07.02.2013 Brandungspaddeln (Ausbildung)

 

Die Beherrschung des Paddelns in der Brandung ist eine wichtige Voraussetzung für das unbeschwerte Küstenkanuwandern. Wenn wir wissen, wie in der Brandung zu paddeln ist, brauchen wir uns nicht mehr so viele Gedanken darüber machen, was ist, wenn der Wind zunimmt und die Gewässerbedingungen kritischer werden, vorausgesetzt wird sind ansonsten seetüchtig.

 

Im Folgenden soll vorgestellt werden, durch was Brandung erzeugt wird und wann welche Brandungsbedingungen vorliegen. Anschließend sollen die Probleme aufgezeigt werden, mit denen wir konfrontiert werden, wenn wir durch Brandung hinaus aufs Meer starten wollen.

 

1) Brandungsbedingungen

 

Brandung kann entstehen durch:

 

Windsee ist vorhersehbar und berechenbar und Wassertiefen auch. Die Windsee wird von der Windstärke (ab 3-4 Bft. Wind beginnt die Brandung schwieriger zu werden) der Windwirkdauer und dem Fetch (Windwirklänge) bestimmt. Sie beginnt sich aufzusteilen und anschließend zu brechen, wenn die Wassertiefe die halbe Wellenlänge unterschreitet. Schon wenn wir im ablandigen Bereich z.B. einer Insel bzw. Landzunge paddeln, sollte uns bewusst sein, dass wir im auflandigen Bereich der Insel bzw. Landzunge mit Brandungsbedingungen zu rechnen haben.

 

Dünung ist für uns Küstenkanuwanderer nur bedingt vorhersehbar und – zumindest an Nord-/Ostsee -  kaum berechenbar; denn der Seewetterbericht der Nord- und Ostsee weist nicht explizit auf die Dünung hin. Er nennt lediglich die Höhe der Windsee. Wir müssen daher entsprechend vorsichtig unsere Tour entlang eines Küstenstreifens planen. Liegt vor einer solchen Küste eine z.B. über 500 km lange Wasserfläche und herrschten die Tage vorher stärkere Winde die über diese Wasserfläche Richtung unseres Küstenstreifens wehten, kann Dünung nicht ausgeschlossen werden, auch wenn momentan Flaute herrscht. Bevor wir entlang eines solchen Küstenabschnitts paddeln, ist daher schon von weitem zu prüfen, ob dort Dünung anrollt und ob die dabei erzeugte Brandung bzw. Grundsee von jedem Mitpaddler auch beherrscht werden kann. Wenn wir unsicher sind, sollten wir beim Eingang in den Dünungsbereich anlanden, um von einem erhöhten Standpunkt aus die Gewässerbedingungen zu beobachten und abzuschätzen.

 

Brandung beeinflusst in starkem Maße die Gewässerschwierigkeiten. Diese sind abhängig:

 

 

Je mehr dieser Bedingungen zutreffen, desto mehr haben wir mit dem Seegang zu „kämpfen“. Der letzte Punkt macht sich jedoch direkt am Strand nicht so sehr bemerkbar, denn dort laufen die Wellen stets parallel zum Strand an. Aber schon etwas weiter draußen können wir ein Gemisch aus Windsee und Dünung erleben, welches zu besonders unruhigem und unberechenbarem Seegang führen kann (è Kreuzsee).

 

Die Brandungsverhältnisse werden auch vom Meeresuntergrund gestimmt:

 

Wer zu wenig Abstand zu diesen Brechern hält, gerät in die von der Steilküste reflektierten Brecher, u.U. genau dann, wenn diese auf den nächsten anrollenden Brecher treffen. Beim Zusammenklatschen der beiden Wellen, wird das Wasser senkrecht in die Luft geschleudert (è Klapotis). Kein Küstenkanuwanderer kann dann mehr sicher sein, solch ein Seegang ohne Kenterung zu überstehen.

