25.04.2014 Brandungspaddeln: Gefahren & Basiskönnen (Ausbildung)

 

Das Gefährliche beim Brandungspaddeln ist die Verletzungsgefahr, die hauptsächlich bei einer:

 

 

passieren kann. ( http://forum.kanu.de/showthread.php?t=15905 )

 

Basiskönnen: Prophylaxe, Starttechnik, Paddelschläge

 

Die wirksamste Prophylaxe gegen Verletzungen beim Fahren in der Brandung besteht darin:

 

 

Es handelt sich hier um Varianten, die ab einer gewissen Brecherhöhe selbst erfahrene Brandungspaddler wählen.

 

Wen dennoch die Brandungsfahrt reizt, – wofür ich großes Verständnis habe, denn der „Zweikampf“ mit einem Brecher ist einfach kurzweiliger, als die Suche nach der nächsten Fahrwassertonne bzw. das Warten auf einen neben einem auftauchenden Seehund bzw. auf eine vor einem stoßtauchende Seeschwalbe –, der sollte sich nicht damit begnügen, darauf zu achten, den Brechern auszuweichen. Vielmehr sollte er sich erst einmal die nötigen:

 

 

aneignen, die wichtig sind, um bei der Fahrt in der Brandung nicht zum Spielball der Brecher zu werden.

 

Starttechniken

 

Die Anwendung der Paddelschläge setzt jedoch erst einmal voraus, dass es einem gelingt, z.B. – so wie es für die deutschen Nord- und Ostseeküste typisch ist - vom Sand- bzw. Kies-Strand aus in die Brandung zu starten. Voraussetzung dafür ist die Beherrschung des „Robben-Starts“:

 

(a)  Wenn nicht, z.B. wenn die einlaufenden Wellen schon draußen vor einer Untiefe (è Sandbank) brechen, dann ist der Startvorgang weniger anspruchsvoll: Wir schieben unser Seekajak z.B. bis ins knietiefe Wasser, setzen uns – ohne die Balance zu verlieren – in unser Seekajak, schließen die Spritzdecke und paddeln vor bis zu den ersten Brecher, die es gilt, mit richtig eingesetzten Vorwärtsschlägen zu überwinden.

(b)  Wenn dem Strand keine Untiefe vorgelagert ist, dann wäre es sehr hilfreich, wenn ein erfahrener Mitpaddler, der vom Timing der einlaufenden Brecher Ahnung hat, einen vom Strand hinein in die ersten Brecher schiebt. Ansonsten sind wir auf uns allein gestellt:

1) Wir schieben unser Seekajak soweit ins Wasser, dass es noch Grundberührung hat, wenn wir in der Sitzluke Platz nehmen. Unser Seekajak sollte dabei so gegen die einlaufenden Brecher und das hineinströmende Wasser ausgerichtet sein, dass es nicht sofort quert treibt. Dann schließen wir die Spritzdecke und starten, indem wir uns mit einer Hand vom Grund und mit der anderen Hand mit dem Paddel vom Grund abstoßen und nach vorne Richtung Wasser robben (è „Robbenstart“).

2) Manchmal klappt das sofort; manchmal kämpfen wir dagegen an, dass unser Seekajak von Welle & Wasser quer getrieben wird; und manchmal verlieren wir den „Kampf“ und treiben quer. Vielfach dreht unser Seekajak soweit, dass der Bug wieder zum Strand zeigt, sodass wir bei entsprechend schneller Reaktion die Chance hätten, sogar rückwärts durch die Brandung hinaus zu paddeln.

3) Meist bleibt uns bei einem quer getrieben Seekajak nichts anderes übrig, als auszusteigen, unser Seekajak wieder zu den Brechern auszurichten und erneut den Start zu versuchen.

4) Oder wir versuchen doch noch mit allen Tricks, das quer getriebene Seekajak wieder Richtung der Brecher auszurichten. Mitch Mitchell zeigt in seinem Video, wie das funktionieren könnte:

 

http://www.youtube.com/watch?v=4bqFjEK3mnE

 

Er legt sein quer getriebenes Seekajak auf die Seite, d.h. er kantet im Flachwasser an, und dreht dann den Bug wieder in Richtung der Brecher.

5) Wenn der Start gar nicht klappen will, sollten wir bei Tidengewässern einfach eine Zeit warten, bis sich die Brandungsbedingungen verändert haben, oder wir sollten wieder aussteigen und unser Seekajak zu einer Strandstelle ziehen, wo u.U. die Brandungsbedingungen weniger kritisch sind.

 

Paddelschläge

 

Wenn es uns gelungen ist, unser Seekajak vom Grund zu lösen und mit ihm im etwas tieferen Wasser Fahrt aufzunehmen, kommt es darauf an, die folgenden Paddelschläge so einzusetzen, dass wir in der Brandung nicht kentern bzw. mit Dritten (è Mitpaddler, Kiter/Surfer, Schwimmer) zusammenstoßen.

