27.11.2008 Kenterung im kalten Wasser (Ausbildung)

 

Im OCEAN PADDLER wird u.a. über eine Kenterung an der Westküste Schottlands berichtet. Es ereignete sich an einem Dezemberwochenende. Zwei Kanuten wollten einem anderen, der schon fast 40 Jahre nicht mehr im Kajak saß, mit auf eine kleine Spritztour hinüber zu einer 2,5 km entfernten Insel nehmen. Leider war für ihn die Sitzluke des geliehenen Seekajaks (ein Rockpool Alaw) ein wenig eng und der Neo passte auch nicht so recht, aber die Wetterprognose sagte max. 2 Bft. voraus. Kein Grund also zur Sorge!?

 

Irgendwann setzte ein 4er Wind ein, der sich durch einen Tunneleffekt noch verstärkte. Der Seegang nahm zu. Mit dem Wind ging es in Richtung Strand. Ca. 190 m vor dem Strand fingen die Wellen an zu brechen. Das war zu viel für den Mitpaddler. Er kenterte und stieg aus. Etwas orientierungslos und mit Atembeklemmungen, die wohl durch das kalte Wasser ausgelöst wurden, tauchte er an der Wasseroberfläche auf. Ihm war sofort kalt und seine Bewegungen waren nicht sehr koordiniert. Der V-Wiedereinstieg fiel ihm sehr, sehr schwer. Irgendwie bekam er sein Hinterteil nicht in die Sitzluke. Der nächste größere Brecher spülte ihn daher wieder vom Boot. Nun war er völlig erschöpft und konnte sich nur noch am Kajak seines Mitpaddlers festhalten, der versucht - mit dem „Kenterbruder“ im Schlepp -, mit aller Kraft Richtung Strand zu paddeln. Exakte 7 Minuten nach der Kenterung landeten sie am Strand an. Da der Strand keinen Windschutz bot, wurde ein Notzelt aufgebaut und der „Kenterbruder“ mit trockener Bekleidung und warmer Brühe versorgt. Nach einer halben Stunde war die Unterkühlung bekämpft. Der „Kenterbruder“ wurde zu Fuß zur nächsten Fähre geschickt, während die beiden anderen Kanuten mit dem dritten Kajak im Schlepp problemlos zurück zum Festland paddelten.

 

Na, warum haben eigentlich immer nur die anderen Pech?

 

Quelle: OCEAN PADDLER, Nr. 12/08, S.42-44 – www.oceanpaddlermagazine.com