Aber auch der, der genügend Abstand hält, wird mit dem Seegang zu kämpfen haben; denn dort laufen nämlich z.B. nicht nur aus unterschiedlichen Richtung Windsee & Dünung Richtung Steilküste (è Kreuzsee), sondern quasi als Schwierigkeitsgradsteigerung wird dieses Wellengemisch sofort wieder von der Steilküste reflektiert (è reflektierende Kreuzsee).

 

Grundsätzlich ist für einen erfahrenen Küstenkanuwanderer eine solche Felsenküste ein aufregendes Revier, denn in allen Richtungen werden von den unzähligen Felshindernissen die anrollenden Wellen reflektiert. Zusätzlich explodiert dazwischen immer mal wieder das Wasser, weil sich über einer nicht sichtbaren Untiefe aufbäumen (è Grundsee). Diese Grundseen entstehen aber nicht zufällig und unerwartet; denn wer das Wasser vor sich beobachtet, wird feststellen, dass sich an bestimmten Stellen nicht ständig, aber öfters Grundseen bilden. Bei der aktuellen Routenplanung durch einen solchen Felsengarten (è rock hopping) sollten wird daher solche Stellen unbedingt umfahren.

 

Ein kontrolliertes Starten bzw. Anlanden ist bei solchen Dumperbedingungen nicht möglich. I.d.R. schlägt sowohl beim Starten als auch beim Anlanden das Seekajak sofort quert und kullert dann samt Kenterbruder mit jedem Brecher den Strand hoch und runter, bis dass Dritte einen aus dieser miesen Lage befreien. Versucht der Kanute sich aus dieser Lage selber zu befreien, ist nicht auszuschließen, dass er vom eigenen Seekajak umgehauen und überrollt wird sowie anschließend vom Rücksog des Brechers zurück ins Wasser gespült wird!?

 

 

Wenn ein Starten & Anlanden in der Brandung möglich ist, dann bei flach auslaufenden Stränden … aber wann beginnt der Übergang zum steilen Strand? Letztlich hängt es von der Höhe und der Wucht der Brecher, aber auch von der Geschicklichkeit, Kraft und Glück  ab, ob einem die Befahrung gelingt.

 

Übrigens, je nachdem wie flach der Strand ins Meer hinaus läuft und ob unterwegs Sandbänke sich bilden (è Untiefen), können sich mehrere Brandungsketten bilden, die es als Küstenkanuwanderer gilt, hintereinander zu durchpaddeln, sofern er nicht bereit ist, parallel zwischen zwei Brandungsketten am nahen Strand entlang zu paddeln.

 

2) Solo-Start durch die Brandung

 

Solo gestartet werden kann auf mehrfache Weise, z.B. per

 

  1. Rampenstart: Wir legen unser Seekajak parallel zur „Rampe“ (hier: Steg, Böschung, Felsen, Hafenmauer) und steigen mehr oder weniger geschickt bzw. elegant ein, ohne dabei zu kentern, letztlich um zu verhindern, dass wir beim Einsteigen nass werden.

 

  1. Nassstart: Wir tragen bzw. ziehen das Seekajak ins knietiefe Wasser, positionieren es zwischen unsere Beine und setzen uns in die Sitzluke, bevor wir unsere Beine dann nachziehen, letztlich um zu verhindern, dass das Unterwasserschiff durch Grundberührung verkratzt wird.

 

  1. Hangstart: Wir legen das Seekajak an einem Hang (hier: Felsen, Böschung) ab, schließen die Spritzdecke und rutschen den Hang hinunter ins Wasser.

www.youtube.com/watch?v=HbkXw5RcL9Y (Hangstart über Felsen)

 

  1. „Robbenstart“: Wir legen das Seekajak so im Strandbereich ab, dass es nicht mehr aufschwimmt, wenn wir uns hineinsetzen, dann schließen wir die Spritzdecke und „robben“ mit dem Paddel in einer Hand los, und zwar so, dass wir uns abwechslungsweise mit einer Hand bzw. mit dem Paddelblatt auf dem Grund nach vorne Richtung Meer abstützen.

