13.11.2014 Gezeitenkunde (Ausbildung)

 

In KANU-SPORT, Nr. 11/14, S.20-22, bringt Siegfried Fuß in dem Beitrag:

 

„Ebbe und Flut, Niedrigwasser und Hochwasser. Tipps für Küstenpaddler“

 

ein paar Erläuterungen zu ausgewählten Begriffen der Gezeitenkunde. Z.B. können wir Folgendes lesen, was jedoch etwas missverständlich ist:

 

 

Wer Näheres über die Gezeiten erfahren möchte, der möge z.B. den 19-seitigen Beitrag von Kapt. P. Zahalka

 

„Gezeitenkunde“

www.vht-online.de/PDF/Papers/Gezeitenkunde_d.pdf

 

durchlesen. Hier finden wir etwas präziser, auf was die Entstehung der Gezeiten zurückzuführen ist, nämlich nicht nur auf die:

 

 

sondern auch auf die:

 

 

Das mit der „Massenanziehung“ ist weitläufig bekannt, während das mit den „Zentrifugalkräften“ häufig missverstanden wird.

 

Gemeint ist nämlich nicht die Zentrifugalkraft, die durch die Drehung der Erde innerhalb von 24 Std. um sich selbst erfolgt; denn dann müsste etwa in Höhe des Äquators immer Hochwasser und in der Nähe der Pole immer Niedrigwasser sein!

 

Vielmehr ist jene Zentrifugalkraft gemeint, die dadurch entsteht, dass sich die Erde zusammen mit dem Mond einer Hantel gleich (=> an deren einem Ende sich die Erde und an dem anderen Ende der Mond befindet) um einen gemeinsamen Drehpunkt kreist. (Die Kräfte, die von der Sonne ausgehen, sollen hier einfachheitshalber nicht weiter analysiert werden.)

 

Genau darin liegt der Grund, warum wir in vielen Bereichen der Erde durchschnittlich innerhalb von 24:50 h zweimal Hochwasser haben.

 

 

Übrigens sei noch am Rande vermerkt, dass die Anziehungskraft des Mondes auf der dem Mond zugewandten Erdseite durch die Fliehkraft, die natürlich nicht nur auf der mondfernen Erdseite zur Wirkung kommt, in Richtung und Stärke geschmälert wird, wie auch die Fliehkraft auf der dem Mond abgewandten Erdseite durch die Anziehungskraft des Mondes geschmälert wird, da diese Kraft natürlich nicht nur auf der mondnahen Erdseite zur Wirkung kommt.

 

Die daraus resultierenden Anziehungs- und Fliehkräfte sind genau ausbalanciert, also im Mittel exakt gleich groß; denn wenn z.B. die um die Anziehungskraft des Mondes korrigierte Fliehkraft auf der mondfernen Erdseite stets größer wäre als die um die Fliehkraft korrigierte Anziehungskraft des Mondes auf der mondnahen Erdseite, dann würde der Abstand zwischen Erde und Mond allmählich immer größer werden.

 

Diese beiden Kräfte sind jedoch nur im Mittel gleich groß. Wären sie immer gleich groß, würde sich der Mond in einer Kreisbahn um die Erde drehen. In der Realität aber stellt die Umlaufbahn des Mondes um die Erde eine Ellipse dar, was dazu führt, dass der Mond mal dichter an der Erde vorbeizieht und mal weiter, und das dann zu Folge hat, dass mal die Anziehungskraft des Mondes stärker und mal schwächer ist. D.h. die Anziehungs- und Fliehkräfte variieren im Laufe eines Jahres, sind aber im Jahresmittel ausbalanciert. Hierin ist auch der Grund zu suchen, warum nicht im Laufe eines Jahres jedes Springhochwasser immer gleich hoch und nicht jedes Springniedrigwasser immer gleich niedrig ausfällt.

 

Text: Udo Beier

Literatur:

W.Glebe: Ebbe und Flut. Das Naturphänomen der Gezeiten einfach erklärt (2010; 128 S.)