01.04.2007 Seegangspaddeln (Ausbildung)

 

Im SEA KAYAKER gibt Matt Strickland in dem Beitrag:

 

„Working with Waves“

 

ein paar Tipps zum Paddeln bei Seegang. Z.B.:

 

Gegen-Wind-Kurs („Head-On Seas“):

1. Paddle hart, wenn es die Welle hinauf geht. Der Bug zeigt dabei Richtung Wellenkamm.

2. „Take it easy“, wenn es die Welle hinunter geht. Der Bug zeigt dann Richtung Wellental.

3. Atme mit dem Seegang: Einatmen, wenn es hoch geht; ausatmen, wenn es hinunter geht.

4. Wenn es hoch zum Wellenkamm geht und darüber, lege Dich nach vorne, damit der Bug möglichst tief liegt und nicht vom Wind gepackt wird.

5. Lege Dich zurück, wenn es Richtung Wellental geht.

6. Geht es durch einen Brecher, lege Deinen Oberkörper nach vorne und stecke das Paddelblatt in die ankommende Welle …

(Anmerkung U.B.: … und setze so zum Paddelschlag an, dass das Paddelblatt den Brecher daran hindert, Dich samt Kajak allzu weit nach hinten mitzunehmen! Verhalte Dich auch so, wenn Du durch die Brandung hinauspaddeln möchtest.)

7. Sollten gerade beim Starten durch die Brandung die Brecher zu hoch sein, sei Dir bewusst, dass die Wellen in Gruppen heranrauschen. D.h. nach einer Gruppe höherer Wellen kommt immer auch eine Gruppe niedriger Wellen.

 

Seegang kommt von der Seite („Swell Coming from the Side“):

1. Bleibe relaxed. Jede Anspannung lässt Dein Kajak kipplig erscheinen.

2. Schau stets nach vorne. Achte nur mit den Ohren, was um Dich herum passiert, bzw. achte darauf, wie Dein Kajak sich verhält. D.h. Schau nicht hinüber zu den ankommenden Wellen. Du wirst es schon hören, wenn eine große Welle anfängt zu brechen. Die Wellen zu beobachten, macht Dich nur nervös.

(Nun, ich selber schau eigentlich fast immer dorthin, woher die Wellen kommen, um entsprechend reagieren zu können: z.B. (a) Tempo machen bzw. Abbremsen, um einem Brecher auszuweichen; (b) zum Brecher hin einzukurven, um ihn etwas von vorn zu nehmen; (c) rechtzeitig hin zum Brecher zu stützen, um nicht von ihm umgeschmissen zu werden.)

3. Paddle ruhig und gelassen.

4. „Don’t worry, be happy!“ Am Anfang ist es etwas ungemütlich im Seegang, aber dann gewöhnst Du Dich schnell daran.

5. Kante Deine Seekajak stets zur Wellenbergseite („Wellenluv“) und paddle so, dass bei Annäherung der Welle das Paddelblatt auf der Bergseite der Welle eingesetzt wird.

6. Ist die Wellen unters Kajak durchgelaufen, kante Dein Kajak auf der anderen Seite, d.h. auf der Bergseite der nun sich entfernenden Welle. Setze dabei das andere Paddelblatt so ein, dass das Paddelblatt auf der Bergseite ins Wasser getaucht wird.

7. Wenn Dir die Welle zu hoch erscheint und zu kräftig bricht, lege dich notfalls Richtung Brecher flach aufs Wasser und halte Dich mit einer hohen Stütze so lange in dieser Position, bis der Brecher etwas an Kraft verloren hat. Richte Dich erst dann wieder auf.

8. Wenn Du nicht vom Brecher seitwärts mitgenommen werden möchtest, nimm Tempo aus Deinem Kajak und lass den Brecher vor Dir vorbeirauschen.

9. Natürlich ist es auch möglich, beim Nahen des Brechers einzuschwenken und gegen den Seegang anzupaddeln. (Siehe Anmerkung zu 2.)

10. D.h. beim Seegang von der Seite ist es wohl wichtig, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Der Kurs selber wird jedoch von den anrauschenden Wellen bestimmt.

 

Achterliche See („Following Seas“):

1. Lass die Wellen für Dich arbeiten.

2. Achte mehr auf Dein Gleichgewicht und Deinen Kurs als auf Dein Tempo.

3. Paddle, wenn das Heck Deines Kajaks von der Welle angehoben wird und es Richtung Wellental geht.

4. Ruhe Dich aus, wenn der Bug Deines Kajaks sich vorn in die Welle bohrt und es Richtung

Wellenkamm geht.

5. Falls zum Kurshalten Steuerschläge erforderlich sind, ist ein „Heckruder-Schlag“ effektiver“ als ein „Bogenschlag“.

6. Wenn Du nicht ins Surfen kommen möchtest, dann paddle etwas schwächer, nimm Fahrt aus Deinem Kajak oder paddle notfalls rückwärts, wenn eine Welle das Heck Deines Kajaks anhebt. Paddle erst dann wieder, wenn die Welle unter Dein Kajak durchgerauscht ist.

7. Wenn Du dagegen Surfen will, dann warte ab, bis das Heck Deines Kajaks von einer ankommenden Welle etwas höher angehoben wird und dann paddle kräftig los.

8. Dabei ist es nicht wichtig, stets nach hinten zu schauen, um sich zu überzeugen, wann die nächste Welle herangerauscht kommt. Vielmehr kannst Du es an der Hebung des Hecks Deines Kajaks erfühlen, ob die nun nahende Welle zum Surfen geeignet ist.

9. Wichtig dabei ist es, dass Du beim Surfen exakt in die Richtung paddelst, wohin „Deine“ Welle rauscht.

10. Will Dein Kajak vom Kurs der Welle abweichen („ausbrechen“), dann führe sofort einen Korrekturschlag aus (z.B. Heckruder). Je stärker Dein Kajak ausbricht, desto schwerer wird es Dir fallen, Dein Kajak wieder zurück auf Kurs zu bringen.

11. Wenn die Welle Dich nicht mitnimmt, vergeude keine Kraft, sondern warte auf die nächste geeignete Welle.

12. Sprinte vor der Welle nicht zu früh los, sonst paddelst Du vor ihr her, ohne dass Du ins Surfen kommst.

13. Wenn Wellen in Gruppen herangerauscht kommen, bietet es sich an, nicht sofort mit der ersten zu surfen, sondern abzuwarten und mit einer der nächsten Wellen zu surfen. Auf diese Weise bleibst Du stets in den Wellen, mit denen Du surfen willst, und eilst ihnen nicht voraus.

14. Surfe nicht direkt hinter einem anderen Paddler her; denn es besteht Kollisionsgefahr.

15. Kurz vor einer Kollision sollte der „Surfer“ kentern, um Fahrt aus seinem Kajak zu nehmen.

 

Zusammenfassung: U.Beier – www.kanu.de/kueste/

Quelle: SEA KAYAKER, Nr. April 2007, S.47-51 – www.seakayakermag.com

Links zum Seegangs- & Brandungspaddeln:

è www.kanu.de/nuke/downloads/Paddeln-Wind&Seegang.pfd

è www.kanu.de/nuke/downloads/Brandungsfahren.pfd

è www.kanu.de/nuke/downloads/Brandungstaktik.pfd

è www.kanu.de/nuke/downloads/Brandungsuebungen-Starkwind.pfd