 

Wenn wir durch die Brandung solo hinaus aufs Meer paddeln wollen, dann erfolgt das i.d.R. per „Robbenstart“. Wenn die Brandung nicht bis an den Strand reicht, kann auch ein Nassstart versucht werden.

 

Der „Robbenstart“ solo durch die Brandung ist nicht immer ganz einfach. Schon ein nur 50 cm hoher Brecher, der auf den Strand spült, kann einem Schwierigkeiten bereiten, und zwar aus vier Gründen:

 

  1. Der heranstürzende Brecher hat so viel Wucht, dass wir in unserem Seekajak sitzend immer wieder zurück an den Strand gespült werden. Um das zu verhindern, ist es wichtig:

(a)  beim Nähern des Brechers mit voller Kraft vorwärts zu paddeln,

(b)   und beim Durchlauf des Brechers den Oberkörper nach vorne zu neigen und nicht voll aufzurichten, um den Brecher weniger Widerstand zu bieten,

(c)  und zugleich das Paddel nicht über den Kopf, sondern stattdessen ein Paddelblatt im Wasser zu halten, damit ein möglicher Rückwärtssurf gestoppt oder zumindest abgebremst werden kann.

Dabei ist auf das richtige Timing zu achten. Wir sollten also nicht gerade dann durch einen Brecher paddeln, wenn er am größten ist.

 

  1. Der Brecher zieht nach seinem Durchlauf stets soviel Wasser vom Strand ab, dass es uns nicht möglich ist, unser Seekajak vom Strand zu lösen und aufschwimmen zu lassen. Die Folge: Der nächste Brecher transportiert uns und unser Seekajak noch ein Stück weiter hinauf auf den Strand, bevor wir überhaupt unsere Chance zum Starten nutzen können.

Übrigens, besonders schwierig wird es für jene Kanuten, deren Seekajaks über ein Heck verfügen, welches sich regelrecht im Sand „festkrallen“ kann. Das trifft z.B. für feste Flossen zu oder eine nicht im Heck integrierte Unterheckflossensteueranlage, ein Steuerblatt aus verbiegbarem Hartgummi (sog. Activ-Rudder bei den finnischen Seekajaks von Kajak-Sport/Miks-Kayaks) oder ein Steuer, dessen tiefster Punkt unter der Kiellinie liegt (so etwas finden wir bei manchen LETTMANN-Seekajaks); denn solche nach unten  ragenden Enden verankern sich regelrecht im Untergrund und erschweren das Rutschen des Seekajaks ins Wasser.

 

  1. Wenn wir unser Seekajak nicht genau senkrecht gegen die einlaufenden Brecher ausrichten, treibt es in der Regel quer zum Brecher. Dann müssen wir entweder im Seekajak sitzenden versuchen, es wieder senkrecht zum Brecher hin auszurichten (è am leichtesten wird es uns gelingen, unser Seekajak wieder hin zum Brecher zu drehen, wenn wir es auf die Seite legen (kanten)), oder wir müssen aussteigen, es im Stehen wieder ausrichten, erneut einsteigen und nochmals versuchen zu starten.

Bei kleinerer und weniger wuchtiger Brandung gelingt es erfahrenen Kanuten manchmal, in ihrem Seekajak sitzend ihr Boot statt vorwärts rückwärts zum Brecher auszurichten und folglich rückwärts durch die Brandung hinaus zu paddeln!

 

  1. Besonders schwierig wird uns das Ausrichten des Seekajaks fallen, wenn die Brecher etwas seitwärts einlaufen bzw. wenn das Wasser seitwärts am Strand entlang strömt, was auf die Tiden- bzw. Bodenverhältnisse vor Ort zurückgeführt werden kann.

