20.03.2013 Brandungsübungen im Flachwasser-Hallenbad (Ausbildung)

 

Ein Hallenbad ist nicht nur zum Plantschen, Schwimmen & Springen da. Es ist multifunktionell nutzbar. Das wissen wir Kanuten schon seit langem. Hier haben viele von uns ihren ersten Unterwasserausstieg geübt und danach die Rolle …. und später im WW-Kajak den Überschlag von Beckenrand ins Wasser mit anschließender Rolle … und noch später den Sprung vom 3-Meter-Brett.

 

Irgendwann kamen dann die Seekajaks auf … und damit auch die Rettungsübungen im Hallenbad, angefangen beim Üben der flachen und hohen Stütze, des Hüftknicks, der Eskimo-Rettung, der T-Lenzmethode, der V- bzw. Parallel-Wiedereinstiegsmethode, des „Kajakschwimmens“ und last not least der Rolle im eigenen Seekajak.

 

Mangels Welle, denn ein „Flachwasser“-Hallenbad ist nun mal kein Wellenbad, musste bislang jedoch auf Brandungsübungen im Hallenbad verzichtet werden.

 

10 Schritte zum Seitwärtssurfen im Flachwasser-Hallenbad

 

Anlässlich des „Workshop Küstenkanuwandern“ (16./17.3.13) hatte ich mir daher mal etwas ausgedacht, wie einzelne Übungseinheiten des Brandungspaddeln, und zwar das Seitwärtssurfen und natürlich auch das Kentern, dennoch in einem Flachwasser-Hallenbad im wahrsten Sinne des Wortes „durchgezogen“ werden können.

 

Voraussetzungen für Brandungsübungen im Flachwasser-(Hallen-)Bad: Wir benötigen dafür ein leeres Schwimmbecken, d.h. das Wasser bleibt im Becken, aber alle Seekajaks werden bis auf eines aus dem Becken geholt, zumindest ganz dicht am Beckenrand platziert.

 

Dann wird Folgendes unternommen:

 

  1. Es wird jeweils an Bug und Heck eines Seekajaks ein –zig Meter langes Seil verknotet.

 

  1. Das mit Seilen verbundene Seekajak wird am schmaleren Beckenrand ins Wasser gelassen.

 

  1. Am jeweils gegenüberliegen Beckenrad stehen je zwei kräftige Leute, die jeweils ein Seilende in ihren Händen halten.

 

  1. Ein Kanute setzt sich in die Sitzluke des Seekajaks.

 

  1. Bereit zum Seitwärtssurf („Seilsurf“): Der Kanute wird darauf hingewiesen, dass beim Losziehen der 4 Leute sein Seekajak quer über die Wasseroberfläche gezogen wird und er sich in Richtung des abfließenden Wassers neigen und dabei flach bzw. hoch Stützen muss.

 

Und dann geht es richtig los:

 

  1. Üben der Paddelstütze: Auf Zuruf ziehen die 4 Leute das Seekajak seitwärts durch das Schwimmbecken, während der im Seekajak sitzende Kanute versucht, sich in Richtung des abfließenden Wassers zu neigen und mit der flachen oder hohen Stützen die Balance zu halten.

 

  1. Erleben einer Kenterung: Kenterungen sind bei diesen „Seilsurf“-Bedingungen unausweichlich, weil der Kanute erst einmal das Gefühl dafür bekommen muss, wie weit er sich zum abfließendem Wasser hin neigen muss.

 

  1. „Seilsurfen“ auf beiden Seiten: Wenn das Ende des Schwimmbeckens erreicht ist, wir der Kanute mit seinem Seekajak wieder zurückgezogen, damit er das Zur-Seite-Neigen & Stützen auf beiden Seiten üben und das Kentern auf beiden Seiten erleben kann.

 

  1. Üben der flachen und anschließend der hohen Paddelstütze: Wenn beim ersten Durchgang die flache Paddelstütze geübt wurde, ist beim nächsten Durchgang die hohe Paddelstütze dran.

