04.08.2014 Einweisungsfahrten EPP 3 (Küste) (Ausbildung)

 

Mein Ausbildungsprogramm „EPP (Küste)“ ist für dieses Jahr abgehakt. Nach einem 2-tägigen Workshop „Küstenkanuwandern“ im März 2014, bei dem im Wesentlichen theoretische Kenntnisse vermittelt wurden, und den 2-tägigen „Brandungsübungen“ im Mai 2014, bei dem die Teilnehmer das Paddeln im brechenden Seegang übten, wurden neben einer 9-tägigen „Fortgeschrittenenfahrt Nordsee: Rund Ostfriesische Inseln“ im Mai, die als EPP 4 (Küste)-Kurse zählte:

 

http://forum.kanu.de/showthread.php?t=16057

 

zwei 4-tägige „Einweisungsfahrten Nordsee“ veranstaltet, und zwar:

 

 

Diese Einweisungsfahrten werden als „Küstenkanuwandertour“ konzipiert, während der die Teilnehmer durch „Learning by Doing“ zeigen müssen, dass sie – zunächst unter Anleitung – in der Lage sind, selbständig ein längere Etappe auf der Nordsee planen und später auch realisieren können.

 

Der „Langeness-Kurs“ profitierte von der guten Wetterlage dieses Sommers. Am ersten Tag ging es von Schlüttsiel über Hallig Oland zur Hallig Langeness (hier: Rixwarft). Anschließend wurde das Rüttergat gequert und bis an die Westseite von Amrum (Kniepsand) gepaddelt (ca. 35 km). Am zweiten Tag führte die Route nach Hörnum (Sylt) und nach einer Pause hinüber nach Föhr (West) (ca. 24 km. Am dritten Tag ging es auf die Norderaue Richtung Wyk (Föhr) und später rechts ab über das Nordmarschfahrwasser bis zur Rixwarft (Hallig Langeness). Nach einer Pause ging es direttissima hinüber zum Seglerhafen von Hallig Hooge (ca. 25 km). Am letzten Tag wurde zunächst zur Hallig Gröde und schließlich zum Fährhafen von Schlüttsiel gepaddelt (ca. 22 km).

 

Von 6 „Schülern“ waren zwei kurzzeitig zurückgetreten, sodass jeder „Schüler“, richtiger: Schülerin, einen ganzen Tag zeigen konnte, wie gut sie sich auf dem Meer zu Recht findet. Bis auf dem 2. Tag lief alles wie geplant ab. Am Tag gab es jedoch zwei Probleme: Zum einen musste einmal „WEISS“ geschossen werden, da sich ca. 4 km vor Hörnum bei hoher Stromkabbelung ein Ausflugsdampfer auf Kollisionskurs mit uns befand:

 

http://forum.kanu.de/showthread.php?t=16261

 

Zum anderen erlitt ein mitpaddelnder Gast bei der Querung des Hörnumtiefs von Sylt nach Föhr „Kreislaufprobleme“. Temperaturen von über knapp +30° C und Trockenanzug vertrugen sich wohl nicht so recht:

 

www.kanu.de/nuke/downloads/Sonnenschutz.pdf

 

Jedenfalls konnten daraufhin zwei „Schülerinnen“ zeigen, dass sie in der Lage waren, in einem solchen Fall per V-Schlepp einen geschwächten Kanuten über mehrere Kilometer durch den Seegang zu schleppen.

 

Ansonsten war an diesem Wochenende die DKV-Kanustation „Hooge“ fest in der Hand des „DKV“. Erst traf eine 3-Gruppe vom ACC-Hamburg ein, dann Eckehard Schirmer (LKV Schleswig-Holstein) mit seinen 8 Teilnehmern von „Rund um Amrum für Fitte“ und nach mir mit meinen 4 „Schülerin“ und 4 „Gästen“ tauchte noch ein Zweier von den Itzehoer Wasserwanderern auf.

 

Der ein Woche später stattfindende „Spiekeroog-Kurs“ profitierte ebenfalls vom norddeutschen Sommerwetter 2014. Leider traten von den 6 gemeldeten „Schülern“ nur vier den Kurs an. Lediglich die 4 „Gäste“ waren vollständig erschienen. Dafür hatte jeder „Schüler“ die Chance, einen ganzen Tag kreuz & quer durchs Wattenmeer zu navigieren (siehe hierzu die Aufzeichnungen von Reinhard Dummer über die täglich gewählte Route entlang den Inseln):

 

1. Tourentag (Neuharlingersiel - Spiekeroog – Langeoog (Seeseite)): https://lh3.googleusercontent.com/-FIhfOzOT9pU/U-oCQh150cI/AAAAAAAANN8/L_HOEhHWAHY/w958-h596-no/1.Neuharlingersiel-Langeoog.jpg

2. Tourentag (Langeoog – Baltrum (Seeseite)): https://lh4.googleusercontent.com/-l1p_yrAj_S8/U-oCQ4rFQdI/AAAAAAAANOA/nE_tlFFRHEE/w958-h509-no/3.Baltrum-Spiekeroog.jpg