 

Natürlich ist der Vorwärtsschlag auch wichtig bei der Fahrt am Rande der Brecherzone, also dort wo die ankommenden Wellen gerade noch unter uns durchrollen, bevor sie brechen. Sollte wir nämlich bemerken, dass eine Welle schon früher aufsteilen und brechen wird (was i.d.R. bei jeder „7. Welle“ der Fall ist), können wir mit kräftigen Vorwärtsschläge versuchen zu beschleunigen, um so in einen Bereich zu kommen, wo die Wellen noch nicht brechen. Wem dann die Kraft zum Sprinten fehlt, der sollte wenigstens das Stützen mit dem Paddel beherrschen.

 

 

http://www.youtube.com/watch?v=I3KPF2r3S5w (flache u. hohe Stütze)

http://www.youtube.com/watch?v=8yM2GzBB4QY (hohe Stütze)

 

Die Paddelstütze brauchen wir aber auch dann, wenn wir beim Surfen eine Kurve einzuleiten wollen, sei es, um bei Surfen nicht zu kentern bzw. um nicht mit einem Dritten zu kollidieren:

 

http://www.youtube.com/watch?v=UMQVwcv-yV0 (Kurskorrektur mit flacher Stütze)

http://www.youtube.com/watch?v=_AkhRmUkBCs (Kurskorrektur mit hoher Stütze)

 

Und was machen wir, wenn wir merken, dass wir den anrauschenden Brecher nicht überstehen werden, weder beim „Seitwärtssurf“ noch bei der „Flucht nach vorne“? Nun, bei entsprechender Erfahrung werden wir das schon zeitig genug merken; denn wir beobachten ja während der ganzen Fahrt die vor uns liegende Brandungszone und erkennen sehr schnell, wo und wann sich Brecher aufbauen können. Also würden wir bei „Brechergefahr“ schon vorher die Fahrt unseres Seekajaks mit ein paar Konterschlägen abbremsen, so dass der für uns gefährlich werdende Brecher vor uns vorbeirauschen kann. Der weniger Erfahrene merkt das meistens erst dann, wenn es zu spät ist. Ihm bleibt dann nichts anderes übrig, als mit ein paar Bogenschlägen zum Brecher hin zu kurven, um den Brecher direkt von vorne zu nehmen! Stattdessen könnte er aber auch versuchen, mit den folgenden Ruder-Schlägen die Kurve einzuleiten.

 

 

http://www.youtube.com/watch?v=t_yrg-xkRXM (Heck-Ruder)

http://www.youtube.com/watch?v=4a-5PKbyDLc (Heck-Ruder)

http://www.youtube.com/watch?v=fKhENDvpnmA (Heck-Ruder: 2 Varianten)

http://www.youtube.com/watch?v=iGmQjKKuh10 (Bug-Ruder)

 

6 Schritte zur Paddelstütze

 

Von all diesen drei Paddelschlägen (è Vorwärtsschlag, Paddelstütze, Ruder-Schlag) ist die Ausführung der Paddelstütze anfänglich mit der größten Kentergefahr verbunden. Deshalb sollte beim Erlernen der Paddelstütze nach den folgenden 6 Schritten vorgegangen werden:

 

  1. Üben der Paddelstütze im Trockenen, d.h. auf einer Wiese oder am Strand, wobei zunächst die flache Paddelstütze, danach die hohe Paddelstütze und schließlich beiden Paddelstützen im Wechsel, und zwar sowohl links als auch rechts geübt werden sollte.
  2. Anschließend ist im Flachwasser (max. 50 cm Wassertiefe) zu üben, und zwar sollte dabei genauso vorgegangen werden, wie vorher im Trockenen. Dabei werden wir feststellen, dass wir zunächst beim Stützen mit dem Paddelblatt stets den Grund berühren. Aber irgendwann funktioniert das Stützen dann auch ohne Grundberührung. Erst dann wird zum nächsten Schritt übergegangen.
  3. Üben aller Paddelstützen-Variationen im tiefen, unbewegtem Wasser. Das Wasser sollte dabei so tief sein, dass wir uns höchstens bei einer Kenterung mit dem Paddel vom Grund abstützen können.
  4. Danach wird das Stützen – noch außerhalb der Brandung - geübt, wenn unser Seekajak in Fahrt ist. D.h. wir nehmen mit unserem Boot Tempo auf und beginnen dann zunächst links, dann rechts zu stützen, und zwar flach, anschließend hoch. Dieser Übungsschritt ist erst dann abgeschlossen, wenn es uns gelingt mit dem einmal auf Tempo gebrachten Seekajak, d.h. mit einem Schwung, sowohl links als auch rechts, sowie flach und hoch zu stützen.
  5. So nebenbei, quasi als „Exkurs“, versuchen wir beim flachen und hohen Stützen das Paddel so einzusetzen, dass vom Paddelblatt eine bremsende Wirkung auftritt, die zu einer „Kurskorrektur“ führt.
  6. Nun suchen wir zunächst in kleinerer Brandung (max. 40 cm hoch) zu üben, d.h. wir paddeln einer Brandungskette entlang und lassen wir bewusst die Brecher unter unserem Seekajak durchrauschen. Dabei üben wir das flache und hohe Stützen zum Brecher hin, also auf der Seite, woher die Brecher kommen. Irgendwann werden wir das „Glück“ haben, dass ein Brecher uns seitwärts mitnimmt (è „Seitwärtssurf“). Das ist nicht weiter schlimm, wenn es uns gelingt, mit dem Paddel auf dem Brecher abzustützen. Dabei ist es wichtig, dass wir uns etwas Richtung Brecher legen. Je stärker der Brecher ist, desto mehr müssen wir uns dabei hin zum Brecher neigen. Ab einem Kopf hohen Brecher (ca. 80 cm) müssen wir uns u.U. um 90° zur Seite neigen, um nicht vom Brecher zur anderen Seite gedreht und damit umgeschmissen, d.h. gekentert zu werden.

