26.12.2013 Übers Trimmen von Skeg-Seekajaks (Ausbildung)

 

Es ist wichtig, ein Seekajak zu trimmen, damit es bei Wind möglichst neutral läuft und nicht giert (è Luv- / Leegierigkeit).

 

Das gilt für Steuer-Seekajaks; denn bei einem neutral getrimmten Seekajak brauchen wir zur Korrektur weniger bremsende, d.h. Wasserwiderstand erzeugende Steuer-Ausschläge vorzunehmen. Und das gilt erst recht für Skeg-Seekajaks ; denn dann sind wir weniger oft genötigt - den Geradeauslauf verlangsamende - Steuer-Schläge mit dem Paddel einzusetzen (è Bogen- statt Vorwärtsschläge), bzw. beim Paddeln weniger zu kanten, was auf die Dauer nicht nur sehr ermüdend ist, sondern auch zusätzlich den Wasserwiderstand erhöht.

 

Wie trimme ich nun insbesondere ein Seekajak, welches mit einem verstellbaren Skeg ausgerüstet ist? Als erstes müssen wir den Punkt finden, bei dem ein in die Luft gehobenes Seekajak genau im Schwer-/Gleichgewichtpunkt (è „Trimmpunkt“) liegt. Es handelt sich dabei zunächst einmal um einen „vorläufigen“ Trimmpunkt, also um Trimmpunkt Nr. 1; denn den „endgültigen“ Trimmpunkt finden wir meist nicht auf Anhieb, sondern nur stufenweise!

 

Je nachdem, ob das Seekajak gerade leer (è Leerfahrt/Spritztour) oder mit Gepäck (è Gepäckfahrt/Küstenwandertour) gepaddelt wird, gehen wir bei der Bestimmung des endgültigen Trimmpunkts etwas unterschiedlicher vor.

 

Trimmen vor und während einer Spritztour

 

Am besten wird gleich nach Kauf eines Skeg-Seekajaks für das vollkommen leere Seekajak der Trimmpunkt ermittelt, indem wir das leere Seekajak am Süllrand mit beiden Händen hochheben und nach der Stelle am Süllrand suchen, wo das Seekajak im Gleichgewicht liegt, d.h. in der Luft schwebt, ohne dass Bug oder Heck den Boden berühren. Dies ist der „1. vorläufige Trimmpunkt“. Diesen Punkt merken wir uns. In der Regel liegt er genau in Höhe der Sitzvorderkante, aber das braucht nicht für jedes Seekajak zuzutreffen.

 

Anschließend gehen wir bei Wind ab 3-4 Bft. paddeln und prüfen bei einem Seitenwindkurs, ob das leere Seekajak bei diesem Trimmpunkt luv- oder leegierig ist, also entweder mit dem Bug zum Wind oder weg vom Wind dreht.

 

Wenn das Seekajak auch noch bei halb herunter gelassenem Skeg luv- oder leegierig ist, liegt ein "Konstruktionsfehler" vor; denn nun müssen wir z.B. bei Luvgierigkeit im Heckstauraum zusätzliches Gewicht (Gepäck) verstauen, und zwar stufenweise solange, bis es endlich neutral läuft, d.h. nicht mehr giert (Anmerkung: Bei Leegierigkeit ist entsprechend im Bugstauraum zusätzliches Gewicht zu verstauen!). I.d.R. ist das nicht weiter schlimm; denn auch bei Tagestouren nehmen wir ja auch stets etwas Gepäck mit. Das müssen wir bei Luvgierigkeit dann halt hinten und nicht vorne verstauen; denn wenn wir es vorne verstauen, sinkt der Bug tiefer ins Wasser und das Heck ragt mehr aus dem Wasser heraus. Genau das aber führt dazu, dass unser Seekajak noch stärker luvgierig wird; denn der Wind drückt das hoch herausragende Heck weg, was dazu führt, das der Bug Richtung Wind dreht (= luvgierig).