 

Brandungsprophylaxe

 

Haben wir Start-Schwierigkeit, bietet es sich u.U. an:

 

http://forum.kanu.de/showthread.php?t=7326

 

Abgesehen davon sollte wir bei einer Tour unter Brandungsbedingungen in Erwägung ziehen nur an solchen Streckenabschnitten zu rasten bzw. zu übernachten, wenn wir uns sicher sind, dass beim Starten nach der Pause bzw. am nächsten Tag keine schwierigen Brandungsbedingungen vorherrschen werden. D.h. wir sollten solche Plätze meiden, bei denen bald:

 

Sonst erleben wir vielleicht das, was Freya Hoffmeister am 23.01.13 bei ihrer Tour rund Südamerika passiert ist:

 

http://freyahoffmeister.com/2013/01/26/wed-2301-2013-day-371/

 

Unterwegs mit Freya irgendwo an der Küste Ecuadors

 

An dem Tag rollte eine nicht weiter kritisch erscheinende Dünung an den Strand von Ecuador. Der Untergrund entlang der pazifischen Küste Südamerikas war bislang so, dass Freya ihr Seekajak vor der ersten Brecherkette ins Wasser ziehen konnte, und zwar so, dass es keine Grundberührung mehr hatte. Dort nahm sie in ihrem Boot Platz und wartete nun den Moment ab, bis die Dünung etwas schwächer anrollte, dann startete sie mit voller Kraft voraus hinaus durch die erste Brecherkette, anschließend nach entsprechend nötiger Wartezeit durch die zweite Brecherkette … bis sie draußen außerhalb der Brandungszone auf Kurs gehen konnte.

 

Schon als sie sich an ihrem 372. Fahrtentag in ihre Sitzluke setzte, merkte Freya, dass der Bereich zwischen Strand und erster Brecherkette nicht tief genug war. Die Folge: Ihr Seekajak konnte nicht aufschwimmen und Freya nicht auf Warteposition gehen, um dann bei entsprechend niedriger Dünung sofort durchzustarten. Stattdessen wurde sie vom rücklaufenden Wasser in den nächsten Brecher gezogen und dann immer und immer wieder zurück an den Strand gespült. Zweimal kenterte sie sogar und zerrt sich dabei den Hals. Also musste sie immer wieder und wieder aussteigen, die Sitzluke vom sandhaltigen Wasser befreien. Anschließend begann alles von vorne. Zwischendurch versuchte ein Marineoffizier, ihr Starthilfe zu geben. Aber auch das half nichts; denn er verpasste es jeweils, sie rechtzeitig und mit genügend Schwung Richtung Brecher zu schieben. Schließlich treidelte sie, denn der Strandbereich war recht flach, durch die erste Brecherkette, schwang sich danach in ihr hoch auf schwimmendes Seekajak und paddelte hinaus, so wie sie es früher häufiger gemacht hatte. Manchmal musste das wegen der anrollenden Brecher so schnell gehen, dass sie weder die Zeit hatte, ihre Beine in die Sitzluke zu stecken noch die Spritzdecke zu schließen. Hauptsache sie kam durch die Brecher. Draußen hinter der Brandung konnte sie dann immer noch ihre Sitzluke lenzen.

 

3) „Anschub- & Anschupshilfe“ durch die Brandung

 

… und was ist, wenn einem Solo-Paddler der Start durch die Brandung nicht gelingen will, so sehr:

 

 

Nun, wir könnten die Meinung vertreten, dass ein Küstenkanuwanderer, der nicht allein durch die Brandung paddeln kann, so lange an Land bleiben sollte, bis die Brandungsbedingungen einen Solo-Start ermöglichen!

 

Gilt das auch bei „Gruppenfahrten“? D.h. dürfen einem die Mitpaddler beim Start durch die Brandung nicht helfen? Aber welche Bedeutung hätte solch eine Ansicht auf den Gruppenzusammenhalt? Hieße es doch, dass die leistungsfähigeren Kanuten auf Tour gehen und ihre „schwächeren“ Mitpaddler zurücklassen dürften!? Okay, bei einer Tagestour wäre solch eine Auffassung diskutabel; denn abends wäre die Gruppe wieder vollständig am Strand versammelt! Wenn jedoch über mehrere Tage Strecke gepaddelt werden sollte, können jedoch die „Schwachen“ nicht einfach zurückgelassen und sich selbst überlassen werden!?