 

  1. Rollübungen: Und anschließend ist das gezielte Rollen zu üben.

(a)  Das Eintauchen in Fahrt-/Surfrichtung: Das entspricht in der Brandung das Abtauchen weg vom Brecher. Die Strömung lässt uns dabei samt unseres Seekajaks um die Längsachse unseres Seekajaks drehen. Klappt unsere Rolle, tauchen wir nach eine 360°-Drehung auf der Seite des Brechers wieder auf.

(b)  Das Eintauchen entgegen der Fahrt-/Surfrichtung: Das entspricht in der Brandung das Abtauchen hin zum anrauschenden Brecher. D.h. wir schmeißen uns hin zum Brecher ins Wasser und rollen spätestens nach einer 180° Drehung auf derselben Seite wieder hoch.

·         Als Rolle bietet sich dabei nicht die Bogenschlagrolle, sondern die Stützschlagrolle (CC-Rolle) an; denn wenn wir beim Seitwärtssurf kentern, liegen wir wegen der Fahrt über Wasser nicht senkrecht (180°) unter unserem Seekajak, sondern nur schräg (ca. 135°) in Richtung des abfließenden Wassers. Wir brauchen daher auf der Seite des abfließenden Wassers nur unser Paddel hoch halten (im rechten Winkel zum Seekajak), um uns dann wie bei einem etwas zu „tief“ geratenen hohen Paddelstützschlag aus dem Wasser zu ziehen bzw. von der Strömung an die Wasseroberfläche treiben zu lassen.

·         Übrigens, beim hoch Rollen ist darauf zu achten, dass wir uns nicht völlig gerade aufrichten (0°-Stellung); denn dann werden wir vom strömenden Wasser sofort wieder in Fahrtrichtung gedreht & gekentert. D.h. wir dürfen beim Rollen im Seitwärtssurf bzw. „Seilsurf“ wir nicht ganz hoch rollen, sondern müssen bei Erreichen einer bestimmten Körperneigung (ca. 20° - 70°-Stellung zur Wasseroberfläche) - die abhängig ist von der Geschwindigkeit des Seitwärtssurf und dem Druck des Brechers – den Rollvogang abstoppen und stattdessen in der flachen oder hohen Stütz-Stellung verharren, und zwar solange, bis der Surf beendet ist.

 

Anmerkungen zum Seitwärtssurfen:

 

Mit den folgenden Problemen hat der Kanute beim Seitwärtssurf zu kämpfen.

 

 

Vorwärtssurfen?

 

Das das war’s. Jetzt kann der nächste Brecher kommen. Zumindest wissen wir, was wir beim Seitwärtssurfen machen müssen. Ob auch das Vorwärtssurfen (hier: Verhinderung des seitlichen Ausbrechens durch Burgruderschläge) in der Brandung im Hallenbad simuliert werden kann, muss mal ausprobiert werden. Vielleicht reicht es, wenn wir die beiden Seile zusammen am Heck des Seekajaks anbinden und dann das Seekajak so vor uns her schieben, dass der Kanute es nur mit Bugruderschlägen (Ziehschlägen) auf Kurs halten, d.h. vor  dem Ausbrechen und Querschlagen bewahren kann!?

 

Walzentraining?

 

Am Ende dieser Hallenbadübungen kam übrigens eine Kanutin zu mir und meinte, dass sie solche „Seilübungen“ schon einmal mit WW-Kajaks auf einem See in Österreich gemacht hätte. Und zwar zogen im knietiefen Wasser zwei Leute an Seilen ein WW-Kajak quer über das Wasser, um mit dem im Kajak sitzenden Kanuten das Stützen in einer Walze zu üben bzw. um ihm das Gefühl zu vermitteln, wie schnell ein nicht von der Strömung weg gekantetes Kajak von der Strömung umgedreht und gekentert werden kann.

 

Text: Udo Beier