 

Übrigens:

 

 

Wenn wir die flache und hohe Paddelstütze beherrschen, können wir uns langsam in immer höhere Brandung wagen und dort auch die Ruder-Schläge (insbesondere: Heckruder-Schläge) üben. Irgendwann beherrschen wir dann auch höhere Brandung und unsere Fahrt in der Brandung könnte dann so wie auf dem folgenden Video von Marc Adroher aussehen:

 

http://www.youtube.com/watch?v=s4KQ0RGh0GE (Costa Brava (Spanien)

 

oder vielleicht auch nur so wie auf dem Video von Jasper Pons:

 

http://www.youtube.com/watch?v=Zq6gLujwBHg

 

Was sollte beim Kentern in der Brandung beachtet werden?

 

Verletzungen bei einer Kenterung können wir dadurch vermeiden, dass wir möglichst nicht in Flachwasserbereichen der Brandung paddeln, die mit Hindernissen (è Felsen, Buhnen, Buhnenreste) durchsetzt sind. Natürlich können wir uns auch bei einer Kenterung über Sand- bzw. Kiesuntergrund verletzen, aber das gehört zum „Restrisiko“ einer Brandungsfahrt und ist nicht 100%ig vermeidbar, auch wenn:

 

 

Als Alternative bietet sich wohl an, draußen weiter weg vom Ufer, dort wo es tief genug ist, die Brandung aufzusuchen. Doch dort bricht die Brandung meist mit solcher Wucht, dass wir solche Bereiche nur dann aufsuchen sollten, wenn wir über genügend großer Brandungserfahrung (inkl. Rollerfahrung) verfügen; denn wer in solcher Brandung umgeschmissen wird, muss sicher rollen können; da die Anwendung von Partner-Rettungsmethoden dort nur mit großem Risiko verbunden ist.

 

Außerdem sollten wir beim Starten & Anlanden in der Brandung darauf achten:

 

 

dass sich dort nur ein, zwei Brecher bilden. Solche Brecher können nämlich mit großer Wucht aufs Ufer schlagen (è sog. „Dumper“), sodass Material- aber auch Körperschäden nicht ausgeschlossen werden können.

 

Schließlich empfiehlt es sich, dass ein erfahrener Mitpaddler einem beim Starten bzw. Anlanden durch die Brandung hilft (è Hilfestellung). Auf diese Weise kann das Risiko vermindert werden, dass wir:

 

 

… und wie lassen sich Kollisionen vermeiden?

 

Aber auch bei einer Kollision lässt sich weitgehend eine Verletzung vermeiden. Natürlich ist die beste „Kollisionsprophylaxe“:

 

 

Jedoch paddeln wir aber nicht immer so diszipliniert, dass 100%ig ein Zusammenstoß auszuschließen ist; denn das setzt voraus, dass wir nur dann:

 

 

Sollte dennoch eine Kollision nicht zu vermeiden sein, gilt es zu verhindern, dass das Seekajak eines heransurfenden Kanuten einen persönlich verletzen kann:

 

 

In einem Video zeigt uns Lian McNeil einen „Surf Kayak Crash“:

 

http://www.youtube.com/watch?v=WmXz6ODnTdo

 

bei dem wir deutlich sehen, wie ein Kanuten vergeblich versucht, ein heran surfendes Seekajak eines anderen Kanuten mit den Händen aufzuhalten. Glück gehabt bei diesem „Crash“! Die beiden Kanuten sind wohl dabei gekentert, aber sonst ist nichts passiert: Weder bohrte sich bei der Kollision der Bug des den Zusammenstoß verursachenden Seekajaks in die „Flanke“ des anderen Seekajaks, noch in den Oberkörper seines Kanuten.

 

Text: Udo Beier

Link: www.kanu.de/nuke/downloads/Brandungsfahren.pdf