31.10.2013 Küstenkanuwanderausbildungskonzept (Ausbildung)

 

Mein Küstenkanuwanderausbildungsprogramm wendet sich an Erwachsene, die keine Paddelanfänger mehr sind und die freiwillig & hochmotiviert an einzelnen Veranstaltungen teilnehmen wollen, ohne Kosten und Mühen zu scheuen.

 

Da die meisten Teilnehmer nach einer solchen Ausbildung in der Lage sein wollen, eigenverantwortlich zunächst immer der Küste entlang und später auch aufs Meer hinaus zu paddeln, fordere ich von jenen, die EPP 3 (Küste) erwerben wollen, die Teilnahme an den folgenden drei Veranstaltungen:

Workshop, Rettungs- & Brandungsübungen und Hausaufgaben dienen zur Vorbereitung auf diese Fahrt, die entweder aufs ost- bzw. nordfriesische Wattenmeer führt.

 

Beim „Workshop“ werden in einem Crashkurs Grundlagen zum Küstenkanuwandern vermittelt (= Fahrtenplanung, Gezeiten-/Strömungs-, Wetter-, Verkehrs-, Gewässerkunde u.a.).

 

Die Rettungsübungen dienen der Erhöhung der "Kentertüchtigkeit". Es werden relevante Lenz- & Wiedereinstiegsmethoden (= X-Lenz-Methode; V- & Parallel-Wiedereinstiegsmethode) vermittelt Ergänzend findet eine Brandungssimulation statt (= Stützen und Rollen beim Seitwärtssurf).

 

Die Brandungsübungen sollen den einzelnen fit für den brechenden Seegang, also "seegangstüchtig" machen.

 

Die Hausaufgaben dienen der konkreten Vorbereitung der anschließend anstehenden Einweisungsfahrt. Die meisten Fragen betreffen die konkrete Fahrtenplanung während der Einweisungsfahrt:

Die anderen Fragen beschäftigen sich mit der Lösung von Problemen, die während der Einweisungsfahrt auftreten können, wie z.B.

Hinter der Einweisungsfahrt verbirgt sich kein„Trainingslager“, sondern eine Küstentour, bei der mit max. 6 „Schülern“ unter„Aufsicht“ auf Wanderfahrt entlang der Küste gepaddelt wird, wobei jeder Teilnehmer mindestens für einen halben bis ganzen Tag auf einer vorgegebenen Route seine Gruppe durchs Wattenmeer führt (= „Learning by Doing“). Während der Übernahme der Führungsfunktion muss jeder Teilnehmer konkrete Fragen zur Routenführung, Gewässer-, Gezeiten-/Strömungs- & Wetterkunde sowie zum Verkehrsrecht beantworten. Das Wissen zur Beantwortung dieser Fragen wird zuvor beim Workshop vermittelt bzw. bei der Beantwortung der„Hausaufgaben“ selbst erarbeitet.

 

Zusätzlich werden Ausbildungsmappen zum Workshop, zu den Brandungsübungen und der jeweiligen Einweisungsfahrt zur Verfügung gestellt, in denen zu konkreten Problemen des Küstenkanuwanderns konkrete Antworten zu finden sind.

 

In der Tat, der größte „Plattfisch“, der im Rahmen dieser Ausbildung zu schlucken ist, das sind die „Trockenübungen“ daheim am Schreibtisch, d.h. die „Hausaufgaben“. Der Terminus "Hausaufgaben" stellt dabei nicht das Problem dar, denn er verleitet die meisten - wegen der Erinnerung an alte Schulzeiten – eher zum Schmunzeln, als zur Wiedererweckung verborgener Ängste, die sofortige Lernblockaden zur Folge haben.

 

Wer dennoch eine andere Bezeichnung für „Hausaufgaben“ parat hat, der möge sie mir vorschlagen. Ich denke z.B. an „Case-Studies“. Die passen auf alle Fälle rein sprachlich besser zum „Workshop“. Ich müsste dann nur noch für die anderen Ausbildungsabschnitte die entsprechend dazu passenden Termini finden, z.B. „Rescue-Training“, „Surf-Session“ und „Expedition-Management“!?

 

Viele Wege führen nach Rom

 

Dieses Küstenkanuwanderausbildungskonzept ist auf mein Können und meinen Wissensstand abgestimmt ist. Andere Ausbilder können mein Konzept aufgreifen oder - wie wir es bei Eckehard Schirmer (LKV Schleswig-Holstein) und Rolf Doliner (LKV Niedersachen) sehen - ein eigenes entwickeln, das ihren Fähigkeiten eher Rechnung trägt. Ich will da nicht hineinreden und keinen demotivieren. Was spricht dagegen? Auch bei EPP gilt: "Viele Wege führen nach Rom!"

 

In der Schulbildung wird uns das ja von den Professionellen vorgemacht. Jedes Bundesland hat ein anderes Konzept, das häufig nach einer jeder Wahl wieder zur Disposition steht. Warum sollen wir Amateure ihnen gleich tun und z.B. Lehrpläne erstellen und Lehrmaterialien bereitstellen. Hinter dem EPP steckt doch kein "Paddelabitur" … und wenn doch, dann müssen wir uns fragen lassen, warum selbst das den Hochschulzug regelnde Abitur in jedem Bundesland unter anderen Voraussetzungen durchgeführt wird.

 

M.E. genügt es, wenn jeder Ausbilder die stichpunktartig festgelegten Vorgaben des EPP einhält:

 

è www.kanu.de/go/dkv/_ws/mediabase/downloads/freizeit/EPP/6_EPP-Voraussetzungen_Stufe_3.pdf

 

(1) Wie viel Theorie & Praxis er dabei seinen "Schülern" in welcher Zeit vermittelt?

(2) Wie hoch der mündliche, schriftliche oder praktische Anteil sein soll?

(3) Wie er die Prüfung gestaltet, ob übungsbegleitend oder extra angesetzt, u.U. zu einem anderen Termin, u.U. von Prüfern, die nicht mit den Ausbildern identisch sind?

(4) Ob er eine schriftliche oder nur praktische Prüfung ansetzt und wie umfangreich diese Prüfung(en) sein sollen?

 

Ja, das braucht nicht europaweit vorgegeben zu werden, nur damit alles einheitlich aussieht. Eigentlich sollte das der Ausbilder selber bestimmen dürfen. Hauptsache seine "Schüler" kommen später vom Festland über die Inseln wieder ans Festland zurück, egal ob mit dem eigenen Seekajak oder dem Fährschiff, aber bloß nicht per SAR-Hubschrauber!

 

Selbst wenn der EPP 3 (Küste)-Schein zum Führerschein „mutierte“, den alle benötigen, wenn sie auf ein Großgewässer hinaus paddeln wollen, bestände kein Bedarf nach einer völligen Vereinheitlichung. Es genügte, lediglich einen Fragenkatalog herauszugeben, den ein Prüfling mit einer bestimmten Quote richtig zu beantworten hat. Wie das aussehen könnte, dafür gibt es genügend konkrete Beispiele (z.B. PKW-Führerschein, Sportbootführerschein, Pyro-Schein). Aber bis zur Einführung eines „Küstenkanuwanderführerscheins“ werden wohl noch viele Sturmfluten in der Deutschen Bucht zu beobachten sein; denn notwendig wird er m.E. erst dann, wenn sich beim Küstenkanuwandern die Seenotfälle häufen …. aber dafür gibt es Null Hinweise.

 

Text: Udo Beier (DKV-Referent für Küstenkanuwandern)