18.11.2008 Experte in Seenot (Ausbildung)

 

Es soll mal wieder ein Seenotfall vorgestellt werden, über dem in der Dezember-Ausgabe des SEA KAYAKERs berichtet wird. Übrigens, allein schon wegen dieser Seenotfall-(„Safety“)-Berichte lohnt es sich m.E., in die Hefte des us-amerikanischen SEA KAYAKERs zu schauen. Wer nicht selber diese Zeitschrift abonnieren möchte – www.seakayakermag.com -, kann sie sich auch über Globetrotter – www.globetrotter.de – besorgen. Heft Nr. 1 erschien 1984. Es besteht folglich kein Grund anzunehmen, dass diese Fachzeitschrift bald eingestellt wird!)

 

Derek Crook schildert in dem Beitrag:

 

„An Inhospitable Coast: A Rescue in Tasmania

 

über einen Seenotfall, den der Autor höchst persönlich erlebt hat.

 

D.Crook wollte mit dem australischen Seekajak „Mirage 580“ (580x56 cm) solo Tasmanien umrunden. Die Ost- und Nordküste hatte er schon hinter sich gebracht, und auch die erste Hälfte der Westküste. Gerade dieser westliche, von Steilküsten geprägte Küstenabschnitt hat es in sich. Die Dünung kann hier ungebremst von Afrika her anrollen. Wird sie dabei noch von Wind unterstützt, der aus derselben Richtung weht, woher die Dünung kommt, können sich im Seegang vor der Steilküste bis über 15 m hohe Wellen auftürmen, bevor diese brechen und anschließend wieder reflektiert werden. Insbesondere der Küstenkanuwanderer sollte nur bei absolut idealen Wetterbedingungen eine Tour entlang dieser ausgesetzten Westküste unternehmen.

 

D.Crook wusste das. Er pausierte daher an Land und hoffte auf Wetterbesserung. Als sie prognostiziert wurde, wartete er, bis die Vorhersage auch tatsächlich eintraf. Und als der Wind schließlich nur noch mit 10 Knoten (+ 3 Bft.) wehte, ging er immer noch nicht aufs Wasser; denn die Brecher am vor der Küste liegenden Riff deuteten Gewässerbedingungen an, die nicht einem 3er Wind entsprachen.

 

Dennoch wagte sich D.Crook raus, aber nur um zu prüfen, ob die Bedingungen wirklich so schlecht sind, wie sie von der Ferne her ausschauten. Dabei traute er sich wohl zu weit heraus, nämlich bis vor das Riff und wurde dort von der immer größer werdenden Dünung an der Rückkehr ins geschütztere Wasser hinter dem Riff gehindert. Anstatt die Brandungszone zu verlassen und weiter aufs Meer hinaus zu paddeln (!), bis sich der Seegang beruhigt hat bzw. bis herbeigerufene Hilfe eintrifft, versuchte er ans Land zurückzukehren. Sein Schicksal nahm dann den folgenden Lauf:

 

  • Auf der Suche nach einer weniger gefährlichen Durchfahrt übers Riff (!) wurde D.Crook von einem Brecher gekerzt, überspült und gekentert. Er wurde dabei von seinem Seekajak (Typ: „Mirage“) und seinem Paddel getrennt (!).
  • Wieder an der Wasseroberfläche sichtete er sein Paddel und in 30 m Entfernung auch sein Kajak. Er entschloss sich, zum Kajak zu schwimmen. Unterwegs sammelte er einen Rettungssack und sein Paddel ein.
  • Beim Kajak angekommen, stellte er fest, dass der mit Riemen gesicherte Heckluken-Gepäckdeckel samt Neoprendeckel fehlte (!), was dazu führte, dass sich das Heck des Kajaks immer mehr mit Wasser füllte und dadurch immer tiefer im Wasser lag.
  • Um zu verhindern, dass sein Kajak auf die nahen Felsen trieb, versuchte er schwimmenderweise das Kajak weg Richtung offene See zu bugsieren, was ihm schließlich auch gelang.
  • Was er jedoch - trotz mehrfacher, kräftezehrender Versuche (!)- nicht schaffte, war der Wiedereinstieg; denn das geflutete Heck machte sein Kajak so kippelig, dass er nicht in der Lage war, länger als ein paar Sekunden in seiner Sitzluke Platz zu nehmen.
  • Nach ca. 3 Std. (!) realisierte er, dass er schon 3 Std. im Wasser trieb. In Anbetracht dessen, dass an der nahen Küste Ferienhäuser standen, kramte er ein Seenotsignalkugelgerät hervor und schoss die erste Kugel ab. Bevor er die zweite Kugel abschießen konnte, passierte ihm ein Missgeschick. Denn zuvor musste er die alte Patronenhülse abschrauben und die nächste draufschrauben (!). Das war bei dem rauen Seegang gar nicht so einfach. Die zweite Patrone glitt schließlich aus seinen Händen und versank im Meer (!).
  • Zum Glück verfügte er über das modernste Seenotsignal und –tracking-System: SPOT (= Satellite Personal Tracker). Er holte es aus der Tages-Gepäckluke (!) seines Kajaks heraus, löste das Notsignal aus und signalisiert so der Seenotrettung und ausgewählten Personen seines persönlichen Umfeldes den Seenotfall.

(siehe: www.kuestenkanuwandern.de/ausruest/080626.html )

  • Zwischenzeitlich trieb er auf seinem Kajak liegend die Küste entlang. Am meisten litt er an der zunehmenden Unterkühlung (!) und der damit einhergehenden Schläfrigkeit I(!). Letzter bekämpfte er damit, dass er immer und immer wieder eine Verabredung mit seiner Tochter in Erinnerung rief, die er nicht verpassen wollte.
  • Ca. 1:30 h später wurde er von einem Motorboot, dessen Fahrer ihn schon von Land aus zwischen der Brandung treiben sah, geborgen und an Land gebracht. Die Gewässerbedingungen selber erlaubten es jedoch nicht, auch noch das Kajak zu bergen.
  • Ca. 2 h nach der Auslösung des Alarms traf auch der SAR-Hubschrauber ein, der Derek Crook sofort zur Überwachung ins Hospital flog.

 

Quelle: SEA KAYAKER, Dec. 08, S.11-15 – www.seakayakermag.com

Link:

Mirage Sea Kayaks è www.mirageseakayaks.com.au/580.html

SPOT-Messenger è www.findemespot.eu