 

D.h. bei mehrtätigen Touren entlang der Küste, muss sich die Gruppe etwas einfallen lassen. Folgende Alternativen sind abzuwägen:

 

 

Wie sieht nun solch ein Gruppen-Start durch die Brandung aus? Wenn alle wollen, dass möglichst zügig gestartet werden soll, dann bietet es sich nicht an, nur den „Schwächeren“ Starthilfe zu geben und die anderen sich selbst zu überlassen; denn ein Brandungsstart kostet Kraft und ein gescheiterter Brandungsstart kostet viel Kraft. Wer zwei- - dreimal vergeblich versuchte, hinaus durch die Brandung zu kommen, dem fehlt schließlich auch die Kraft, um nun mit Starthilfe den vierten Versuch zu vollenden. Abgesehen davon kosten solche Fehlstarts nicht nur viel Kraft, sondern auch viel Zeit (è Klarmachen des Seekajaks nach einer Kenterung, Fertigmachen zum nächsten Start). Außerdem ist eine Kenterung beim Starten durch die Brandung nicht ganz ohne Risiko (è Verletzung von Armen, Oberkörper bzw. Kopf).

 

Deshalb empfiehlt es sich bei Gruppenstarts durch die Brandung, dass jeder Kanute von einem Mitpaddler Starthilfe erhält … bis schließlich nur noch einer übrig bleibt. Das sollte ein sehr leistungsfähiger Kanute sein, für den die folgende „Regel“ gilt:

 

 

denn vom „leistungsfähigsten“ Kanuten kann am ehesten erwartet werden, dass es ihm gelingen wird, auch ohne Hilfe Dritter durch die Brandung hinaus aufs Wasser zu kommen. Das bedeutet natürlich nicht, dass der „leistungsfähigste“ Kanute allein für die Starthilfe zuständig ist. Nein, solange andere Kanuten noch am Strand sind, sollte auch sie aktiv beim Starten ihre Hilfestellung anbieten. Und … jeder andere, der starten will, sollte diese Hilfestellung auch annehmen, und zwar um solchen einen Startvorgang ohne viel Zeit- & Kraftverlust und ohne zusätzlichem Gesundheitsrisiko zum Abschluss zu bringen.

 

Starthilfetipps

 

Auf was ist zu achten, wenn wir einem Kanuten beim Start durch die Brandung helfen wollen:

 

 

Wie eine solche Starthilfe bei härteren Brandungsbedingungen aussehen kann, ist den folgenden 4 Fotos zu entnehmen. Sie zeigen Freya Hoffmeister beim Brandungsstart anlässlich ihrer Umrundung der Südinsel von Neuseeland (2007):

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums?banner=pwa&gpsrc=pwrd1#photos/112133179186774955122/albums/5605043255880733537/5605043251759197010

(Am rechten Rand ist der Pfeil anzuklicken, um sich die nächsten 3 Fotos anzuschauen!)

 

4) „Schlepphilfe“ durch die Brandung?

 

Im SEEKAJAK (Nr. 132/12, S.32-33) schlägt Kai Urban in dem folgenden Beitrag:

 

„Den Letzten beißen die Hunde …

Hilfe beim Brandungsstart – ein Erfahrungsbericht“

 

vor, für den Fall, dass wir nicht in der Lage sind, einem Kameraden per „Anschubs- & Anschupshilfe“ den Start durch die Brandung zu erleichtern, es einmal mit „Schlepphilfe“ zu versuchen. Auf diese Weise könnte z.B. erreicht werden, dass der „letzte“ Kanute, der vorher all seinen Mitpaddlern Starthilfe gewährt hat, nun gemäß der Regel „Last out“ nicht als „Letzter“ beim Brandungsstart allein auf sich selber gestellt ist, d.h. allein auf seine Kraft, seine Geschicklichkeit und sein Glück angewiesen ist.

