19.03.2008 Aktueller Wasserstand nach „12er-Regel“ (Ausbildung)

 

Die „12er-Regel“ ist eine „Daumenregel“, mit der die Höhe des Wasserstandes bei Gezeitengewässern näherungsweise ermittelt werden kann. Sie wird hauptsächlich angewandt, um herauszubekommen, von wann bis wann eine bestimmte Wattfläche unter Wasser liegt bzw. mit einem Boot überfahren werden kann.

 

Sie setzt die Kenntnis folgender Daten voraus:

 

  • Hochwasserzeit (HWZ),
  • Mittleres Hochwasser über Seekartennull (MHW/SKN),
  • Mittler Tidenhub (MTH),
  • Watthöhe (= trockenfallende Höhe über SKN / z.B. 17 = 1,70 m)
  • und: gewünschten Wassertiefe über Grund (= ca. 0,50 m bei Seekajaks).

 

Mit Hilfe der „12er-Regel“ können wir für eine ausgesuchte Wattfläche - die wir überfahren möchten - ermitteln, von wie viel Stunden vor HWZ bis wie viel Std. nach HWZ mindestens dieser gewünschte Wasserstand theoretisch gewährleistet ist.

 

Bei der „12er-Regel“ wird der „Mittlere Tidenhub“ (MTH) in 12 Abschnitte (1/12MTH) unterteilt. Die Berechnung des Wasserstandes wird i.d.R. vom „Mittlerem Hochwasser“ (MHW) aus gestartet, um herauszubekommen, um wie viel Meter jede Stunde das Wasser sinkt und wie hoch der dazugehörige Wasserstand ist (sog. „Abwärtsrechnung“).

 

Übrigens, es ist durchaus möglich, auch eine „Aufwärtsrechnung“ durchzuführen. Hier wird die Berechnung des Wasserstandes vom „Mittlerem Niedrigwasser“ (MNW) aus gestartet. Da von der gewünschten trockenfallenden Wattenhöhe jedoch i.d.R. das MNW unbekannt ist, bietet sich die „Abwärtsrechnung“ an.

 

Für das hier gewählte Rechenbeispiel gelten folgende Daten:

 

HWZ = 12.00 Uhr

MHW = 2,70 m;

MTH = 2,40 m mit 1/12 MTH = 0,20 m

Watthöhe = 14 = 1,40 m (= Trockenfallende Höhe über Seekartennull (SKN))

geforderter Mindestwassertiefe für Seekajaks = 0,50 m

è geforderter Wasserstand = 1,90 m = 1,40 m + 0,50 m.

 

Bei der „12er-Regel“ wird davon ausgegangen, dass in der:

 

1. Std. vor/nach HWZ der Wasserstand mit 1/12 MTH unter MHW liegt;

2. Std. vor/nach HWZ der Wasserstand um weitere 2/12 MTH fällt;

3. Std. vor/nach HWZ der Wasserstand um weitere 3/12 MTH fällt;

4. Std. vor/nach HWZ der Wasserstand um weitere 3/12 MTH fällt;

5. Std. vor/nach HWZ der Wasserstand um weitere 2/12 MTH fällt;

6. Std. vor/nach HWZ der Wasserstand um weitere 1/12 MTH fällt.

 

Siehe hierzu auch die „Tidenleiter“ in der Tab. 1 (Spalten 2-4).

 

Tab.1: Anwendungsbeispiel „12er-Regel“ (Rechenbeispiel)

Std.

vor/nach

Hoch-

Wasser

(HWZ)

 

 

„12er-Regel“

eine

„Tidenleiter“

mit 12 Sprossen

 

Rechenbeispiel:

MHW=2,70m; MTH = 2,40m; 1/12MTH=0,20m

 

stündliche

Wasser-

stands-

veränderung

 

tatsächlicher

Wasserstand

x Std.

vor HWZ

(um 12.00 Uhr)

Watthöhe

plus

0,50 m

Wasser

= #

HWZ

Mittleres Hochwasser

(MHW SKN)

(2,60 m)

1/12MTH

=

0,20 m

 

MHW

= 2,70 m

um 12.00 Uhr

 

+/-1 Std.

