16.11.2008 Nachtfahrt: Kollision mit einem Powerboat (Ausbildung)

 

Im SEA KAYAKER berichten Jasmin Verrier und Craig Jungers in dem Beitrag:

 

„Under the Influence“

 

darüber, dass bei einer Nachtfahrt ein Kanute in seinem Seekajak von einem Powerboat überfahren wurde.

 

Insgesamt waren 2 Kanuten mit ihren Einer-PE-Seekajaks unterwegs. Es war eine sternenklare Nacht. Gepaddelt werden sollten nur ca. 1,5 km von einem Zeltplatz zur anderen Seite des Gewässers. Die beiden Kanuten waren auf die Nachfahrt vorbereitet und verfügt über:

 

  • je eine LED-Lampe, um in der Dunkelheit den Kontakt untereinander nicht zu verlieren;
  • und je eine sehr stark leuchtende weiße Lampe, um Dritte auf sich aufmerksam machen zu können.

 

Als sich das Powerboat mit über 70 km/h nähert, leuchteten sie mit ihren beiden weißen Lampen. Unmittelbar vor der Kollision kenterte der eine Kanute weg vom auf ihn zukommenden Motorboot. Das Seekajak wurde genau in Höhe der Sitzluke auseinander gerissen. Der Kanute blieb unverletzt.

 

Die Mannschaft des Powerboats barg die beiden Kanuten und bracht sie an Land. Anschließend fuhr das Powerboat weiter. In der Hektik hatten die Kanuten sich nur den Vornamen des Fahrers und den Bootsnamen, nicht jedoch die Registrier-Nr. merken können.

 

Die informierte US-Polizei war nicht weiter an dem Fall interessiert, da kein Personschaden entstand und der Sachschaden unter 1.000,- US-$ lag.

 

Folgende Punkte in Sachen Nachtfahrt werden dabei u.a. angesprochen bzw. sind erwähnenswert:

 

  • In dem Beitrag wurde zum Ausdruck gebracht, dass die beiden Kanuten die vorgeschriebenen Lichter mit sich führten. In Deutschland gelten jedoch für Küstenfahrten andere Bestimmungen:

 

1.      Zwischen Sonnenuntergang (SU) und Sonnenaufgang (SA), aber auch bei verminderter Sicht (z.B. Nebel), muss ein Kajak mindestens ein vom BSH zugelassenes, fest angebrachtes weißes Rundumlicht (mit einer 25 Watt-Birne ≈ 4,3 Candela) führen, das über den ganzen Horizont sichtbar ist und eine Mindesttragweite von 2 sm hat. (SeeSchStrO §8 1)+(2), §10(2)).

2.      Verfügt ein Kanute nicht über ein solches Licht, sollte er auf den Fall vorbereitet sein, dass er auf Grund eines Notstandes in die Dunkelheit geraten kann, d.h. er hat griffbereit ein weißes Licht ständig (d.h. auch bei Tagestouren) gebrauchsfertig mitzuführen (z.B. wasserdichte Taschenlampe) und bei Kollisionsgefahr rechtzeitig zeigen. (SeeSchStrO §10(3)).

 

  • Wir Kanuten sollten davon ausgehen, dass wir nachts auch bei vorschriftsmäßiger Beleuchtung von der übrigen Schifffahrt nicht gesehen werden, und wenn unser Licht doch entdeckt wird, können wir nicht sicher sein, dass es als das eines in der Nähe befindlichen Kajaks, statt eines in der Ferne fahrenden anderen Schiffes erkannt wird.

 

  • Es wird darauf hingewiesen, dass es u.U. sinnvoll ist, mit einem weißen Licht nicht nur dorthin zu leuchten, woher das Schiff kommt, welches sich mit uns auf Kollisionskurs befindet. Vielmehr ist es überlegenswert, mit dem Licht abwechselnd auch das eigene Kajak anzuleuchten. – Bei Segelbooten wird geraten, die weißen Segel anzuleuchten. Ob aber ein im Seegang schwimmendes Seekajak besonders auffällt, wenn es angeleuchtet wird, mag bezweifelt werden. Das gilt erst recht, wenn das Seekajak einen unauffälligen Farbanstrich hat.

 

  • Es wird empfohlen, bei Nachtfahrten einen Kurs zu wählen, den andere Boote nicht wählen. D.h. wir sollten außerhalb der Fahrwasser z.B. im Flachwasserbereich bzw. dicht entlang der Küste (oder am Rande von Wattflächen) paddeln.

 

  • Bei Kollisionsgefahr sollten wir, sofern der Kurs des anderen Schiffes erkennbar ist, vermeiden, den Kurs dieses Schiffes zu kreuzen. Wann aber besteht Kollisionsgefahr?

