15.03.2013 Brandungspaddeln (II) (Ausbildung)

 

(s. auch Teil I: www.kuestenkanuwandern.de/ausbild/130207.html )

 

6) Anlanden durch die Brandung

 

Ein Anlanden durch die Brandung an den Strand kann ähnlich dramatisch verlaufen wie ein Start durch die Brandung hinaus aufs Wasser … mit dem einen Unterschied, dass wir immer rein- aber nicht immer rauskommen.

 

Auf Folgendes ist beim Anlanden zu achten:

 

 

Eine solche „Landhilfe“ für jeden einzelnen Kanuten ist unbedingt nötig, um das Risiko, dass aus einer Landung eine „Strandung“ wird, möglichst klein zu halten. D.h. ein Kanute landet erst dann an, wenn er genau weiß, welche Person am Strand bereit steht, um ihm beim Anlanden zu helfen

 

Strandungsgefahren

 

Brandung ist unberechenbar! Beim Anlanden am Strand läuft es nicht immer so ideal ab:

 

 

Vielmehr kann es beim Anlanden sehr plötzlich passieren, dass der Kanute:

 

 

Personenschäden (Hals-, Bein- und Armbruch) und Sachschäden (Paddel-, Steuerblattbruch bei am Heck angehängter Steueranlage) sind dann nicht mehr auszuschließen. Außerdem wird all das Ausrüstungsmaterial, was nur lose in der Sitzluke bzw. auf Deck verstaut ist, vom Meer „verschluckt“, wenn auch meist später irgendwo am Strand wieder „ausgespuckt“. Schließlich wird die Sitzluke des gekenterten Seekajaks mit einem Wasser & Sand-Gemisch so voll gefüllt sein, so dass die Helfer am Strand ihre Mühe haben werden, das nunmehr um über 200 kg schwerere Seekajak hoch ins Trockene zu schleppen.

 

Wie bieten wir „Landhilfe“ an?

 

Nun, wir winken gezielt einen Mitpaddler draußen auf dem Wasser heran, geben ihm – je nach Seegang – ein Zeichen, wann er seinen Anlandevorgang beginnen soll, und warten dann genau den Moment ab, an dem es sich anbietet, den Bugtoggle seines Seekajaks zu ergreifen und das Seekajak – samt Kanute – etwas hoch Richtung trockenem Strand zu ziehen. Dabei müssen wir die ganze Zeit darauf achten, dass ein Brecher das Seekajak nicht zurück ins Wasser saugt. Und sollte das Seekajak jedoch beim Anlanden quer schlagen, müssen wir aufpassen, dass es nicht zwischen uns und den Brechern treibt; anderenfalls könnte der nächste Brecher das Seekajak auf unsere Beine spülen. Knochenbrüche sind dann nicht mehr auszuschließen. Wir dürfen uns also nur am Bug oder Heck des zu bergenden Seekajaks aufhalten. Verfügt das Seekajak jedoch über eine am Heck anmontierte, nicht integrierte Steueranlage, können wir ohne großes Verletzungsrisiko das Seekajak nur dann bergen, wenn wir uns in Höhe des Bugtoggles befinden.

 

Und auf was muss der anlandende Kanute achten?

 

Zunächst einmal warten wir in einer mehr oder weniger brandungsfreien Zone auf das Signal zum Anlanden. Dann passen wir den richtigen Brecher ab, wobei wir darauf achten, ob ein Helfer uns signalisiert, wann es am günstigen ist anzulanden.

 

Rollt Dünung rein, bietet es sich an, abzuwarten, bis die Dünung nicht so hoch aufläuft. Jede 7. Welle soll doch höher bzw. auch niedriger sein!? Manchmal heißt das, 5 bis 10 Minuten zu warten, bis wir den Anlandevorgang einleiten können.

 

Bei Windsee erleben wir in der Regel nicht solch starke Höhenunterschiede. Folgende Anlandetaktiken bieten sich dann an:

 

 

Übrigens, am idealsten sind Brandungsbedingungen, und zwar sowohl beim Anlanden , als auch beim Starten, bei denen dank einer vorgelagerten Sandbank die Brecher höchstens bis 10-15 m an den Strand heran reichen. Hier gilt es allein, die Brandungszone ohne Kenterung zu meistern. Wie wir durch die Brandung kommen - ob surfend, paddelnd oder treibend, ob vorwärts, seitwärts oder rückwärts -, ist eine Option, für die sich jeder einzelne Kanute selber je nach seinen Fähigkeiten & Wünschen entscheiden kann.

 

Er sollte dabei nur nicht kentern; denn wo es brandet, ist es meistens flacher und wo es flach ist, da kann ein „Kenterbruder“ sich den Kopf stoßen, egal ob er nun in seinem Seekajak sitzen bleibt oder neben ihm treibt. Zusätzlich kann die Gefahr bestehen, dass ein Brecher den „Kenterbruder“ auf sein Seekajak bzw. das Seekajak auf den „Kenterbruder“ schmeißt. Auch dann sind Verletzungen nicht mehr auszuschließen!

 

7) Brandungsübungen im Flachwasser-Hallenbad

(siehe: www.kuestenkanuwandern.de/ausbild/130320.html bzw.http://forum.kanu.de/showthread.php?t=7615 )

 

Text:  Udo Beier