekajaks bilden; denn dem Rettungshubschrauber wegzupaddeln ist nicht möglich, da dieser sich ja die fliegenden Seenotretter davon überzeugen muss, ob jede einzelne Kanutin und jeder einzelne Kanute noch seetüchtig ist, d.h. keiner Hilfe bedarf.

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Link: http://news.bbc.co.uk/go/pr/fr/-/1/hi/wales/north_west/6117060.stm