05.04.2007 Ostern: Kaltwassertüchtig!? (Ausbildung)

 

Für manche Küstenkanuwanderinnen und –wanderer beginnt erst jetzt die Saison. Wenn es hinaus aufs Meer geht, egal ob nun auf die Nord- bzw. Ostsee, sollten wir uns jedoch bewusst sein, dass die Wassertemperaturen entlang der Küste – auch wenn sie in diesem Jahr schon so hoch liegen, wie wir es sonst nur Anfang Mai erleben -  noch unter 10° C liegen werden:

 

www.bsh.de/aktdat/bm/Baden&Meer.htm 

 

D.h. wer in den kommenden Tagen bei einer Tour hinaus aufs Meer allein darauf vertraut,

 

·         dass die Paddeltechnik stimmt („Notfalls verhindere ich mit einer flachen Stütze eine Kenterung!“)

·         bzw. das Glück einen schon nicht verlässt („Warum soll ich denn gerade heute kentern? Ich bin doch die letzten Jahre nie gekentert!“)

 

und

 

·         die Wetterentwicklung unbeachtet lässt („Ja, warum rufen wir nicht einfach via Internet = z.B. www.seewetter.de bzw. Telefon = z.B. 01803-2546088 aktuelle Seewetterinfos ab?“),

·         die Ausrüstung vernachlässigt („Eigentlich gehören Trocki oder Neo, warme Kopfbedeckung, Rettungsweste, griffbereit & wasserdicht verpacktes Handy und natürlich ein seetüchtiges Kajak zur Standard-Kaltwasser-Küstenausrüstung!“),

·         und alles auf eine Karte setzt („In der Tat, ‚Allein meckert nicht!’, aber Schutz bietet nur die Gruppe!“),

 

sollte sich bewusst sein, dass bei einer Kenterung in 10° kaltes Wasser Folgendes eintreten kann:

(siehe hierzu auch: www.kanu.de/nuke/downloads/Gefahr-Unterkuehlung.pdf )

 

1.      Kälteschock: Unmittelbar nach der Kenterung geraten wir in Atemnot (d.h. wir können nicht mehr Rollen, sondern müssen sofort aussteigen) bzw. holen unkontrolliert tief Luft (Hecheln) (d.h. schlucken dabei sofort Wasser und sind anschließend handlungsunfähig) bzw. verlieren unter Wasser unser Gleichgewichtsgefühl (d.h. wir können unser Paddel zum Rollen nicht in Position bringen! Und nach dem dann fälligen Ausstieg aus der Sitzluke tauchen wir u.U. ab statt auf!).

2.      Unterkühlung: Spätestens nach 10 Minuten im Wasser sind wir nicht mehr in der Lage zu schwimmen bzw. zurück ins Seekajak zu klettern, unsere Spritzdecke zu schließen und allein weiter zu paddeln, da allmählich unsere Kräfte schwinden, unsere Feinmotorik versagt, unser Reaktionsvermögen sich verlangsamt, unsere Orientierungsfähigkeit nachlässt und unser Urteilsvermögen beeinträchtigt ist.

3.      Überleben: Die „erwartete Überlebenszeit“ einer leicht bekleideten, untrainierten Person liegt je nach Typ so zwischen 1:45 und 2:50 Std. (= schnell auskühlende Person) bzw. 2:505:40 Std. (= langsam auskühlende Person). Ein Neo erhöht dabei die Überlebenschancen um mehr als das 3,5-fache und ein Trockenanzug um fast das 7-fache!

 

Übrigens, diese drei Auswirkungen können noch dadurch beschleunigt werden, wenn wir:

 

·         zuvor durch eine Krankheit geschwächt waren,

·         uns durch stundenlange Paddelei überanstrengt haben,

·         unterwegs es versäumt haben, unseren „Tank“ zu füllen, d.h. genügend zu essen und zu trinken (Übrigens, Ostereier mit Alkoholfüllung wirken kontraproduktiv!)

·         durch den Wind ausgekühlt wurden (z.B. wird +10° C warme Luft bei einem 5 Bft. Wind wie 0° C kalte Luft empfunden).

 

Apropos Ostern, wer noch nicht weiß, was er auf den nächsten Weihnachtswunschzettel setzt - Ostern dürfen wir uns ja höchstens gutes Paddelwetter wünschen – sollte unbedingt eine Rettungsweste mit aufführen. Bei 10° C Wassertemperatur erhöht sie die „Überlebenszeit bei 50%-iger Überlebensrat“ um über das 3-fache

 

Text: U.Beier – www.kanu.de/kueste/