 

Bei der Behebung der Luvgierigkeit des leeren Seekajaks gehen wir wie oben angedeutet stufenweise vor: Wir landen mit dem luvgierigen Seekajak an und packen soviel Gewicht in den Heckstauraum, dass der 1. Trimmpunkt sich um einen Handbreit nach achtern verschiebt. Das ist dann der 2. vorläufiger Trimmpunkt. Anschließend wird wieder bei dem mindestens 3-4 er Wind gepaddelt und bei einem Seitenwindkurs geprüft, ob das Seekajak immer noch giert. Wenn es nicht mehr giert, haben wird mit dem 2. Trimmpunkt den endgültigen Trimmpunkt gefunden, der zumindest gültig ist, wenn nur Tagesgepäck verstaut wird. Diesen endgültigen Trimmpunkt sollten wir uns genau merken. Auf alle Fälle ist er jener Trimmpunkt, der bei Spritztouren eingehalten werden sollte.

 

Nachtrimmen während einer Küstenwandertour

 

Irgendwann werden wir mit unserem Seekajak auf eine mehrtätige Gepäckfahrt gehen. Wir packen das Seekajak so, dass es bei genau dem für das leere Seekajak endgültig ermittelten Trimmpunkt im Gleichgewicht liegt.

 

Da das Seekajak inkl. Fahrtengepäck zu schwer ist, um es allein anzuheben, legen wir z.B. einen Tragegurt genau in Höhe dieses Trimmpunktes unter das Seekajak und heben es dann mit Hilfe eines Mitpaddlers an. Liegt das Seekajak nicht im Gleichgewicht, müssen wir möglichst kleinere, aber schwere Gepäckstücke (z.B. 1-2 Liter Trinkwasserbehälter) so von vorne nach hinten (bei Buglastigkeit è Luvgierigkeit) bzw. von hinten nach vorne (bei Hecklastigkeit è Leegierigkeit) umlegen, bis das Seekajak beim dem vorgegebenen Trimmpunkt im Gleichgewicht liegt. Dann paddeln wir los.

 

Giert das Seekajak, müssen wir den Trimmpunkt ermitteln, der für unser beladenes Seekajak gilt. D.h. ist das voll beladene Seekajak bei dem Trimmpunkt, der für das unbeladene Seekajak gültig ist, z.B. luvgierig, müssen wir den Trimmpunkt stufenweise, d.h. handbreit für handbreit nach achtern verschieben, bis es in der Waage liegt. Anschließend müssen wir uns den endgültig für das beladene Seekajak ermittelten Trimmpunkt genau merken. Er ist nämlich der Trimmpunkt, der bei zukünftigen Gepäckfahrten für den Trimm maßgebend ist.

 

Erstmaliges Trimmen zu Beginn und während einer Küstenwandertour

 

Folgende Situation ist nicht ganz ungewöhnlich: Zu Beginn einer Gepäckfahrt klagt ein Kanute darüber, dass sein Seekajak stets luvgierig bzw. (was seltener passiert) leegierig ist. Wir heben daraufhin sein beladenes Seekajak an und prüfen, bei welchem Punkt es in der Waage liegt.

 

Liegt das Seekajak in Höhe der Sitzschalenvorderkante in der Waage, ist für's erste, alles okay! Wir merken uns aber diesen 1. Trimmpunkt. Handelt es sich jedoch bei dem Sitz um solch einen, dessen Sitzschale sehr lang und fast bis zu den Knien reicht, suchen wir die "imaginäre" Sitzvorderkante, und die liegt etwa 4 Finger breit vor dem Schritt des Kanuten, wenn er in seiner Sitzluke sitzt.

 

Stimmt der 1. Trimmpunkt mit dem ermittelten Gleichgewichtspunkt überein, ist zunächst erst mal alles okay! Ansonsten sollte stufenweise solange umgepackt werden, bis der Gleichgewichtsschwerpunkt mit diesem 1. Trimmpunkt übereinstimmt.

 

Nun wir losgepaddelt. Wenn das Seekajak bei diesem 1. Trimmpunkt luvgierig ist, und zwar auch dann, wenn das Skeg zur Hälfte herausgefahren ist, wird während einer Pause bzw. zu Beginn des nächsten Tages soviel schweres Gepäck nach achtern verstaut, bis dass der 1. Trimmpunkt etwa eine Handbreit nach achtern verschoben wird .... Das erfolgt stufenweise, und zwar so lange, bis dass nach dem 2., 3. Trimmpunkt … schließlich der endgültige Trimmpunkt gefunden wurde.

