29.09.2012 Wassertiefen & Watthöhen lt. Seekarte (Ausbildung)

 

Die Kenntnis der Wassertiefen bzw. Watthöhen sind für das Küstenkanuwandern von gewisser Relevanz, da sie z.B. etwas aussagen über mögliche Untiefen und den dadurch verursachten Seegang (hier: Grundseen; Brandung (steil oder flach auslaufend), Klapotis; Stromkabbelung) bzw. über die Befahrbarkeit insbesondere von Wattflächen in Abhängigkeit von der Höhe der Gezeit.

 

Die auf einer Seekarte angegebenen Wassertiefen bzw. Watthöhen (hier: trockenfallende Höhe) beziehen sich auf Seekartennull (SKN) und dieses i.d.R. auf LAT (Lowest Astronomical Tide / Niedrigster (astronomischer) Gezeitenwasserstand). Die tatsächlichen Tiefen bzw. Höhen unterliegen jedoch Wasserstandsschwankungen, die u.a. abhängen:

 

 

Insofern muss uns bewusst sein, dass die tatsächlichen Tiefen/Höhen zu einem bestimmten Zeitpunkt Schwankungen unterliegen, d.h. i.d.R. nicht exakt mit den Angaben der Seekarte übereinstimmen werden. Selbst wenn eine Seekarte auf dem neuesten Stand ist, kann davon ausgegangen werden, dass insbesondere außerhalb der offiziellen Wattfahrwasser die Tiefen-/Höhenangaben nicht 100 %ig der Realität entsprechen und innerhalb solcher Fahrwasser immer damit zu rechnen ist, dass durch Sandtransport die Wassertiefe mal höher, aber auch mal niedriger als angegeben sein kann.

 

Für das Küstenkanuwandern ist das nicht weiter kritisch. Notfalls müssen schwierige Seegangsbereiche umfahren bzw. trocken gefallene Passagen zu Fuß überwunden werden, auch wenn lt. „12er-Regel“ genügend Wasser unterm Kiel hätte sein müssen:

 

è www.kanu.de/nuke/downloads/12er-Regel-II.pdf

 

Lediglich wer mal beabsichtigt, ein Wattenhoch zu queren:

 

è www.kanu.de/nuke/downloads/Wattenhoch.pdf

 

oder auf einer Sandbank oder am Strand zu biwakieren – was wegen der vielen Naturschutzbeschränkungen kaum noch möglich ist – sollte über die Wasserstandsveränderungen durch die Gezeiten informiert sein:

 

è www.bsh.de/de/Meeresdaten/Vorhersagen/Gezeiten/index.jsp

 

und sich zusätzlich vorher über den voraussichtlich zu erwartenden Wasserstand beim BSH erkundigen:

 

è www.bsh.de/aktdat/wvd/wahome.htm oder Tel. 040-31903190

 

Für die größeren Schiffe sieht das aber schon anders aus. In der YACHT berichtet H.Peterson in dem Beitrag:

 

„Wildes weißes Wasser“

 

dass die Fischersleute im Wattenmeer, insbesondere in den Gatts lieber selber die Wassertiefe loten: „Auf die Tonnen verlassen wir uns nicht!“ … letztlich weil durch die Verlagerung von Sandflächen selbst im Fahrwasser sich Untiefen bilden und somit Grundseen entstehen können, die in Verbindung mit Windsee, Strom und Seegangshöhe nicht nur ein Schiff aus dem Kurs bringen, sondern auch plötzlich auf Grund setzen können. So sank nach heftiger Grundberührung im Seegatt Accumer Ee (zwischen Norderney und Baltrum) am 26.7.12 ein niederländisches Segelboot, letztlich weil wegen der Verlagerung einer Sandbank die befahrbare Rinne außerhalb des gekennzeichneten Fahrwassers lag.

 

Aber das alles ist noch kein Grund, beim Küstenkanuwandern die Tiefen- und Höhenangaben in der Seekarte einfach zu ignorieren. Bis auf die eigenen Erfahrung bzw. die Erfahrungen Dritter, die kurz vorher gemacht wurden, liefert keine andere Info-Quelle zuverlässigere Informationen als die aktuell gültige Seekarte in Verbindung mit den mit Tonnen bzw. Pricken ausgezeichneten (Watt-)Fahrwassern. Wie jedoch der obige Seenotfall zeigt, sollten wir uns insbesondere im Wattenmeer nicht 100 % darauf verlassen und stets – natürlich unter Einbeziehung der Karteninformationen - vorausschauend paddeln, d.h. das Wasser vor uns beobachten, ob nicht der Seegang auf Untiefen hindeutet, die bei plötzlich höher einlaufender Windsee bzw. Dünung oder „Dampferwellen“ Grundseen entstehen lassen, die den einen oder anderen von uns zum Kentern bringen könnten.

 

Gerade was dieses Gefahrenpotenzial „Dampferwellen & Untiefen“ betrifft, denke ich noch mit etwas „Schrecken“ an die Fähre Hirtshals (DK) – Kristiansand (N) zurück, die uns bei der Einfahrt nach Kristiansand begegnete. Die See war nur etwas gekräuselt. Nichts deutete auf Untiefen hin. Wir näherten uns gerade der Insel mit dem Leuchtturm „Grönningen Fyr“, als die auslaufende Bug- und Heckwellen der Fähre plötzlich 2-3  Meter hoch aufsteilten und immer und immer wieder brachen. Zum Glück befanden wir uns im sicheren Bereich etwas seitab einer Untiefe, die am Rand der topografischen Kartenkopie (1:50.000) wenig auffällig eingezeichnet war. Wären wir statt nördlich südlich um diesen Leuchtturm gepaddelt, dann wären wir da mitten hineingeraten und hätten nachher sicherlich etwas zu erzählen, wenn nicht gar zu beklagen gehabt.

 

Quelle: YACHT, Nr. 20 v. 2012, S. 38-42 – www.yacht.de