 

1.      Mit einer Kollision ist zu rechnen, wenn ein Schiff direkt auf uns zu fährt, sei es, dass es uns entgegenkommt („begegnet“) bzw. von hinten auffährt („überholt“).

(a) Bei einem Schiff, das Seitenlichter führt, können wir diese Situation daran erkennen, dass wir bei diesem Schiff sowohl sein Backbordlicht (= ROT), als auch sein Steuerbordlicht (= GRÜN) sehen.

(b) Und bei einem Schiff, das mehrere Topplichter führt, liegt dann eine Kollisionsgefahr vor, wenn wir diese Topplichter in Linie oder fast in Linie sehen. Trifft das zu, heißt das für uns, unsere Position so nach Steuerbord zu verändern, bis dass wir nur noch eines der beiden Seitenlichter sehen bzw. die Topplichter nicht mehr in einer Linie sehen. (vgl. Kollisionsverhütungsregeln KVR-Regel 14)

2.      Mit einer Kollision ist ebenfalls zu rechnen, „wenn die Kompasspeilung eines sich nähernden Schiffes sich nicht merklich ändert.“ (KVR-Regel 7(d)(i))

Trifft das zu, sollten wir warten, bis das Schiff an uns vorbeigefahren ist.

 

Was für eine Beleuchtung kommt nun eigentlich in Frage für jemanden, der auf „Nr. Sicher“ gehen will?

 

  1. Dauerlicht: Die Firma HELLA MARINE bietet mit dem Produkt „NaviLED 360 Anchor“ ein wasserdichtes weißes Rundumlicht an, welches fest auf einer 107 cm langen Stange befestigt ist. Bei Bedarf wird diese Stange auf eine Art „Steckdose“ gesteckt, die hinter der Sitzluke auf dem Achterdeck montiert wird. Die LED-Lampe leuchtet 2 Seemeilen weit, verbraucht 2 Watt und wird mit einer Batterie, die zwischen 9 und 33 Volt leistet, zum Leuchten gebracht. Das „NaviLED 360 Anchor“ hat die verschiedensten internationalen Zulassungen, leider jedoch noch nicht die vom BSH. Was spricht gegen diese Leuchte? Nun, das Licht soll auch die unmittelbare Umgebung des Kanuten erleuchten, was für die eigentliche Navigation hinderlich sein kann.

Bezug: www.hellamarine.com – eMail: techfeedback@hellamarine.com

  1. Notlicht: Gemeint ist hier eine Taschenlampe, die wir griffbereit mit uns führen sollten, damit wir im Falle der Not bzw. bei Kollisionsgefahr auf uns aufmerksam machen können. Zu empfehlen ist hier nur eine wasserdichte Taschenlampe, die besonders stark leuchtet. Z.B.:

FENIX P3D (Leuchtkraft 215 Lumen, wasserdicht: IPX8, Länge 11,4 cm,

Gewicht 80 g, Preis ca. 70,- €)

Bezug: www.sued-west.com (Bestell-Nr. 32 123400)

 

Und was bleibt uns, wenn wir meinen, dass wir trotz dieser Beleuchtung nicht bemerkt werden?

 

  1. Nicosignal: Spätestens dann ist es von Vorteil, wenn wir griffbreit über z.B. ein „Nicosignal“ verfügen. Haben wir dieses 6-schüssige Signalgerät vorher mit 4 roten sowie 2 weißen Signalkugeln bestückt und haben wir das Magazin so sortiert, dass zunächst eine weiße Signalkugel verschossen werden kann, können wir durch Abschuss dieser weißen Signalkugel innerhalb von Sekunden auf uns aufmerksam machen. Auch wenn tagsüber die Signalwirkung solcher Signalkugeln nicht sehr groß ist, können wir aber nachts davon ausgehen, dass der Schiffsführer eines Bootes, welches auf uns zu kommt, eine solche Signalkugel, die ca. 75 m hoch steigt und ca.6 Sekunden mit ca. 8.000 Candela leuchtet, eigentlich nicht übersehen kann. Eine solche Signalkugel soll nämlich nachts bis zu ca. 18 km weit gesehen werden können. Und wenn die erste Signalkugel doch nicht bemerkt wird, haben wir die Möglichkeit, innerhalb von 1-2 Sekunden auch die zweite weiße Signalkugel, notfalls auch bis zu 4 rote Signalkugeln zu verschießen.

 

Text: U.Beier

Quelle: SEA KAYAKER, June 08, S.18-23 – www.seakayakermag.com

Links:

www.kanu.de/nuke/downloads/Nachtpaddeln.pdf

www.kanu.de/nuke/downloads/Beleuchtung.pdf

www.kanu.de/nuke/downloads/Signalmittel-Uebersicht.pdf

www.kanu.de/nuke/downloads/Nicosignal.pdf