 

Übrigens, wenn das Seekajak leegierig ist, muss stufenweise der Trimmpunkt "handbreit"-weise Richtung Bug verschoben werden.

 

Erstmaliges Trimmen während einer Gepäckfahrt

 

Folgende Situation tritt immer wieder auf: Während einer Gepäcktour klagt ein Mitpaddler, dass sein Seekajak luvgierig ist. Sofort nach dem Anlanden während einer Pause bzw. gleich am Ende der Tagesetappe, also bevor es entladen wird, wird für dieses beladene Seekajak der 1. Trimmpunkt ermittelt. Noch während der Pause bzw. gleich zu Beginn der nächsten Tagesetappe wird soviel Gepäckgewicht nach achtern verlagert, dass der 2. Trimmpunkt etwa eine Handbreit nach achtern verschoben wird. Läuft dann das Seekajak neutral, ist dieser 2. Trimmpunkt der endgültige Trimmpunkt. Ist es dagegen immer noch luvgierig, wird soviel Gepäck nach achtern verlagert, dass der 3. Trimmpunkt eine Handbreit hinter dem 2. Trimmpunkt liegt .... usw. usf. Ist das Seekajak jedoch plötzlich leegierig ist eine Rückverlagerung von Gewicht erforderlich, und zwar so, dass der Trimmpunkt um ca. 2 Finger-Breite nach vorne rückverschoben wird.

 

Deckslast versaut den Trimm!

 

Eigentlich darf ein Skeg-Seekajak nicht mit Deckslast gepaddelt werden; denn die Deckslast verändert den Trimm. Z.B. ein leichter, voluminöser Gepäcksack auf dem hinteren Deck fördert durch seinen Windwiderstand ebenso die Luvgierigkeit wie ein hochgezogenes „Heckumklapp-Steuerblatt“. Und ein ganz schwerer, aber weniger voluminöser Gepäcksack auf dem Achterdeck fördert die Leegierigkeit.

 

Das Skeg eines Seekajaks ist i.d.R. aber nicht so ausgelegt, solche durch Deckslast verursachte Vertrimmung zu neutralisieren. Vielmehr ist es meist nur so dimensioniert, dass es etwaig zu beobachtende Luv- bzw. Leegierigkeit nur dann kompensieren kann, wenn das Seekajak ohne Decklast bei halb heruntergelassenem Skeg neutral läuft.

 

Bewusstes Vertrimmen

 

Beim Surfen ist es manchmal ganz angenehmen, wenn das Seekajak etwas "hecklastig" getrimmt ist. Dann wird es nicht nur leegierig, was bei Rückenwind von Vorteil ist, sondern der nunmehr leichtere Bug bohrt sich beim Surfen nicht so leicht in die vor einem rollenden Wellen.

 

Eine solche Hecklastigkeit kann auch von Vorteil sein, wenn gegen steiler Windsee angepaddelt oder durch die Brandung hinaus gepaddelt wird; denn dann steigt der Bug leichter über die Wellen bzw. Brecher, statt stets durch jede Welle bzw. jeden Brecher zu bohren.

 

Wehe aber, wenn dann zwischendurch ein Seitenwindkurs zu paddeln ist; denn dann ist das Seekajak auf „Leegierigkeit“ getrimmt und wir müssen hart Paddeln, um z.B. mit Bogen- bzw. Konterschlägen oder mit Bug- bzw. Heckruder unser Seekajak auf Kurs zu halten. Wenn dann der Wind an Stärke zunimmt, bleibt den anderen Mitpaddlern manchmal nichts anderes übrig, als den Kanuten mit dem leegierigen Seekajak zum angepeilten Ziel zu schleppen oder – wenn sie dazu keine Lust haben – einen anderen Kurs einzuschlagen und ein neues Ziel anzupeilen.

 

Text: Udo Beier