09.12.2007 Beim Solo-Paddeln tödlich verunglückt (Ausbildung)

 

Im SEA KAYAKER berichtet Steve Holtzmann in dem Beitrag:

 

„A Southern California Tragedy

 

über ein tödlich endenden Seenotfall.

 

Das Unglück ist schnell erzählt:

 

Len Goodman (76), ein Küstenkanuwanderer mit 20-jähriger Paddelerfahrung, amtierender Präsident des Kanuvereins „California Kayak Friends“, plante mit seinen Freunden entlang der pazifischen Küste zu paddeln. Da sein Auto nicht anspringen wollte, signalisierte er seinen Freunden, schon einmal los zu paddeln. Er paddle halt dann alleine.

 

Len war eigentlich sehr sicherheitsbewusst, trug stets eine Rettungsweste, aber beteiligte sich nur sehr selten an Rettungsübungen, da er als „dünner Hering“ trotz Neo-Anzug, der jedoch etwas zu groß war, immer sehr schnell fror.

 

Er startete frühmorgens an einem Märztag bei blauem Himmel, relativ flacher See und Windstille. Nach 9 Uhr fing jedoch – wie vom Wetterbericht angekündigt – der Santa-Ana-Wind an zu blasen, ein berüchtigter warmer, bis auf 6 Bft. ansteigender ablandiger Wind. Da es bei Santa-Ana-Bedingungen immer sehr warm war und wegen der ablandigen Bedingungen stets nur wenig Seegang herrschte und die Windprognose meist höher war, als der tatsächlich zu beobachtende Wind, schenkten die meisten Küstenkanuwanderer dieser Gegend einer solchen Windprognose wenig Beachtung.

 

An diesem Tag aber wehte es plötzlich tatsächlich mit 5 – 6 Bft. und in Böen mit 7-8 Bft. Das war wohl zuviel Wind. Um 15.00 Uhr wurde 6,5 km von der Küste entfernt das gekenterte Seekajak von Len entdeckt. Len selber wurde wenig später 4,5 km gefunden. Leblos trieb sein Körper auf dem Wasser. Als er im Krankenhaus eingeliefert wurde, betrug seine Körperkerntemperatur ca. +28° C. Um 22 Uhr wurde die Wiederbelegung eingestellt.

 

Übrigens, am geborgenen Seekajak befand sich noch das mit einer Sicherungsleine befestigte Paddel, auf dessen Paddelblatt ein aufgeblasenes Paddelfloat steckte.

 

Len selber rollte nicht. Eigentlich konnte er nur – wenn auch nur bedingt und erst recht nicht bei Seegang - den Paddelfloat-Wiedereinstieg, den er jedoch nicht sehr häufig übte. Er verfügte wohl über ein UKW-Sprechfunkgerät, das aber schon seit 1 Jahr nicht mehr funktionierte. In der Regel hatte er stets in einem wasserdichten Sack, der hinter dem Sitz verstaut war, ein Handy. Der Sack wurde jedoch nicht gefunden, ging wahrscheinlich nach der Kenterung sofort verloren.

 

Hätte, ja hätte, Len die Rolle beherrscht bzw. wäre er mit einem Trockenanzug sowie einem wasserdicht verpacktem & griffbereit verstautem Handy oder gar einer Seenotbake ausgerüstet gewesen bzw. hätten seine Freunde ihn nicht solo paddeln lassen, dann könnte er heute noch leben und bald seinen 77sten Geburtstag feiern.

 

Quelle: SEA KAYAKER, Nr. Dec. 2007, S.38-41 – www.seakayakermag.com