1/12

1/12

é

é

é

é

 

Mittlerer

Tidenhub

(MTH)

 

ê

ê

ê

ê

0,20 m

 

2,50 m

um 11.00 Uhr

 

 

 

# =1,90m

 

 

14=1,4 m

---------------

Watt-

fläche

ist ab ca.

2:20 Std.

vor bis

2:20 Std.

nach HWZ

(9.40-14.20)

befahrbar!

+/-2 Std.

1/12

 

2/12

0,40 m

 

2,10 m

um 10.00 Uhr

1/12

 

+/-3 Std.

1/12

 

3/12

 

0,60 m

 

 

1,50 m

um 09.00 Uhr

1/12

1/12

 

+/-4 Std.

1/12

 

3/12

 

0,60 m

 

 

0,90 m

um 08.00 Uhr

1/12

1/12

+/-5 Std.

1/12

 

2/12

 

0,40 m

 

0,50 m

um 07.00 Uhr

1/12

+/-6 Std.

1/12

1/12

0,20 m

 

0,30 m

um 06.00 Uhr

NWZ

Mittleres Niedrigwasser

(MNW SKN)

(0,20 m)

 

 

MNW SKN

(Ist i.d.R. für Wattflächen unbekannt!)

 

                                             Seekartennull (SKN) (mit LAT ≈ MSpNW – 0,5 m)

                                                            =

Lowest Astronomical Tide (LAT)   oder   Mittleres Springniedrigwasser (MSpNW)

(Seekarte Nr. 89: Ostfriesland)                            (Seekarte Nr. 107: Nordfriesland)

UB 3/08

 

Um den aktuellen Wasserstand einer bestimmten Region z.B. 2 Std. vor HWZ zu ermitteln, gehen wir wie folgt vor:

 

  1. entnehmen wir dem Gezeitenkalender die Werte für HWZ (z.B. 12.00 Uhr), MHW (z.B. 2,70 m) und MTH (z.B. 2,40 m),
  2. errechnen wir 1/12 von MTH (= 0,20 m) und
  3. ermitteln wir dann gemäß der „12er-Regel“ die Wasserstandsveränderung für jede Stunde und den dazugehörigen tatsächlichen Wasserstand (s. Tab. 1 (5. u. 6. Spalte).

 

Aus Tab. 1 (6. u. 7. Spalte) können wir ersehen, dass die ausgewählte Wattfläche von 8.5015.10 Uhr unter Wasser liegt:

  • die Watthöhe von 1,40 m ab 3:10 Std. vor HWZ (= 8.50 Uhr) anfängt, unter Wasser zu stehen,
  • der höchste Wasserstand während der HWZ (= 12.00 Uhr) erreicht wird
  • und – da die Wasserstandsveränderungen bei auflaufendem und ablaufendem Wasser gleich sind, d.h. relativ symmetrisch verlaufen – dass diese Watthöhe 3:10 Stunden später (= 15.10 Uhr) beginnt, wieder trocken zu fallen.

 

Weiterhin können wir der Tab. 1 (6. u. 7. Spalte) entnehmen, dass die ausgewählte Wattfläche von 9.4014.20 Uhr überfahren werden kann, d.h. dass der geforderte Wasserstand von 0,50 m über Grund (è 1,90 m = 1,40 m Watthöhe+ 0,50 m) ca. 2:20 Std. vor HWZ (= 9.40 Uhr) erreicht wird und letztlich bis ca. 2:20 Std. nach HWZ (= 14.20 Uhr) gewährleistet bleibt.

 

Beispiel: Nordfriesisches Wattenmeer (26.7.08)

 

Im Wattengebiet zwischen Amrum-Odde und Föhr (West) ist am 26.7.08 auf der zu überfahrenden Wattfläche um 19.15 Uhr Hochwasser. (≈ HWZ Amrum-Odde). Für diese Region gelten folgende Daten:

 

HWZ = 19.15 (26.7.08)

MHW ≈ 2,20 m (= MHW Amrum-Odde SKN-MSpNW);

(im Gezeitenkalender wird dieses MHW mit 2,70 m angegeben (= MHW SKN-LAT)!)

