30.04.2014 Seenotsignalmittel: Wie unterwegs lagern und 10 andere Probleme? (Ausbildung)

 

Es wir immer mal wieder die Frage gestellt, wie unterwegs auf einer Küstentour die mitgeführten pyrotechnischen Seenotsignalmittel zu lagern sind!?

 

Bei meinen Touren führe ich persönlich die folgenden pyrotechnischen Seenotsignalmittel mit:

 

 

Folgendes ist noch zum Thema Seenotsignalmittel anzumerken:

 

Wasserdichte Lagerung:

 

1.    Beim Kauf werden die Fackeln und Raketen in einer Schutzhülle ausgeliefert. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass - aus welchen Gründen auch immer - im Laufe der Zeit diese Schutzhüllen beschlagen und so zur Korrosion der Signalmittel beitragen können. Außerdem stellte ich beim Öffnen dieser Schutzhüllen fest, dass es mir manchmal nicht möglich war, mit kalten Fingern diese Schutzhüllen so weit zu entfernen, dass ich die Signalmittel herausholen konnte. Ich habe daher bei meinen Signalmitteln nach dem Kauf stets diese Schutzhüllen entfernt, auch wenn sie dann anderweitig kurzzeitig der Feuchtigkeit ausgesetzt werden können.

 

2.    Als eine wasserdichte Lageralternative bietet sich m.E. das früher übliche „Knierohr“ an, das unter dem Kartendeck einlaminiert wurde. In der Zwischenzeit ist es durch ein Gepäckfach mit Luke auf dem Kartendeck ersetzt worden. Leider kann dann das Seekajak nicht mehr mit der so effizienten fest installierten Lenzpumpe „Compaq“ auf dem Kartendeck ausgerüstet werden, sodass jeder selber entscheiden muss, für welche Alternative er sich entscheidet.

 

Haltbarkeitsdatum:

 

1.    In der Regel sind diese pyrotechnischen Signalmittel bis 3 Jahre nach Herstellung haltbar, richtige Lagerung vorausgesetzt. Wer Probleme mit der trockenen Lagerung seiner Signalmittel hat, muss u.U. damit rechnen, dass seine Signalmittel weniger als 3 Jahr funktionstüchtig bleiben. - Ich kenne drei „Silvester“-Fälle (einen davon habe ich selber – bei entsprechender Vorbereitung – erlebt), bei denen die Fallschirmsignalrakete von Küstenkanuwanderern nicht sofort nach Abschuss von ihrer Umhüllung sich lösen und wegfliegen konnte. Das eine Mal wurde die Rakete sofort weggeworfen und umkreiste dann auf die Erde die herumstehenden Neujahrsgäste. Ein anderes Mal verbrannte sich eine Frau die Hand, obwohl sie vorsorglich Handschuhe trug. Und das dritte Mal beobachtete ich bei einer Fernauslösung per Seilzug, dass die Rakete mindestens 5 Sekunden lang einen Feuerstrahl nach unten abgab, bevor sie sich aus der Umhüllung lösen und wegfliegen konnte.

 

2.    Insbesondere die Seenotsignalraketen bestehen aus Sprengstoff. Wer sie auslöst, muss damit rechnen, dass sie auch mal explodieren kann. Die Explosionsgefahr ist besonders groß, wenn das Haltbarkeitsdatum überschritten bzw. die Raketen feucht oder zu heiß (è Sonnenstrahlung) gelagert wurden. Es empfiehlt sich daher, beim Küstenkanuwandern mitgenommene Raketen, die feucht gelagert wurden, möglichst schon nach 2 Jahren, spätestens nach 3 Jahren zu entsorgen. Alles andere ist „Russisches Roulett“, wobei für jedes Jahr, das über das Haltbarkeitsdatum liegt, ins Magazin eine zusätzliche Patrone gesteckt wird.

 

3.    Übrigens, auch die Munition des NICOSIGNALs kann explodieren. So berichtete ich im KANU-FORUM von einem Fall, bei dem sich eine schon seit 5 Jahren abgelaufene Signalkugel Silvester nach dem Drücken des Auslösehebels nicht als Leuchtkugel, sondern als „Kanonenschlag“ entpuppte:

 

http://forum.kanu.de/showthread.php?t=4719&highlight=Nicosignal  Post #1

 

„Selber schuld!“ könnten wir meinen, aber bei meinen Gruppenfahrten habe ich des Öfteren schon feststellen können, dass bei manchen Mitpaddlern die NICO-Signalkugeln schon seit mehreren Jahren abgelaufen waren.

