05.05 2013 Kanten & Kurven: Thesen o. Fakten? (Ausbildung)

 

Shovelhead postet im SEEKAJAKFORUM.de.

 

=> http://www.seekajakforum.de/forum/read.php?1,74623,74792#msg-74792

 

Um vorzubeugen, dass plötzlich alle nur noch Seekajaks mit ausgeprägtem Rocker (= Kielsprung) (z.B. Seekajaks von Pietsch & Hansen) und mind. 360 Liter Volumen kaufen (z.B. Habel), möchte ich hier drei „Gegenthesen“ aufstellen:

 

(1) Seekajaks mit viel Kielsprung sind sehr wendig. Diese Wendigkeit lässt sich durch zusätzliches Ankanten nur unwesentlich erhöhen!

 

(2) Solange ein Seekajak nicht überladen wird (=> max. Gewicht (gemessen in kg) < 60% des Gesamtvolumens (gemessen in Liter)) begünstigt nicht das Volumen, sondern die Bootsform das Ankanten.

 

(3) Allgemein gilt, dass ein Seekajak mit weniger Kielsprung leichter durch Ankanten zu steuern ist als ein Seekajak mit viel Kielsprung.

 

Übrigens, bei „Ententeichbedingungen“ lässt sich die Wirkung des Ankanten überzeugend demonstrieren. Meist ist ein Seekajak ohne Steuer dann wendiger als mit Steuer! Bei kabbeligen Seegangsbedingungen („Kabbelwasser“) trauen sich jedoch die weniger erfahrenen Kanuten meist nicht mehr zu kanten (= „Kenterangst“)  und wenn doch, erschwert ihnen der Seegang die Wirkung des Ankantens; denn gekurvt werden sollte nur dann, wenn wir uns auf dem Wellenkamm befinden.

 

Warum erleichtert nun das Kanten das Kurven. Zwei Erklärungsansätze möchte ich hier aufführen:

 

(a) Beim Kanten wird die Wasserlinienlänge vermindert und der Kielsprung erhöht. Dadurch lässt sich ein Seekajak leichter drehen.

 

(b) Beim Kanten verändert sich das Unterwasserprofil (= „Footprint“) des Seekajaks. Es wird asymmetrisch, und zwar etwas ausgebeult zu jener Seite hin, zu der gekantet wird. Durch diese Profilveränderung soll aus hydrodynamischen Gründen ein Drall entstehen, der bei Vorwärtsfahrt ein rechts gekantetes Seekajak nach links bzw. ein links gekantetes Seekajak nach rechts drehen lässt.

 

Dieser „Dralleffekt“ ist bei jedem Seekajakmodell etwas anders und bei Seekajaks mit viel Kielsprung fast Null. Wie stark dieser Drall ist, lässt sich ausprobieren, indem wir zunächst schnell geradeaus paddeln und dann das Paddeln einstellen. Beim Kanten z.B. nach links kann ein mehr oder weniger starker oder gar kein Rechtsdrall beobachtet werden. Wenn das Seekajak tatsächlich beim Kanten links eine Rechtskurve fährt, kann auch die Gegenprobe gemacht werden: Wir wechseln plötzlich vom Kanten links auf Kanten rechts und beobachten, ob unsere Kajak statt weiter nach rechts zu kurven nun nach links kurvt! In der Regel dreht jedoch unser Seekajak trotz Kantenwechsel weiter nach rechts; denn so ausgeprägt ist die Wirkung des asymmetrischen Unterwasserprofils beim Kanten nun auch nicht. Erst in Verbindung mit den nötigen Paddelschlagtechniken (hier: Bogenschläge, Bug-/Heckruderschläge) lässt sich diese Wirkung erzielen und verstärken.

 

Text: Udo Beier

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Kanten.pdf