07.10.2011 Solo-Wiedereinstiegsmethoden (Ausbildung)

 

Im KAJAK-MAGAZIN stellt Björn Nehrhoff von Holderberg in dem Beitrag:

 

„Wiedereinstieg auf offenem Gewässer – Solo“

 

drei Rettungsmethoden in Wort & Bild vor:

 

  1. Cowboy- oder Reitereinstieg (5 Fotos)
  2. Wiedereinstieg mit dem Paddelfloat (7 Fotos)
  3. Reentry and Roll / Unterwasser-Wiedereinstieg mit Eskimorolle (5 Fotos)

 

Der Beitrag ist lesenswert. Dank der vielen Fotos und der knappen, aber präzisen Beschreibung des Ablaufs dieser Rettungsmethoden, weiß man eigentlich nachher, worauf es ankommt und was diese Methoden leisten können. Auch wird es dem Leser deutlich gemacht, dass die Beherrschung dieser Rettungsmethoden ihn nicht dazu veranlassen sollte, auf eine vorausschauende Tourenplanung (Wind, Wellen, Strömung; Revier), eine kenterverhütende Paddeltechnik (flach und hohe Paddelstütze) und auf die Vervollkommnung der Eskimorolle zu verzichten. Schließlich wird deutlich darauf hingewiesen, dass sowohl der „Cowboy“- als auch der „Paddelfloat“-Wiedereinstieg i.d.R. nur bei Bedingungen klappt, bei denen man eigentlich nicht kentert, nämlich wenn wenig Seegang herrscht.

 

Ich vermisse jedoch Anmerkungen darüber, wie man das mit dem Paddelfloat ausgerüstete Paddel auf dem Heck des Seekajaks fest hält bzw. befestigt.

 

Außerdem: In Anbetracht dessen, dass auch bei Seekajaks der Trend einsetzt, immer längere Sitzluken mit immer höheren Rückengurten/-lehnen anzubieten, fehlen jedoch die folgenden Hinweise, die man beim Wiedereinstieg Ernst nehmen sollte:

 

 

Auch versäumt es der Autor, deutlich auf die Probleme hinzuweisen, die ein „Kenterbruder“ nach Anwendung des „Paddelfloat“-Wiedereinstiegs haben könnte. Denn es ist ja nicht damit getan, nach einer Kenterung mit Ausstieg endlich wieder in der Sitzluke seines Kajaks zu sitzen. Gilt es doch nun, mit Folgendem zu „kämpfen“:

 

(a) eine Fußlenzpumpe ist einfach nicht leistungsfähig genug (das sollte jeder wissen, auch wenn sie bei Solo-Touren fast die einzige Alternative ist);

(b) die Schenkellenzpumpe erschwert erheblich den Wiedereinstieg, da sie das Einfädeln der Beine in die Sitzluke behindern kann; und

(c) die tragbare Handlenzpumpe, nun, die ist eigentlich nur besser als gar nichts; denn

(1.) kann man sie schon während einer Kenterung verlieren, spätestens aber beim erneuten Kentern während des Lenzen (sie sollte daher immer mit einer Elastikleine am Seekajak befestigt sein);

(2.) außerdem erhöht sich beim Hervorholen der Handpumpe oder beim Pumpen mit beiden Händen oder beim anschließenden Verstauen die Kentergefahr;

(3.) schließlich ist ein effizientes Pumpen eigentlich nur möglich, wenn man über eine – darauf weist jedoch der Autor mit 2 Fotos und kurzem Begleittext hin – Spritzdecke verfügt, die mit einer extra Luke auf dem Spritzdeckenteller ausgerüstet ist.

 

Übrigens, mit diesen drei Problemen wird nicht der Küstenkanuwanderer konfrontiert, dem es gelungen ist, seine Rolle zu perfektionieren (sog. „Bombproof-Roller“).

 

Der „Reentry & Roller“ hat jedoch auf alle Fälle mit der mangelhaften Anfangsstabilität seines gefluteten Seekajaks und dem Lenzen der Sitzluke zu kämpfen. Zwei Quasi-Lösungen gibt es dafür, die in dem Beitrag jedoch nicht angesprochen werden:

 

 

Der „Reentry & Paddlefloat-Roller“, d.h. jener, der die Rolle noch nicht 100%ig beherrscht und deshalb das Paddelfloat einsetzt, um nach dem Unterwassereinstieg wieder sicherer hochzurollen, wird mit allen drei Problemen (Kippligkeit, Lenzen, Verstauen des Paddelfloats) zu kämpfen haben. Dennoch ist er gegenüber dem traditionellen „Paddelfloater“ im Vorteil; denn er braucht „nur“ mit dem Paddelfloat am Paddelblatt hochzurollen, die ansonsten üblichen Kletter- & Balanceaktionen entfallen jedoch.

 

Ja, in Anbetracht der Probleme, mit denen der „Cowboy“, „Paddelfloater“ bzw. „Reentry & (Paddlefloat)-Roller“ nach einer Kenterung bei kritischem Seegang zu rechnen hat, kann ich eigentlich nur eines empfehlen, nämlich nicht solo hinaus aufs Meer zu paddeln, bzw. nur dann auf den Schutz einer Gruppe zu verzichten, wenn es einem nach einer Kenterung möglich ist, mit seinem Seekajak innerhalb kürzester Zeit das sichere Ufer zu erreichen.

 

 

Text: U.Beier

Quelle: KAJAK-MAGAZIN, Nr. 6/11, S.58-60 – www.kajak-magazin.com

Link:

www.kayakpaddling.net

www.seakayakermag.com/2011/June11/Schumann.htm

www.seakayakermag.com/Resources/links.htm