MTH ≈ 2,10 m (= MTH Amrum-Odde) mit 1/12 MTH = 0,175 m

Watthöhe = 15 = 1,50 m (= Trockenfallende Höhe über Seekartennull (SKN-MSpNW))

(in der Seekarten werden die Watthöhen noch auf SKN-MSpNW bezogen!)

geforderter Mindestwassertiefe für Seekajaks = 0,50 m

è geforderter Wasserstand = 2,00 m = 1,50 m + 0,50 m.

 

Der Tab. 2 (6. u. 7. Spalte) können wir entnehmen, dass:

  • die Watthöhe von 1,50 m ab ca. 2:10 Std. vor HWZ (= 17.05 Uhr) anfängt, unter Wasser zu stehen,
  • der höchste Wasserstand während der HWZ (= 19.15 Uhr) erreicht wird
  • und – da die Wasserstandsveränderungen bei auflaufendem und ablaufendem Wasser gleich sind, d.h. relativ symmetrisch verlaufen – diese Watthöhe ca. 2:10 Stunden später (= 21.25 Uhr) beginnt, wieder trocken zu fallen.

 

Weiterhin können wir der Tab. 2 (6. u. 7. Spalte) entnehmen, dass die ausgewählte Wattfläche von 18.1520.15 Uhr überfahren werden kann, d.h. dass der geforderte Wasserstand von 0,50 m über Grund (è 2,00 m = 1,50 m Watthöhe + 0,50 m) ca. 1 Std. vor HWZ (=18.15 Uhr) erreicht wird und letztlich bis 1 Std. nach HWZ (= 20.15 Uhr) gewährleistet bleibt

 

Tab.2: Anwendungsbeispiel „12er-Regel“ (Nordfriesland) (26.7.08)

Std.

vor/nach

Hoch-

Wasser

(HWZ)

 

 

„12er-Regel“

eine

„Tidenleiter“

mit 12 Sprossen

 

Bespiel: Amrum-Odde / Föhr (West)

HWZ=19.15 Uhr; MHW=2,20m; MTH = 2,10m; 1/12MTH=0,175m

 

stündliche

Wasser-

stands-

veränderung

 

tatsächlicher

Wasserstand

x Std.

vor HWZ

(um 19.15 Uhr)

Watthöhe

plus

0,50 m

Wasser

= #

HWZ

Mittleres Hochwasser

(MHW SKN)

1/12MTH

=

0,175 m

 

MHW

= 2.20 m

um 19.15 Uhr

 

+/-1 Std.

1/12

1/12

é

é

é

é

 

Mittlerer

Tidenhub

(MTH)

 

ê

ê

ê

ê

0,175m

 

2,025 m

um 18.15 Uhr

#=2,00 m

 

15=1,5 m

---------------

Watt-

fläche

ist erst

ab ca.

1:00 Std. vor bis

1:00 h nach HWZ

(18.15-20.15)

befahrbar!

+/-2 Std.

1/12

 

2/12

0,350 m

 

1,675 m

um 17.15 Uhr

1/12

 

+/-3 Std.

1/12

 

3/12

 

0,525 m

 

 

1,15 m

um 16.15 Uhr

1/12

1/12

 

+/-4 Std.

1/12

 

3/12

 

0,525 m

 

 

0,625 m

um 15.15 Uhr

1/12

1/12

+/-5 Std.

1/12

 

2/12

 

0,350 m

 

0,257 m

um 14.15 Uhr

1/12

+/-6 Std.

1/12

1/12

0,175 m

 

0,10 m

um 13.15 Uhr

NWZ

Mittleres Niedrigwasser

(MNW SKN)

 

 

MNW SKN

(Ist i.d.R. für Wattflächen unbekannt!)

