14.04.2013 Info-Austausch: Quo Vadis? (Ausbildung)

 

Im SEEKAJAKFORUM.de wurde auf den Link der französischen Homepage

 

www.kayakalo.fr

 

verwiesen. Diese Seite ist zumindest für uns „auswärtige“ Küstenkanuwanderer recht informativ, da dort übersichtlich und anschaulich mittels „Google-Landkarten-Ausschnitten“ über hunderte von fürs Küstenkanuwandern geeignete Start-/Anlandeplätze aufgelistet und kurz beschrieben werden, die nicht nur in Frankreich (Ärmelkanal, Atlantik, Mittelmeer) liegen, sondern auch in Nord/Ost-Spanien (Katalonische Mittelmeerküste) und England (Portsmouth / Isle of Wight).

 

Meistens handelt es sich bei den Plätzen um „Locations“, die auch jeder erfahrene Küstenkanuwanderer findet, wenn er danach sucht. Ich habe hierzu mal allgemeine Tipps zusammengestellt:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Fahrtenplanung.pdf

 

die auf die folgenden Punkte hinwiesen, die bei der Suche von Start-/Anlandeplätzen näher in Augenschein genommen werden sollten:

 

 

Nun versucht der Webmaster dieser frz. Homepage Guy Lecointre auch Start-/Anlandeplätze entlang der deutschen Nordseeküste mit in seine Homepage aufzunehmen. Die ersten Plätze entlang der Küste können schon abgerufen werden:

 

www.kayakalo.fr/allemagne.php

 

Weiter Plätze werden gesucht. Ein Aufruf zur Mithilfe wurde schon im SEEKAJAKFORUM.de gepostet … und hat zu mehr oder weniger heftigen Protesten geführt:

 

www.seekajakforum.de/forum/read.php?1,74357

 

Es handelt sich hierbei um Proteste, die mir persönlich sehr vertraut sind. Gebe ich doch seit 2001 selber für den DKV eine ähnliche Aufstellung heraus:

 

DKV-Info: Übernachtungsmöglichkeiten Nordsee / Wattenmeer (NL/D/DK)

(inkl. Ausgangsmöglichkeiten, Pausenplätze/Trittsteine & Fahrtenziele)

www.kanu.de/nuke/downloads/Uebernachtungsmoeglichkeiten-Nordsee.pdf

 

die mit dazu beigetragen hat, dass bestimmte Küstenkanuwanderer aus gewissen Vereinigungen mich gar nicht mehr „lieb haben“.

 

Die unlösbare Frage, die hinter solch einem Protest steht, lautet: Wie viel Informationen übers Küstenkanuwandern (hier: Start-/Anlandeplätze, Pausenplätze, Zeltplätze, Biwakplätze) darf ich über welche Kommunikationswege an Dritte weitergeben.

 

Folgende Antworten gibt es hierzu:

 

  1. Ich gebe gar nichts weiter und behalte alles für mich.
  2. Ich sage es bloß meinen besten Freunden.
  3. Ich berichte es nur meinen Vereins- bzw. Verbandskameraden.
  4. Ich sage es auf Wunsch jeden, aber diese Weitergabe erfolgt ganz persönlich.
  5. Ich schreibe darüber nur in gedruckten Medien (hier: Kanu-Vereins-Rundschreiben, frei verkäufliche Paddelzeitschriften).
  6. Ich poste (= „posaune“) es im Internet.

 

Die Antwort dazu hängt dabei vom Folgenden ab:

 

  1. Der unerfahrene Einzelpaddler möchte an solche Infos herankommen, das Medium ist ihm dabei egal.
  2. Der erfahrene Paddler nimmt ebenfalls begierig jede Info auf, jedoch hätte er es gern, wenn diese Info anschließend an keinem anderen mehr weiter geleitet wird.
  3. Die Spezialisten möchten, dass solche Infos den Kreis der „Spezialisten“ nicht verlassen.
  4. Die Vertreter eines Dachverbandes möchten demgegenüber eine breite Streuung solcher Infos, damit möglichst viele davon Nutzen ziehen, aber auch erkennen können, dass die Mitgliedschaft eines solchen Verbandes einem von Nutzen sein kann.
  5. Und die Multiplikatoren auf der anderen Seite sehen die Info als Mittel, um ihr „Mitteilungsbedürfnis“ zu stillen u/o um mit ihrer Hilfe mit anderen in Kontakt zu treten und Anerkennung zu erfahren u/o um Beiträge zu verfassen, die sie dann verkaufen können (z.B. Fachbeiträge in Zeitschriften, Bericht in Reisebüchern).