 

Vorgeschlagen wird Folgendes:

 

 

Der Einsatz der Schleppleine dient im Wesentlichen dazu zu verhindern, dass das Seekajak des „Letzten“ während der Startphase – d.h. also beim „Robbenstart“ - quer treibt. Ob die Zugkraft des „Vorletzten“ auch dazu ausreicht, um den „Letzten“ zusätzlich durch die Brandung zu ziehen, möchte ich bezweifeln. Letztlich wird das aber von der Wucht der Brecher abhängen.

 

Ich halte ein Schleppen in der Brandung für gefährlich, egal ob nun durch die Brandung hinaus oder mit der Brandung hinein geschleppt wird. Es spricht nicht für das Mitgliedermagazin der Salzwasserunion, dass ein solcher Beitrag kommentarlos abgedruckt wird und dass auch im nachfolgenden Heft kein Kommentar dazu erschienen ist.

 

Eine solche „Schlepphilfe“ sollte – wenn überhaupt – höchstens dann in Erwägung gezogen werden, wenn nur ein bis zwei Brecher auf den Strand spülen und wenn es sichergestellt werden kann, dass der „Vorletzte“ beim Hinausschleppen nicht vom „Letzten“ wieder zurück in die Brecher gezogen werden kann. Aber auch dann ist diese ganze Schleppaktion nicht ganz ungefährlich; denn was ist, wenn:

 

 

Alle anderen Situationen sind nicht minder kritisch zu beurteilen, z.B.:

 

 

In beiden Fällen ist nicht auszuschließen dass sich der „Vorletzte“ nach der Kenterung in der eigenen Schleppleine verheddert, und zwar u.U. genau in dem Moment, als auch der „Letzte“ sich in der Schleppleine verheddert.

 

Abgesehen davon gibt es Kommunikationsprobleme. Wie verständigen sich die beiden, wann mit dem Schleppen begonnen werden soll, wenn jeder Zuruf bzw. jedes Pfeifensignal vom Lärm der Brandung bzw. vom Rauschen des Windes übertönt wird?

 

Natürlich sind immer Situationen denkbar, bei denen eine solche „Schlepphilfe“ mit Erfolg eingesetzt werden kann, wie aber auch Situationen nicht ausgeschlossen werden können, bei denen die „Schlepphilfe“ ungünstigstenfalls zu Personenschäden führt. Insbesondere bei kritischer Brandung und voll beladenem Seekajak würde ich das Risiko, welches mit einer „Schlepphilfe“ verbunden ist, nicht eingehen, solang ich über Alternativen verfüge, z.B.

 

 

5) Paddeln in der Brandung (Brandungsübungen)

 

Auf YOUTUBE gibt es ein Video zum Brandungspaddeln:

 

www.youtube.com/watch?v=aBYKNB-P8_M

 

Gezeigt wird kein Surfen bei „Kaventsmännerbedingungen“, sondern bei einer Brandung, die bei entsprechender Übung & Sportlichkeit jeder Küstenkanuwanderer meistern können müsste. Das Video ist mit seinen 8:35 Minuten wohl etwas lang geraten. Dafür ermöglicht es uns, das Brandungssurfen in allen möglichen Varianten zu beobachten, z.B.:

 

 

Leider gibt es bei uns an Nord- und Ostsee selten solch kontrollierte, von einlaufender Düngung geprägte Brandungsbedingungen. Bei uns wird die Brandung meist von der Windsee hervorgerufen, was dazu führt, dass es etwas unruhiger und schneller brandet.

 

6) Anlanden durch die Brandung (Wird fortgesetzt)

 

Text: U.Beier

Links zum Brandungspaddeln:

Anleitungen zum Brandungsfahren

è www.kanu.de/nuke/downloads/Brandungsfahren.pdf

Brandungstaktik: 10 vermeidbare Schwachstellen

è www.kanu.de/nuke/downloads/Brandungstaktik.pdf

Brandungsübungen bei starken bis steifen Winden: 10 sicherheitsrelevante Aspekte

è www.kanu.de/nuke/downloads/Brandungsuebungen-Starkwind.pdf