09.04.2014 Startvarianten mit Seekajak (Ausbildung)

 

Um in’s Seekajak zu steigen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Z.B.:

 

(1) Wir steigen von Land (Böschung, Steg, Hafenmauer) aus ins schon schwimmende Seekajak.

 

Je steiler die Böschung, je höher der Steg bzw. die Hafenmauer ist, desto geschickter muss ein Kanute sein. Diejenigen, die nur mit dem Paddel, ausgelegt am hinteren Süllrand, einsteigen können, werden dann wohl Probleme bekommen. Da eine solche Einstiegsmethode sehr stark das Paddel belastet, sodass ein Bruch des Paddelschafts – insbesondere bei geteiltem Paddel - nicht auszuschließen ist, empfiehlt es sich zu erlernen, wie wir auch ohne Paddelausleger ein- (und natürlich auch aus-)steigen können.

 

(2) Wir steigen an Land (Böschung, Steg, Strand) in das noch an Land liegende Seekajak und rutschen dann ins Wasser bzw. robben uns ins Wasser vor.

 

Diese Art „Robbenstart“ wird in dem Video von Mitch Mitchell demonstriert:

 

www.youtube.com/watch?v=4bqFjEK3mnE („Robbenstart“)

 

(3) Wir schieben das Seekajak ins knietiefe Wasser, bugsieren es zwischen unsere Beine und steigen in die Sitzluke.

 

Bei genügend großer Sitzluke (je nach Beinlänge so ab ca. 80 cm innere Sitzlukenlänge) können wir uns auch direkt in die Sitzluke setzen und dann die Beine nachziehen, während wir mit dem Paddel versuchen, unser Gleichgewicht zu halten. Bei kleiner Sitzluke setzen wir uns auf den hinteren Süllrand, wo das Paddel als Ausleger platziert ist, und versuchen zuerst die Beine und dann das Gesäß so in die Sitzluke zu bugsieren, dass wir weder auf unserem Spritzdeckenteller noch auf unserer Rückenlehne sitzen werden.

 

(4) Wir schieben das Seekajak ins Wasser, springen danach hinter her ins Wasser und steigen dann – nachdem wir mehr oder wenig lang mit dem Seekajak hinausgeschwommen sind -vom Wasser aus ins Boot.

 

Der Wiedereinstieg erfolgt z.B. über Reentry & Roll, Paddle-Float-Wiedereinstieg, „Cowboy-Wiedereinstieg“. Wie so ein „Cowboy-Wiedereinstieg“ selbst bei Seegangsbedingungen gelingt, können wir im folgenden Video eindrucksvoll beobachten:

 

www.youtube.com/watch?v=eCC-oX-OsWg („Cowboy-Wiedereinstieg“)

 

Ein weitere Startvariante, den sog. „Blitzstart“ („Speed Launch“/“Cowboy-Start“), wird in dem folgenden Video von Leon Sommé & Shawan Franklin demonstriert:

 

www.youtube.com/watch?v=Y6Lo8jOSJ0c („Cowboy-Start“)

 

Wie dort im Video auf das Seekajak „gehechtet“ wird, ist nicht weniger eindrucksvoll. Diese Art „Cowboy-Start“ setzt natürlich die Beherrschung des „Cowboy-Wiedereinstiegs“ voraus und dieser funktioniert nicht so spielerisch leicht, wie im Video demonstriert wird, sondern erfordert:

 

 

Ich frage mich nur, wo wir diesen „Cowboy-Start“ anwenden können. Bislang bin ich stets auch ohne „Cowboy-Start“ in mein Seekajak gekommen, und zwar ungünstigstenfalls höchstens mit nassen Füssen. Unter Umständen hilft uns der „Cowboy-Start“, wenn an das Ufer bzw. den Strand ein einziger kräftiger Brecher („Dumper“) anrollt, den es gilt, mit dieser Art „Blitzstart“ schnell zu überwinden?! Wahrscheinlich wurde dieser Art „Blitzstart“ von den „Sit-on-Top“-Kanuten kopiert. Aber auch bei diesen SoT-Kanuten scheint eine solche Startmethode nicht immer zu gelingen, wie uns das Video von Jasper Pons demonstriert:

 

www.youtube.com/watch?v=Zq6gLujwBHg (SoT-Startversuche)

 

(5) Wir setzen uns am Spülsaum in unser Seekajak und lassen uns von Dritten ins Wasser schieben.

 

Diese Startvariante bietet sich insbesondere bei steileren Böschungen, unwegsamen Gelände bzw. bei Brandungsbedingungen an:

 

https://plus.google.com/photos/112133179186774955122/albums/5605043464275056433/5605043470420961138?banner=pwa&pid=5605043470420961138&oid=112133179186774955122 (4 Fotos von Freya Hoffmeister) („Robbenstart“ mit „Starthilfe“)

 

Wenn der „Starthilfe“ leistende Dritte jedoch zur Paddelgruppe gehört, bleibt er schließlich als einziger zurück, der dann sehen muss, wie er solo mit seinem Seekajak ohne „Starthilfe“ durch die Brandung hinaus aufs Wasser kommt (z.B. per „Robbenstart“). Es ist daher bei solchen Startbedingungen dafür zu sorgen, dass nur erfahrene Mitpaddler „Starthilfe“ leisten und dass derjenige, der als letzter startet, sich vorher möglichst schont, damit er zum Schluss noch die Kraft hat, allein per „Robbenstart“ starten zu können.

 

Übrigens, diese „Starttaktik“ entspricht der „Brandungsfahrtenregel“:

 

„Last out, first in“

 

die besagt, dass bei Brandungsbedingungen der Erfahrenste als letzter startet (damit er den weniger erfahrenen Mitpaddlern „Starthilfe“ geben kann) und später am Ende einer Etappe als erster anlandet (damit er den anderen beim Anlanden helfen kann, um zu vermeiden, dass sie noch ganz zum Schluss in der Brandung quer schlagen, kentern und dann samt Seekajak von der Brandung den Strand hoch & runter gekullert werden).

 

Text: Udo Beier