 

Zugriff:

 

1.    Seenotsignalmittel, die nicht griffbereit gelagert werden, sind nur bedingt einsatzbereit, und das erst nach einer zeitlichen Verzögerung. Unter Umständen führt das Herausholen der Signalmittel bei kritischem Seegang dazu, dass wir ebenfalls kentern bzw. dass in die geöffnete Luke größere Mengen Wasser eindringen können.

 

2.    Nur am Körper befestigte Signalmittel sind dazu geeignet, sofort eingesetzt zu werden, um z.B. auf eine Kollisionsgefahr hinzuweisen. Und nur am Körper getragene Signalmittel können im Falle einer Kenterung mit Verlust des Seekajaks genutzt werden.

 

3.    Auf Deck offene gelagert Signalmittel stellen an Land eine Gefahr da, da sie für jede Person und somit auch jedes Kind zugänglich sind. Wenn wir anlanden und uns von unserem Seekajak entfernen, sollten wir folglich die Seenotsignalmittel unsichtbar verstauen bzw. mitnehmen.

 

Schwachstellen:

 

1.    Pyrotechnische Signalmittel müssen von Dritten gesehen und als solche erkannt werden. Nachts sind insbesondere die bis zu 300 m aufsteigenden und bis zu 30-40 Sek. leuchtenden Signalraketen recht weit sichtbar (max. 55 km). Selbst die bis zu 80 m aufsteigenden und bis zu 6 Sek. leuchtenden Signalkugeln des NICOSIGNALs können noch max. 18 km weit gesehen werden. Aber „sehen“ bedeutet noch längst nicht „erkennen“ und tagsüber sind diese Signalmittel viel weniger weit sichtbar.

 

2.    Fahrtenleiter und solche Leute, die daheim auch für Dritte Verantwortung tragen, sollten sich daher nicht allein auf die Signalwirkung pyrotechnischer Signalmittel verlassen. In Anbetracht dessen, dass ein Handy entlang der Küste nicht immer einen Netzempfang hat (z.B. wenn ein „Kenterbruder“ im 1 m hohen Seegang schwimmt und mit seinem Handy Hilfe alarmieren möchte) und ein über ein UKW-Sprechfunkgerät abgesetzter Notruf nur dann gehört werden kann, solange Notruf-Sender und Notruf-Empfänger theoretisch in Sichtweite sind (è ein Funksignal reicht nicht über den Horizont hinaus!), sollten wir uns eher für einen Notsender entscheiden, dessen Signal über Satelliten weitergeleitet werden.

Als Geräte kommen „Seenotsender“ (Seenotbaken, PLB – Personal Locator Beacon, EPRIB – Emergency Position Indication Radio Beacon) in Frage, z.B. die beiden kleinsten Geräte:

 

„ACR ResQlink“

(Maße: 3,3x4,8x9,9 cm; 130 g; bis 10 m wasserdicht; 5jährige Batterielebensdauer)

 

„Ocean Signal rescueME PLB1“

(Maße: 3,3x5,1x7,5 cm; 116 g; bis 15 m wasserdicht; 7jährige Batterielebensdauer)

 

Sie passen in jede Tasche einer Schwimmweste (Preis: ca. 300,- Euro zzgl. Codierung). Lösen wir das Notsignal ausgelöst, wird es für mind. 24 Std. ausgestrahlt (bei -20°C). Die Alarmierungszeit beträgt ca. 5 Min. und die Positionsgenauigkeit dank eingebautem GPS-Modul ca. 75-100 m.

Nichtsdestotrotz sollten wir zusätzlich ein wasserdicht verpacktes Handy stets griffbereit dabei haben, um der für Deutschland zuständigen „SAR Seenotleitung (MRCC) Bremen“ telefonisch über die folgenden Nummern:

 

Festnetz-Nr. 0049421-536870 (auch international erreichbar)

Handy-Nr. 124-124 (nur über das deutsche Mobilfunknetz erreichbar)

 

den Seenotfall zu melden oder wegen einer kritischen Notsituation um Rat zu fragen.

 

Text: Udo Beier

Links zum Thema:

www.kanu.de/nuke/downloads/Signalmittel-Uebersicht.pdf

www.kanu.de/nuke/downloads/Signalmittel-Handhabung.pdf

www.kanu.de/nuke/downloads/Seenotsender-Geraete.pdf