 

                                             Seekartennull (SKN) (mit LAT ≈ MSpNW – 0,5 m)

                                                            =

Lowest Astronomical Tide (LAT)   oder   Mittleres Springniedrigwasser (MSpNW)

(Seekarte Nr. 89: Ostfriesland)                            (Seekarte Nr. 107: Nordfriesland)

UB 3/08

 

Beispiel: Ostfriesisches Wattenmeer (22.5.08)

 

Im Wattengebiet zwischen Spiekeroog und Festland ist auf dem Wattenhoch der „Muschelbalje“ („Alte Harle“-Wattfahrwasser) am 22.5.08 um ca. 14.47 Uhr Hochwasser (≈ HWZ Harlesiel). Für diese Region gelten folgende Daten:

 

HWZ = ca. 14.47 Uhr (22.5.08)

MHW ≈ 3,40 m (mit MHW Harlesiel = 3,50);

MTH ≈ 2,90 m (mit MTH Neuharlingersiel = 2,90 m) mit 1/12 MTH = 0,24 m

Watthöhe = 07 = 0,70 m (= Trockenfallende Höhe über Seekartennull (SKN-LAT))

geforderter Mindestwassertiefe für Seekajaks = 0,50 m

è geforderter Wasserstand = 1,20 m = 0,70 m + 0,50 m.

 

Der Tab. 3 (6. u. 7. Spalte) können wir entnehmen, dass:

  • die Watthöhe von 0,70 m ab ca. 5 Std. vor HWZ (= 9.47 Uhr) anfängt, unter Wasser zu stehen,
  • der höchste Wasserstand während der HWZ (= 14.47 Uhr) erreicht wird
  • und – da die Wasserstandsveränderungen bei auflaufendem und ablaufendem Wasser gleich sind – diese Watthöhe ca. 5 Stunden später (= 19.47 Uhr) beginnt, wieder trocken zu fallen.

 

Weiterhin können wir der Tab. 3 (6. u. 7. Spalte) entnehmen, dass die ausgewählte Wattfläche von 10.4718.47 Uhr überfahren werden kann, d.h. dass der geforderte Wasserstand von 0,50 m über Grund (è 1,20 m = 0,70 m Watthöhe + 0,50 m) ca. 4 Std. vor HWZ (=10.47 Uhr) erreicht wird und letztlich bis ca. 4 Std. nach HWZ (= 18.47 Uhr) gewährleistet bleibt.

 

Tab. 3: Anwendungsbeispiel „12er-Regel“ (Ostfriesland) (22.5.08)

Std.

vor/nach

Hoch-

Wasser

(HWZ)

 

 

„12er-Regel“

eine

„Tidenleiter“

mit 12 Sprossen

 

Bespiel: Wattenhoch Muschelbalje

HWZ=14.47 Uhr; MHW=3,40m; MTH = 2,90m; 1/12MTH=0,24m

 

stündliche

Wasser-

stands-

veränderung

 

tatsächlicher

Wasserstand

x Std.

vor HWZ

(um 14.47 Uhr)

Watthöhe

plus

0,50 m

Wasser

= #

HWZ

Mittleres Hochwasser

(MHW SKN)

1/12MTH

=

0,24 m

 

MHW

= 3.40 m

um 14.47 Uhr

 

+/-1 Std.

1/12

1/12

é

é

é

é

 

Mittlerer

Tidenhub

(MTH)

 

ê

ê

ê

ê

0,24 m

 

3,16 m

um 13.47 Uhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

#=1,20 m

 

 

07=0,7 m

-------------------

Wattfläche

ist schon ab ca.

4 Std. vor bis

4 Std. nach HWZ

(10.47-18.47)

befahrbar!

+/-2 Std.

1/12

 

2/12

0,48 m

 

2,68 m

um 12.47 Uhr

1/12

 

+/-3 Std.

1/12

 

3/12

 

0,72 m

 

 

1,96 m

um 11.47 Uhr

1/12

1/12

 

+/-4 Std.

1/12

 

3/12

 

0,72 m

 

 

1,24 m

um 10.47 Uhr

1/12

1/12

+/-5 Std.

