03.06.2008 Kenterung auf dem Vänern-See (Schweden) (Ausbildung)

 

In KANU MAGAZIN berichtet Johann Brundell in dem Beitrag:

 

„Tödliche Kenterung. Chronik einer vorhersehbaren Tragödie“

 

über zwei Kenterungen auf dem ca. +2° C kalten, teilweise mit Eisschollen versetzten Vänern und ihren Folgen.

 

Zwei Leistungssportler (28 u. 36 Jahre alt), die zugleich auch erfahrene Wildwasserfahrer waren, paddelten in geliehenen, nicht für rauen Seegang geeigneten Trainingsrennbooten („Struer Fanger“) (520 cm lang und 52 cm breit, unabgeschottet, Spitzenbeutel nicht voll aufgeblasen, keine Rettungshalteleinen, Spritzdecke ohne festen Sitz, Sitzluken (97x40 cm) wenig zum Rollen geeignet). Gepaddelt wurde mit Wingpaddel.

 

Der 28jährige trug u.a. einen, jedoch nur halb hochgezogenen Long John (6 mm) plus Regenjacke. Der 36jährige trug u.a. eine 6 mm-Neohose. Beide waren mit Schwimmwesten ausgerüstet. Die Reservekleidung wurde in einem wasserdurchlässigen Rucksack hinter dem Sitz verstaut.

 

Die Lufttemperaturen lagen bei +6° C und der Wind blies mit 3 Bft. Gepaddelt werden sollte ca. 30 km.

 

Beim Surfen kenterte der 36jährige. Nachdem der Wiedereinstieg nicht gelang, hielt der Kenterbruder sich am Kajak seines Mitpaddlers fest und ließ sich Richtung einer nahe gelegenen Insel schleppen. Nach ca. 5 Minuten schwanden die Kräfte und der Kenterbruder begann zusammenhanglos zu reden. Beim Hochklettern aufs Heck des Mitpaddlers kenterte auch dieser. Auf einen Wiedereinstieg wurde verzichtet. Beide schwammen – ein Kajak fest im Griff – in Richtung Land.

 

Eine Stunde nach der ersten Kenterung erreichen sie eine kleine Insel. Der Kenterbruder war handlungsunfähig. Sein Mitpaddler versucht erst an Land, per Handy einen Notruf abzugeben. Jedoch war dies nicht so einfach; denn dessen Hände waren so kalt und gefühllos, dass es ihm zunächst nicht gelang, das Handy zu bedienen. Erst als sich der 28jährige ein Stück Holz in den Mund steckte, gelang es ihm, mit dem Stöckchen die Tasten des Handys zu bedienen und den Notruf auszulösen. Leider war die Positionsangabe etwas ungenau. Außerdem war plötzlich der Akku des Handys erschöpft, sodass sie nicht sofort gefunden werden konnten.

 

1 1/I2 Stunde nach dem Notruf trafen Retter ein. 30 Minuten danach wurde der 36jährige mit einer Körperkerntemperatur von 25° C in ein Krankhaus eingeliefert und verstarb 10 Stunden später an den Folgen der Unterkühlung.

 

Quelle: KANU MAGAZIN, Nr. 4/08, S.42-46 – www.kanumagazin.de