 

Unter Punkt 5. gehört auch die Veröffentlichung von Infos im Internet, wobei bislang das „Geld“ nicht durch die Beiträge selber verdient werden kann, sondern nur über die Werbung, die anlässlich des Beitrages geschaltet wird. Es wäre deshalb nicht erstaunlich, wenn der Herausgeber von KAYAKALO.fr seine Homepage soweit ausbaut, d.h. noch weitere Infos über fürs Küstenkanuwandern relevante Plätze verbreitet (z.B. Einkaufs-/Einkehrmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten), dass seine Seite schließlich für die Werbewirtschaft attraktiv wird.

 

So kann es also dazu kommen, dass ein gewisser Monsieur Guy Lecointre, der vielleicht gar kein Kanute ist, mit den „Geheimtipps“ von Kanuten nicht nur eine Menge Geld verdienen kann, sondern auch dazu beiträgt, dass aus manchem abgelegenen Plätzchen irgendwann ein „No Go“-Platz wird, sei es, weil es dort zu „rummelig“ oder zu schmutzig geworden ist, bzw. weil es plötzlich nicht mehr erlaubt ist, sich dort aufzuhalten.

 

Übrigens, mit dieser Gefahr müssen wir schon dann rechnen, wenn wir eine Info über einen Platz an einen Dritten weitergeben. Das Risiko, dass solch eine Gefahr Realität wird, ist jedoch am größten, wenn die Info übers Internet verbreitet wird. Davor fürchtete sich übrigens schon vor Jahren eine schwedische Ferienhausbesitzerin, die uns dringend bat, den von uns mit unseren Seekajaks angelaufenen Anlandeplatz, der neben ihrem Ferienhaus lag, ja nicht im Internet bekannt zu geben!

 

Wer ebenfalls diese Gefahr sieht, der sollte jedoch konsequent sein. D.h. der dürfte weder das Küstenkanuwandern betreffende Infos nutzen noch an Dritte weitergeben. In letzter Konsequenz müsste das auch heißen, dass er eine Ausbildung zum Küstenkanuwandern weder selber in Anspruch nimmt noch sich an einer solchen Ausbildung beteiligt; denn diejenigen, die wir heute ausbilden, sind jene, die morgen dann mit ihrem Seekajak entlang der Küste wandern werden..

 

Trotz allem werde ich auch weiterhin am Küstenkanuwandern Interessierte ausbilden und mit Gleichgesinnten zusammen auf Tour gehen. Bedenkliche Start-/Anlande-/Biwakplätze habe ich jedoch schon lange nicht mehr publiziert, letztlich wohl auch deshalb, um sie ebenfalls in Zukunft so abgelegen vorzufinden, wie ich sie einst verlassen habe. Solche Plätze soll –bitteschön - jeder selber suchen. Der besondere Reiz des Küstenkanuwanderns liegt doch nicht nur darin, bei Wind & Welle zu paddeln, sondern auch darin, diese Plätze zu suchen und zu finden … und sie nachher möglichst wieder so zu verlassen, dass jeder, der später an diesen Plätzen vorbeikommt, denkt, er sei der erste, der sie entdeckt hat.

 

Ansonsten hoffe ich, dass das Küstenkanuwandern sich nicht zum Massensport entwickeln wird, … und wenn doch, dass die uns nachfolgenden Generationen das Beste daraus machen werden … auch auf die Gefahr hin, dass das dann nichts mehr mit dem guten alten Küstenkanuwandern gemein haben wird. Das ist halt der Preis für den Fortschritt, der stets auch mit Veränderungen einhergeht. Veränderungen, die aus konservativer Sicht nicht immer begrüßt werden …. und die sicherlich durch unsere Informationspolitik, egal welche Inhalte wir auch vermitteln, nicht aufzuhalten sein werden!?

 

Wenn wundert’s? Wer die Vorteile des Informationszeitalters nutzt (z.B. PC, Smartphone, Tablet-PC; GPS; Seenotbaken; lokale Webcams; Google Earth), muss dafür bezahlen, und zwar nicht nur mit Geld, sondern auch mit einem Verlust an Privatheit und Freiheit. Wo das enden wird, wissen wir nicht. Ich vermute nur, dass diese Entwicklung grenzenlos sein wird und nicht bei einem hochauflösendem „Google Earth Life“ enden wird, natürlich inkl. Suchmaschine für Zeltmöglichkeiten, wobei vorher als Suchkritierien die Anzahl der Zelte, der Abstand zum Wasser und die Qualität des Anlandeplatzes (Strand, Kies, Wiese, Fels; Windschutz, Sonnenstand; Abstand zum nächsten Haus) eingegeben werden kann. Es fragt sich nur, ob wir dann noch paddeln werden, geschweige denn frei zelten wollen bzw. dürfen!

 

Text: Udo Beier