3. Tourentag (Baltrum - Langeoog (Hafen) – (Wattseite) - Spiekeroog (Zeltplatz): https://lh5.googleusercontent.com/-YJRo-D3HNRs/U-oCQl1hT6I/AAAAAAAANOM/1LNNCqoIpPQ/w958-h536-no/2.Langeoog-Baltrum.jpg

4. Tourentag (Spiekeeroog – (Seeseite) - Wangerooge (Hafen) - Neuharlingersiel): https://lh6.googleusercontent.com/-xrBPXNWH5R8/U-oCRMMRm6I/AAAAAAAANOE/chOpG3QeUpM/w839-h605-no/4.Spiekeroog-Neuharlingersiel%281%29.jpg

 

Am ersten Tag ging es noch am Mittag vom Hafen von Neuharlingersiel los vorbei an Spiekeroog durchs Gat entlang der Seeseite nach Langeoog (Ort) (ca. 21 km). Am zweiten Tag wurde entlang der Seeseite hinüber nach Baltrum (Ort) gewechselt (ca. 9 km). Danach ging es seeseitig zurück über die Stromkabbelungen des Ebb-Deltas der Accumer Ee nach Langeoog zum Hafen und schließlich entlang des Langeooger Wattfahrwassers hinüber zum Zeltplatz von Spiekeroog (ca. 26 km). Am letzten Tag wurde dann Spiekeroog im Uhrzeigersinn – mit Zwischenstopp nahe des Hafens von Wangerooge – gerundet. Diese „Rundfahrt“ endete schließlich wieder im Hafen von Neuharlingersiel (ca. 31 km).

 

Eigentlich gab es für mich als Fahrtenleiter keine besonderen Vorkommnisse. Für den einen oder anderen war es jedoch wohl etwas irritierend, als unser Anlandevorgang an der im Westen des Langeooger Hafens liegenden Rampe abgebrochen werden musste, da plötzlich ein Transportschiff einlief und genau dort auch anlanden wollte. Wir wählten deshalb einen Steg des Sportboothafens zum Anlanden aus – nachdem wir den Hafenmeister um Erlaubnis baten -, vergaßen dabei aber an den leeren Stegen auf die Schilder zu achten, die Anzeigen, für wie lange die „Boxen“ frei sind.

 

Zum Schluss der Tour haben wir schließlich das erlebt, was uns Küstenkanuwanderer den ganzen lieben langen Sommer immer & immer wieder begleitet. Mal wird uns diese Wettererscheinung per Seewetterbericht angekündigt und manchmal auch nicht: nämlich die Gewitterwarnung. Dieses Mal gab es keine solche Warnung. Sie hierzu z.B. die 4-Tage-Prognose von:

 

www.wetteronline.de/segel > Nordsee > Deutsche Bucht > Ostfriesische Inseln

 

was uns nicht davor bewahrte, dass wir in der letzten Stunde vor Neuharlingersiel vom Gewitter überrascht wurden. Es blitzte & donnerte wohl „nur“ über dem Festland, aber wir paddelten ja bei der Annäherung an Neuharlingersiel ebenfalls dicht unter Land. Ja, was blieb uns anderes übrig, als weiter zu paddeln; denn ein Anlanden an der nassen & schlickigen Wattkante und eine Flucht über die ebenfalls nassen & schlickigen Lahnungsfelder sowie Salzwiesen bis über den Deich war nicht minder gefährlich. Wir paddelten also durch und hofften darauf, dass der Blitz, wenn das Gewitter schon aufs Wattenmeer hinaus zieht, sich eher eines der vielen Segelboote aussuchte, die gerade die Hochwasserphase nutzten, um auf dem Otzumerbalje-Wattfahrwasser über das Wattenhoch zu segeln.

 

Ja, wäre uns dieses Gewitter schon am frühen Morgen vor dem Start prognostiziert worden, dann hätten wir sicherlich die kürzeste Route hinüber zum Hafen von Neuharlingersiel gewählt. Und hätte uns das Gewitter während der Umrundung von Spiekeroog überrascht, dann wäre es wohl angebracht gewesen, je nach Fortschritt der Umrundung am nahen Strand von Spiekeroog oder im Hafen von Wangerooge das Gewitter abzuwarten oder aufs Fährschiff Wangerooge-Harlesiel bzw. direkt zum Hafen von Harlesiel zu flüchten.

 

Ansonsten müssen wir Küstenkanuwanderer Gewitter quasi als „Restrisiko“ ansehen.

 

 

Aber vielleicht liefert ein „Gewitter-App“ die Lösung für diese „Gefahr Nr. 3“ des Küstenkanuwanderns (nach Nr. 1 = Unterkühlung; Nr. 2 = Wind ab 6-7 Bft.; und vor Nr. 4 = Nebel)!? Vielleicht gibt es ja einen Forums-User, der ein Smartphone besitzt und eine App kennt, die über sich annähernde Gewitterzellen informiert! Wenn ja, dann wäre ich über einen Hinweis hier im KANU-FORUM dankbar!

 

Text: Udo Beier