1/12

 

2/12

 

0,48 m

 

0,76 m

um 14.15 Uhr

1/12

+/-6 Std.

1/12

1/12

0,24 m

 

0,52 m

um 13.15 Uhr

NWZ

Mittleres Niedrigwasser

(MNW SKN)

 

 

MNW SKN

(Ist i.d.R. für Wattflächen unbekannt!)

 

                                             Seekartennull (SKN) (mit LAT ≈ MSpNW – 0,5 m)

                                                            =

Lowest Astronomical Tide (LAT)   oder   Mittleres Springniedrigwasser (MSpNW)

(Seekarte Nr. 89: Ostfriesland)                            (Seekarte Nr. 107: Nordfriesland)

UB 3/08

 

Kritische Beurteilung der „12er-Regel“

 

 

1. Die 12er-Regel geht davon aus, dass die Steig- bzw. Falldauer einer Tide 6:00 Std. beträgt. In Wirklich liegt sie bei Ø 6:25 Std. (Z.B. gilt für Norderney jedoch: 5:50 -6:41 h (Zeitraum: 1.-15.5.06!)

 

2. Sie geht davon aus, dass die Wasserstandsveränderung gemäß der Normalverteilung erfolgt. Das braucht jedoch nicht immer zuzutreffen. Gerade im Wattenmeer können sich Veränderungen ergeben.

 

3. Sie arbeitet mit mittleren Gezeitenwerten (hier: MHW u. MTH). In Wirklichkeit schwanken diese Werte. Sie hängen von astronomischen bzw. meteorologischen Gegebenheiten ab (z.B. Spring-/Nipptide, Abstand des Mondes von der Erde bzw. Windstärke/-weg/-dauer/–richtung).

 

4. In die Berechnungen der 12er-Regel geht die „Watthöhe“ (hier: „Trockenfallende Höhe über Seekartennull“) ein. Diese Höhenangabe ist jedoch nur zum Zeitpunkt der Messung aktuell, d.h. schon beim Druck der Seekarte kann sich dieser Wert wieder verändert haben.

 

5. Bei den Berechnungen können wir für eine Wattfläche die Werte für HWZ, MHW und MTH nur durch Interpolation, Vergleich bzw. Schätzung ermitteln, da es i.d.R. für diese Flächen keinen Bezugspunkt im Gezeitenkalender mit entsprechenden Daten gibt.

 

 

Konsequenzen:

Wir sollten wohl mit der 12er-Regel genau kalkulieren, jedoch uns bewusst sein, dass die Resultate nicht ganz genau sind.

 

Das ist aber für das Küstenkanuwandern ohne große Bedeutung, da wir notfalls aus unserem Seekajak aussteigen und es über die Wattfläche ziehen können, vorausgesetzt der Meeresboden lässt dies zu!

 

Exkurs: Durchschnittliche Tidenveränderungsraten gemäß „12er-Regel“ für unterschiedliche Regionen (Basis: MTH):

 

In Anbetracht dessen, dass der tatsächliche Tidenhub vom Mittleren Tidenhub (MTH) abweichen kann und die Tidenkurve nur annäherungsweise dem Verlauf der Normalverteilung entspricht, könnten wir versuchen, für bestimmte Regionen mit einem einheitlichen - d.h. durchschnittlichen - Tidenhub und folglich auch mit einer durchschnittlichen Tidenveränderungsrate gemäß „12er-Regel“ (è Ø 1/12 MTH) zu arbeiten.

 

Für 6 Gebiete des Deutschen Wattenmeeres ist daher jeweils eine solche durchschnittliche Tidenveränderungsrate ermittelt worden. Wird in einem dieser Gebiete gepaddelt, kann bei Rechnung mit der „12er-Regel“ näherungsweise mit jener Veränderungsrate gearbeitet werden, die für das ausgewählte Gebiet ermittelt wurde.

