04.03.2011 Hai-Angriff (Ausbildung)

 

Wer Freya Hoffmeisters Vortrag über ihr „Race Around Australia“ (18.1.-15.12.09) gehört hat, konnte anschließend ihr 549 cm langes und 56 cm Seekajak, ein „18X Sport“ von EPIC KAYAKS, in Augenschein nehmen, insbesondere die Löcher im Achterschiff. Sie stammten anscheinend von einem Hai ab, der wohl nach Futter schnappte, das sich dann doch nicht als für ihn nahrhaft erwies. Freyas Erzählung darüber war nicht sehr spektakulär. Es fanden keine Blickkontakte statt, weder vorher noch nachher. Die Haie waren einfach zu schnell … so auch beim „Bisskontakt“. Freya bemerkte nur eine heftige Erschütterung, als ob ihr Seekajak etwas rammte. Sie nahm das jedoch nicht weiter ernst:

 

„Ich hatte davor im Norden täglich zwei bis drei dieser Rammstöße ins Heck, nur waren alle schwächer und es waren halt „nur“ Rammstöße. Die Haie ließen bislang ihr Maul zu. Ich habe nach dem Stoß aufs Heck geschaut und dieses Stück (was auch immer!?) auf meinem Hinterschiff gesehen. Ich bildete mir ein, das Viech hatte sich verletzt und hinterließ ein Stück Haifischfleisch auf meinem Achterdeck. Es war aber ein Stück Fiberglas von meinem Seekajak, welches ich erst nach ca. 6 Stunden Weiterpaddeln dann beim mittäglichen Anlanden entdeckte. Ein sofortiges Anlanden hielt ich eh nicht für nötig, da die anderen (schwächeren) Stöße immer ohne Schäden abliefen. Geschockt war ich erst an Land. Auf dem Wasser hatte ich kein Problem und habe nicht im Entferntesten daran gedacht, dass der Hai bis zu fingerdicke Löcher reingebissen haben könnte:

 

https://picasaweb.google.com/102265701659028879865/AustraliaStage9BroomeOnslow070729072009#5570565663904413730

 

https://picasaweb.google.com/102265701659028879865/AustraliaStage9BroomeOnslow070729072009#5570565427256492882

 

und dass nun deshalb mein Heck allmählich voll Wasser lief. Nur das Paddeln ging immer schwerer und immer langsamer … ich schob es auf meine Müdigkeit; denn immerhin paddelte ich an diesem Tag schon seit Mitternacht.“

 

Anschließend las ich nun einen Beitrag des Australiers John Wilde:

 

„Shark Attack: A load of Bull“

è www.nswseakayaker.asn.au/magazine/70/bull.htm (2008)

 

der von einer ähnlichen Begegnung berichtet, die ähnlich unspektakulär ablief und wo ebenfalls „nur“ die spektakulären Bissspuren zurückblieben.

 

John paddelte entlang der Küste von Tasmanien. An dem Tag war er schon 60 km unterwegs gewesen mit seinem Seekajak, als es anfing mit 7 Bft. zu blasen. Der Seegang wurde immer höher und rauer. Brecher türmten sich 2-3 m hoch auf. Er suchte daher nach einer Anlandemöglichkeit. Gerade als er ein flaches Riff queren wollte, wurde sein beladenes Seekajak ungewöhnlich heftig hochgehoben, quasi aus dem Wasser gehebelt, so als ob er auf ein Unterwasserfelsen aufgesetzt hätte. 15 Minuten später an Land checkte er sein Seekajak: 2 blendend weiße Zähne steckten noch im Unterwasserschiff kurz vor seinem Sitz. Ansonsten entdeckte er große Kratzer in der Gel-Coat-Schicht und Splitterbrüche. Es handelt sich unzweifelhaft um Spuren eines ca. 50 cm breiten Gebisses. Dass sein Seekajak mittig nicht auseinanderbrach, verdankte er wohl seinem Carbon-Kevlar-Rumpf … und Duct-Tape, um anschließend mit ihm weiterpaddeln zu können.

 

Wie bei Freya geschah der Angriff ohne Vorankündigung. In Down Under meint man:

 

„It’s not the shark you see that you need to be afraid, but the one that you don’t.“

 

In der Tat, in diesem Spruch steckt mehr als ein Fünkchen Wahrheit.

 

Text: Udo Beier