03.02.2014 Imitationsentscheidungen (“Herdentrieb“) (4) (Ausbildung)

 

Was ist nun unter dieser vierten Variante „risikobehafteter Entscheidungen“ zu verstehen?

 

Ich paddelte einst an einem verlängerten Wochenende mit einer Gruppe rund Neuwerk. Da rief ein Kanute bei mir zu Hause und erkundigte sich, ob ich denn unterwegs auf dem Wasser sei, obwohl doch Gewitter vorhergesagt werden. Als ihm gesagt wurde, dass ich dennoch losgepaddelt sei, verabschiedete sich der Kanute, merkte aber zum Schluss an, dass er dann wohl auch lospaddeln werde!? Ja, das ist der für mich krasseste Fall einer „Imitationsentscheidung“, der ich je begegnet bin. Ein etwas harmloserer Fall ist jener:

 

Wir erreichen den Ausgangspunkt (am Festland oder auf einer Insel), von dem wir zu einer mehrtägigen Tour hinaus aufs Meer starten wollen. Es windet & wellt stärker als uns lieb ist bzw. der Seewetterbericht prognostiziert Gewässerbedingungen, die für uns grenzwert sind. Was uns bleibt ist:

 

 

Da trifft plötzlich eine andere Gruppe von Küstenkanuwanderern am Startort ein, holt die Seekajaks von den Autos, verstaut in den Seekajaks das Gepäck und paddelt los. Dann kommt die nächste Gruppe, die packt, startet und verschwindet schließlich mit ihren Seekajaks am Horizont usw. usf. Wetten, irgendwann werden wir schwach und setzen uns auch in unsere Seekajaks?

 

Außer es tritt plötzlich die folgende Situation ein: Eine Gruppe kommt per Pkw angefahren, packt die Seekajaks, schnallt aber anschließend die Bootswagen unter die Boote und wartet auf die nächste Fähre bzw. verschwindet hinterm Deich, um dort zu biwakieren.

 

Richten wir unsere Entscheidung an den Entscheidungen anderer aus, liegt eine „Imitationsentscheidung“ vor. Solch ein Entscheidungsmuster kann nicht von vornherein als kritisch betrachtet werden, zumindest solange nicht, wie wir die anderen nicht „blind“ imitieren bzw. wie wir uns dadurch nicht in Gefahr begeben.

 

„Imitationsentscheidungen“ treffen eher die „unsicheren“, weniger erfahrenen Küstenkanuwanderer. Sie greifen auf die Erfahrungen Dritter zurück und profitieren auf diese Weise von deren Erfahrungsschatz. Solange sie die Entscheidungen Dritter kritisch hinterfragen und dann eine eigene Entscheidung treffen, und zwar eine Entscheidung, die die Leistungsfähigkeit der eigenen Gruppe in den Mittelpunkt stellt, ist das okay.

 

Siehe hierzu auch den Beitrag „Risikobehaftete Entscheidungen“:

è www.kuestenkanuwandern.de/ausbild/131125.html

 

Text: Udo Beier