30.03.2010 Zur Relevanz von Paddeltechniken beim Küstenkanuwandern (Ausbildung)

 

Wenn ich einem KI-Rennpaddler begegnete, würde ich ihn fragen, was ich tun muss, um mein Kajak möglichst effizient vorwärts zu paddeln.

 

Wenn ich einem WW-Paddler begegnete, würde ich ihn fragen, was ich tun muss, um mein Kajak möglichst sicher dorthin zu paddeln, wohin ich eigentlich möchte.

 

Wenn ich einem Seekajakfahrer begegnete, würde ich ihn fragen, ….. ob er auch auf dem Meer paddelt, aber nicht nach irgendeinem Paddelschlag …. höchstens – wenn ich das nicht längst schon selber wüsste – wie und wohin ich im Seegang stützen sollte (nämlich: zur brechenden Welle hin).

 

Woran liegt das, dass in Sachen Paddeltechnik Renn- und WW-Paddler die kompetenteren Kanuten sind? Liegt es vielleicht daran, dass die Paddeltechnik beim Küstenkanuwandern nicht so die zentrale Bedeutung hat …. zumindest beim weniger sportlich ambitionierten Kanuten?

 

Es ist interessant zu wissen, wie Freya Hoffmeister, die bekanntlich Australien in 245 Paddeltagen umrundete (ca. 13.790 km) über die diversen Paddeltechniken denkt. In einem Interview, welches Christopher Cunningham mit Freya führte und welches im SEA KAYAKER, Ausgabe: April 2010, veröffentlicht wurde (S.17) ist dazu u.a. Folgendes „sinngemäß“ zu lesen:

( www.seakayakermag.com/2010/Jun10/freyacompletes.htm )

 

Frage: Du paddeltest die ganze Zeit mit einem Wingpaddel. … Klappt damit auch die hohe und flache Stütze?

 

Antwort: Oh, keine Probleme. Jeder fragt das, aber wo ist das Problem? Natürlich, mit einem normalen Paddel könnte ich manchen Korrekturschlag – ich kenne noch nicht mal all diese fantastischen Namen für diese Schläge – perfekter ausführen, aber wozu, wenn man ein Kajak mit einem Steuer hat. Ja, so einfach ist das. Ich bin nicht auf solche Fantasieschläge („fancy stroke“) angewiesen, die manche Ausbilder einen unbedingt beibringen möchten (lachen). Es ist ähnlich wie mit den 34 Möglichkeiten zum Rollen. Du brauchst sie wirklich nicht, höchstens für dein Selbstvertrauen. Manchmal ist es wohl von Vorteil, wenn du mit dem Paddel den Heckruderschlag machst, auch wenn dein Kajak ein Steuer hat, aber das ist nicht immer nötig. Ich kam auch ohne Heckruderschläge rund um Australien. Überhaupt, ich beherrsche nicht all diese Paddelschläge. Ich habe sie niemals richtig gelernt. Ich habe sie aber auch niemals vermisst ….

 

Eigentlich müsste Freya wissen, wovon sie spricht. Sie paddelte wohl während der Umrundung ein Seekajak mit Steuer, nämlich den:

 

„18X SPORT“ (549x56 cm, ca. 369 Liter Volumen) von Epic Kayaks (USA),

 

aber zuvor ist sie ja in 25 Paddeltagen um Island (1.620 km) und in 48 Paddeltagen um Neuseelands Südinsel (2.386 km) mit einem Seekajak gepaddelt, welches mit einem verstellbaren Skeg ausgerüstet war, und zwar mit einem:

 

„ROMANY EXPLORER“ (540x54 cm; ca. 340 Liter Volumen) von Nigel Dennis (GB).

 

Da die „Wahrheit“ meist in der Mitte liegt, empfehle ich dem interessierten Küstenkanuwanderer die folgenden beiden Bücher über Paddeltechnik:

 

Alderson, Doug: Sea Kayak Strokes. A guide to efficient paddling skills (2007)

Cooper, Doug: Sea Kayak Handling (2009)

 

Beide Autoren demonstrieren anschaulich, wie man sein Seekajak, welches man ja wegen seines guten Geradeauslaufs gekauft hat, um die Kurve kriegt.

 

Text: U.Beier

Quelle: SEA KAYAKER, April 2010, S.16- 18 – www.seakayakermag.com