 

Region: Emsmündungsgebiet

Emshörn (MTH = 2,5 m) bis Borkum (MTH = 2,4 m)

è Ø 1/12 MTH ≈ 0,20 m

 

Region: Ostfriesische Inseln und Küste

Juist (MTH = 2,5 m) bis Wangerooge (West) (MTH = 2,9 m)

è Ø 1/12 MTH ≈ 0,23 m

 

Region: Jade-/Wesermündungsgebiet

Wangerooge (Ost) (MTH = 3,0 m) bis Robbensüdstert (MTH = 3,6 m)

è Ø 1/12 MTH ≈ 0,27 m

 

Region: Elbmündungsgebiet

Cuxhaven bis Scharhörn bzw. Trischen (MTH = 3,0 m)

è Ø 1/12 MTH = 0,25 m

 

Region: Nordfriesische Halligen

Hörnum (Sylt) (MTH = 2,0 m) bis Süderoogsand (MTH = 2,9 m)

è Ø 1/12 MTH ≈ 0,20 m

 

Region: Nordfriesische Küste

Dagebüll (MTH = 3,0 m) bis Nordstrand (MTH = 3,3 m)

è Ø 1/12 MTH ≈ 0,26 m

 

Tipp für Rechenfaule:

Wem das immer noch zu umständlich ist, der möge einfach bei Touren im deutschen Wattenmeerrevier mit:

 

è Ø 1/12 MTH ≈ 0,25 m

 

arbeiten.

…. die ganze Rechnerei sieht dann am Beispiel von Neuwerk so aus: Wieviel Stunden vor HW kann ich vom Neuwerkloch kommend im Süden von Neuwerk per Seekajak anlanden, wenn die folgenden Daten gelten:

  • MHW Neuwerk = 3,7 m;
  • max. Watthöhe vor Neuwerk (Süd) = 22 m;
  • geforderter Wasserstand = min. 0,50 m über 2,20 m = 2,70 m

è Wasserstand:

1. Std. vor HWZ = 3,7-0,25=3,45 m;

2. Std. vor HWZ = 3,45-0,50 = 2,95 m.

D.h. gut 2 Stunden vor HWZ müsste es uns möglich sein, im Süden von Neuwerk z.B. am Seglerhafen von Neuwerk (z.B. Badetreppe) anzulanden.

 

 

*** * ***

 

Tabellen-Formular: „12er-Regel“

Std.

vor/nach

Hoch-

Wasser

(HWZ)

 

 

„12er-Regel“

eine

„Tidenleiter“

mit 12 Sprossen

 

Bespiel: Wattenhoch Muschelbalje

HWZ= ….… Uhr; MHW= …….m; MTH = ……..m; 1/12MTH= …….m

 

stündliche

Wasser-

stands-

veränderung

 

tatsächlicher

Wasserstand

x Std.

vor HWZ

(um ………. Uhr)

Watthöhe

plus

0,50 m

Wasser

= #

HWZ

Mittleres Hochwasser

(MHW SKN)

1/12MTH

=

…… m

 

MHW

= …… m

um …… Uhr

 

+/-1 Std.

1/12

1/12

é

é

é

é

 

Mittlerer

Tidenhub

(MTH)

 

ê

ê

ê

ê

…… m

 

…… m

um …… Uhr

 

+/-2 Std.

1/12

 

2/12

…… m

 

…… m

um …… Uhr

1/12

 

+/-3 Std.

1/12

 

3/12

 

…… m

 

 

…… m

um …… Uhr

1/12

1/12

 

+/-4 Std.

1/12

 

3/12

 

…… m

 

 

…… m

um …… Uhr

1/12

1/12

+/-5 Std.

1/12

 

2/12

 

…… m

 

…… m

um …… Uhr

1/12

+/-6 Std.

1/12

1/12

…… m

 

…… m

um …… Uhr

NWZ

Mittleres Niedrigwasser

(MNW SKN)

 

 

MNW SKN

(Ist i.d.R. für Wattflächen unbekannt!)

 

                                             Seekartennull (SKN)

                                                            =

Lowest Astronomical Tide (LAT)   oder   Mittleres Springniedrigwasser (MSpNW)

(Seekarte Nr. 89: Ostfriesland)                            (Seekarte Nr. 107: Nordfriesland)

UB 3/08