09.09.2007 Bug-Rollen-Rettung (Ausbildung)

 

Im SEA KAYAKER stellt John Martin in dem Beitrag:

 

„Bow Roll Rescue“

 

eine neue Rettungsmethode vor, die nach einer Kenterung ohne Ausstieg anzuwenden ist.

 

Bislang bot sich dafür die „Eskimo-Rettung“ an, bei der der „Kenterbruder“ nach einer Kenterung in seinem Seekajak sitzen bleibt und wartet, bis sein Retter mit Kajak zu ihm hinübereilt, und zwar so, dass der „Kenterbruder“ sich irgendwo am Kajak des Retters (z.B. Bug oder Flanke) wieder hoch in die aufrechte Lage ziehen kann.

 

Bei der „Bug-Rollen-Rettung“ eilt nun der Retter mit seinem Kajak zum Bug des Kajaks des „Kenterbruders“, der nach seiner Kenterung ebenfalls unter Wasser in seinem Kajak sitzen geblieben ist, und nun darauf wartet, gerettet zu werden. Der Retter packt den Bug des gekenterten Kajaks und dreht den Bug mit ein paar Griffen, die gezielt die Hebelwirkung der Arme ausnutzen, so herum, dass das Kenterkajak um seine Längsachse dreht, bis dass der „Kenterbruder“ wieder aufrecht im seinem Kajak sitzt.

 

In dem Beitrag werden die einzelnen Griffe, die der Retter am Bug des Kenterkajaks ansetzen muss, um den „Kenterbruder“ wieder hochzurollen, mit Text und Bild erläutert. Weitere Infos hierzu finden wir auf der Homepage:

 

è www.bowrollrescue.com bzw. www.seakayakermag.com

 

Leider wird nur so ganz nebenbei in einem Foto gezeigt, wie bei der Rettungsaktion sich der „Kenterbruder“ zu verhalten hat, nämlich er muss – wie bei der Eskimorolle - beim Hochdrehen durch den Retter versuchen, seinen Schwerpunkt möglichst dicht über sein Kajak legen (z.B. indem er sich weit nach vorne beugt oder weit nach hinten legt).

 

Quelle: SEA KAYAKER, No. Oct. 2007, S.44-49 – www.seakayakermag.com

 

Anmerkung U.B.:

Ob die „Bug-Rollen-Rettung“ wirklich – wie es der Autor behauptet - leichter funktioniert als die „Eskimo-Rettung“, möchte ich bezweifeln. M.E. kann Seegang nicht nur die Ausführung der „Eskimo-Rettung“, sondern auch die der „Bug-Rollen-Rettung“ behindern.

Dennoch sollten wir beide Rettungsmethoden üben und den angehenden „Kenterbrüdern“ zu verstehen geben, dass je nach Situation entweder die eine oder andere Methode angewendet werden kann.

Am besten vorbereitet ist ein „Kenterbruder“ dann auf beide Methoden, wenn er nach einer Kenterung sich nach vorne beugt, seine Hände um den Rumpf seines Seekajaks legt und auf Rettung wartet: d.h. entweder wird er anschließend durch einen Retter hochgedreht (hier: „Bug-Rollen-Rettung“) bzw. ihm bietet der Retter seine Bootsflanke, an der er sich dann selber hochziehen kann (hier: „Eskimo-Rettung“).

Übrigens, werden beide Rettungsmethoden nicht vorher geübt, wird kaum eine Chance bestehen, diese erfolgreich einzusetzen, da in beiden Fälle der „Kenterbruder“, der nicht rollen kann, gleich nach seiner Kenterung aussteigen wird. Steigt er jedoch aus irgendeinem Grund nicht aus (z.B. Panik, Schock; Bewusstlosigkeit; Spritzdecke lässt sich nicht öffnen), haben wir jedoch u.U. mit der „Bug-Rollen-Rettung“ eine größere Chance, den Kenterbruder hochzudrehen. Da diesem jedoch mangels vorherigem Training nicht bewusst ist, während der „Rollphase“ seinen Oberkörper weit nach vorne oder nach hinten zu legen, wird der Retter große Probleme haben, den „Kenterbruder“ hochzudrehen. Aber vielleicht genügt es ja auch, ihn nur wieder an die Wasseroberfläche zu drehen, sodass z.B. ein zweiter Retter sein Kajak parallel zum Kenterkajak legen und den „Kenterbruder“ hochziehen bzw. an der Wasseroberfläche solange halten kann, bis weitere Retter zu Hilfe kommen.