28.06.2011 Kajakverluste an Grönlands Westküste (Ausbildung)

 

Vor einiger Zeit hörte ich von dem Ereignis, dass zwei Deutsche Küstenkanuwanderer während einer Tour entlang der Grönländischen Küste ihre Kajaks unbemerkt abhanden kamen. Nun kann man den Originalbericht der beiden im KANU MAGAZIN nachlesen.

 

Markus Ziebell berichtet in dem Beitrag:

 

„Ein Schiff wird kommen. Eine unfreiwillige Robinsonade in Grönland“

 

von seiner zusammen mit Michael Kujawa geplanten 900 km langen Tour entlang der Nordwestküste Grönlands mit dem Ziel Thule. Gepaddelt wurde mit über 100 kg schwer bepackten PE-Seekajaks. Bis es eines Tages nicht mehr weiterging, da wohl die Flutwelle eines kalbenden Gletschers die vor ihren Zelten liegenden Kajaks auf nimmer Wiedersehen mitgenommen hat. Das war 5-faches Pech:

 

  1. waren die Kajaks weg, obwohl sie angebunden und 4 m oberhalb der Flutlinie auf der Wind abgewandten Seite einer Steilküste lagen!
  2. war in den Kajaks die gesamte Verpflegung verstaut, letztlich um mit „herumliegenden“ Lebensmitteln keine Eisbären anzulocken!
  3. befand sich in den Kajaks auch die gesamt Seenotausrüstung inkl. Trockenanzüge und Satelliten-Telefon!
  4. geschah das alles auf der unbewohnten Insel Kap Melville am Rande der vereisten Melvillebucht und am Ende der Gletscherfront!
  5. befand sich die nächste Siedlung, Savissivik, 35 km entfernt ebenfalls auf einer Insel und war folglich nicht zu Fuß erreichbar!

 

Da auf ihrer Insel eine etwas baufällige Schutzhütte mit schon 3 Jahre alten Inschriften lag, verlegten sie ihr Lager dorthin und warteten erst einmal ab. Zwischendurch sammelten sie Grassamen, um wenigsten etwas im Magen zu haben; denn mit Fischen hatten sie kein Glück.

 

Morgens am 3. Tag lag unerwartet ein etwas altes, aber funktionstüchtiges Inuit-Kajak vor ihrer Schutzhütte. Es wurde genauso unbemerkt vor die Hütte gelegt, wie ihre beiden Seekajaks verschwanden. Doch von Inuits war weit und breit keine Spur. Am 4. Tag ergriffen sie daher die Initiative; denn für das gefundene Kajak gab es weder eine Spritzdecke noch ein Paddel. Mit einem aus Treibholz gebastelten 5-kg-Paddel fuhr Markus Ziebell schließlich am 5. Tag los und kämpfte sich durch dichtes Treibeis durch, … bis er schließlich nach über 6 Stunden die angepeilte Siedlung erreichte.

 

Quelle: KANU MAGAZIN, Nr. 4/11, S.72-79 – www.kanumagazin.de